Direkt zum Inhaltsbereich

Exenatide senkt nur erhöhte Blutzucker-Spiegel

HAMBURG (hbr). Bei Typ-2-Diabetikern senkt das neue Antidiabetikum Exenatide die Glukosewerte: Es erhöht die Insulinsekretion und senkt den Glukagonspiegel - je nach Höhe des Blutzuckers.

Veröffentlicht:

Die Wirkung auf die Stoffwechselkontrolle von Typ-2-Diabetikern belegen die Daten von 336 Studienteilnehmern. Mit dem oralen Antidiabetikum Metformin allein hatten sie ihre Blutzuckerwerte nicht mehr in den Griff bekommen. Sie injizierten deshalb zusätzlich zweimal täglich subkutan fünf oder zehn Mikrogramm Exenatide oder ein Placebo.

Nach sechs Monaten war mit zweimal täglich zehn Mikrogramm der HbA1c-Wert im Vergleich zur Placebogruppe um rund einen Prozentpunkt gesunken, berichtete Dr. Michael Trautmann vom Unternehmen Lilly Deutschland. Die halbe Dosis brachte etwa die Hälfte dieses Effektes.

Gleichzeitig verloren die Teilnehmer an Gewicht: in der Placebogruppe nur 300 Gramm, aber Patienten mit täglich 20 Mikrogramm Exenatide nahmen knapp drei Kilogramm ab. Im Gegensatz zu den häufigen Jojo-Effekten üblicher Diäten scheint dieser Erfolg auch langfristig anzuhalten.

Denn die Verum-Patienten, die weiter untersucht wurden, verringerten ihr Gewicht kontinuierlich weiter, so Trautmann. Die Dauer der Beobachtung umfaßt bei einigen Patienten bereits bis zu zwei Jahre. Die mittlere Gewichtsabnahme betrug in dieser Zeit 5,5 Kilogramm.

Die Blutzuckersenkung erreicht Exenatide vor allem über zwei Wege: die verstärkte Freisetzung von Insulin und die Beeinflussung des Glukagonspiegels. Dabei hängen beide Einflüsse von der Blutzuckerhöhe ab. So verstärkte das Präparat bei gesunden Probanden zwar die Insulinfreisetzung, wenn der Blutzucker bei 90 mg/dl lag. Die Stimulation stoppte aber von selbst bei einem Wert von 72 mg/dl, so Trautmann bei einer Veranstaltung des Unternehmens Lilly in Hamburg. Das verringert das Hypoglykämierisiko.

Ähnlich fiel die Verringerung des Glukagonwertes aus. Der Glukagonspiegel ist bei Typ-2-Patienten meist erhöht, was die Leber zur Abgabe von Glukose animiert. Bei zu hohen Blutzuckerwerten, wie sie bei diesen Patienten oft auftreten, ist das denkbar ungünstig. Es ist aber dann notwendig, wenn sich eine Unterzuckerung anbahnt.

Das scheint mit Exenatide zu funktionieren, weil es den Glukagonspiegel glukoseabhängig mindert: Er steigt wieder, wenn der Blutzucker auf rund 72 mg/dl sinkt. Anscheinend wird also die wichtige Schutzfunktion des Glukagons bei Hypoglykämien nicht beeinträchtigt.

Die Europazulassung für Exenatide soll nächstes Jahr beantragt werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Nur ein Übergangszustand

Metabolisch unauffällige Adipositas wohl nicht gutartig

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Lesetipps
Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom

Fußballfans im Stadion jubeln.

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Anpfiff fürs Herzrasen

Gefährlich emotional: Wenn Fußball aufs Herz geht