Sexuelle Infektionen

Erster Chlamydien-Impfstoff in klinischen Tests

Chlamydien sind die häufigsten sexuell übertragenen Bakterien weltweit und können die Gesundheit von Frauen stark beeinträchtigen. Jetzt wird erstmals ein Impfstoff gegen den Keim getestet.

Von Wolfgang Geissel Veröffentlicht: 13.08.2019, 07:45 Uhr
Erster Chlamydien-Impfstoff in klinischen Tests

Chlamydia trachomatis aus einem Abstrich der Urethra unterm Mikroskop.

© CDC/ Dr. Wiesner, Dr. Kaufman

KOPENHAGEN. Erstmals ist jetzt ein Impfstoff gegen Chlamydien-Infektionen am Menschen getestet worden. Die mit öffentlichen Mitteln geförderte Vakzine CTH522 mit verschiedenen Adjuvanzien erwies sich dabei als immunogen und gut verträglich, berichten Forscher um Professor Peter Andersen vom Statens Serum Institut in Kopenhagen im Fachblatt „Lancet Infectious Diseases“ (2019; online 12. August). Der Impfstoff basiert auf einem Oberflächen-Protein auf der äußeren Membran von Chlamydia trachomatis.

An der placebo-kontrollierten Phase-1-Studie nahmen 35 gesunde Frauen ohne bisherige Chlamydien-Infektion teil. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip drei Impfgruppen zugewiesen: Je 15 Frauen bekamen den Impfstoff mit je einem von zwei Wirkverstärkern, und zwar entweder mit herkömmlichem Aluminiumhydroxid oder mit dem neuartigen lipsomalen Adjuvans CAF01. Fünf Frauen erhielten stattdessen eine Placebo-Impfung mit Salzlösung. Zur Grundimmunisierung erhielten die Probandinnen drei intramuskulär injizierte Impfdosen (Tage 0, 28, 112) die dann zweimal geboostert wurde (Tage 126, 140).

Ergebnis: Bei allen Frauen ließ sich mit dem Impfstoff eine Immunantwort belegen, in der Placebo-Gruppe jedoch nicht. Mit dem neuartigen Wirkverstärker wurden allerdings im Vergleich 5,6-mal mehr Antikörper gebildet und ebenso eine stärkere zell-vermittelte Immunreaktion. Auch gab es hiermit eine stärkere Immunantwort in Schleimhäuten, dem natürlichen Ort der Infektion. Diese Formulierung soll daher jetzt in Phase-2a-Studien weiter entwickelt werden, berichten die Forscher.

Schutzwirkung noch unklar

Ob die mit der Impfung provozierte Immunantwort allerdings zum Schutz vor Chlamydien-Infektionen ausreicht, ist bisher unklar. „Studien bei Mäusen zeigen, dass Antikörper in der Vagina die erste Abwehrlinie gegen Chlamydien sind. Dies legt nahe, dass eine dort hervorgerufene Abwehr entscheidend für die Schutzwirkung eines Impfstoffs ist“, betont Erstautorin Dr. Helene Baek Juel von dem Institut in einer Mitteilung des Fachblatts.

Der Impfstoff habe sich in der kleinen Studie zudem als gut verträglich erwiesen. Lediglich lokale und überwiegend milde Impfreaktionen an der Einstichstelle wurden registriert.

Hohe Dunkelziffer bei Infektionen

Ein Chlamydien-Impfstoff würde die öffentliche Gesundheit enorm voranbringen, schreibt Professor Toni Darville von der University of South Carolina in den USA in einem Kommentar zur Studie. In Deutschland infizieren sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts bis zu 13 Prozent der jungen sexuell aktiven Frauen.

Die Infektionsrate geht mit zunehmendem Alter und abnehmender Promiskuität zurück. Weltweit schätzt man die Inzidenz auf jährlich 131 Millionen Infektionen, so die Studienautoren. Weil die Infektion oft ohne Symptome verläuft, ist zudem von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Prävention bisher erfolglos

Jede sechste Frau mit Chlamydien-Infektion entwickelt eine Unterleibsentzündung (Pelvic inflammatory disease; PID), die besonders in Entwicklungsländern zu chronischen Schmerzen, Sterilität und Tubargravidität führen kann. Während einer Schwangerschaft erhöht die Infektion die Gefahr für Früh-, Fehl- oder Totgeburten. Chlamydien-Befall steigert zudem das Risiko für andere sexuelle Infektionen, etwa mit Gonorrhö oder dem Aids-Virus HIV. Nach einer ausgeheilten Infektion wurde in Studien eine partielle oder temporäre Immunität belegt.

Nationale Präventionsprogramme waren bisher trotz Verfügbarkeit diagnostischer Tests und wirksamer Antibiotika-Therapien erfolglos. Ein wirksamer Chlamydien-Impfstoff wäre daher hochwillkommen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Hoffnung bei Chlamydien

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