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Wirbelkörperfrakturen

Flexible Rucksackorthesen fördern die Mobilisation

Die Körperhaltung und Standfestigkeit nach osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen lassen sich mit Rückenorthesen verbessern.

Veröffentlicht:

Thomas Meißner

Das Tragen von Rückenorthesen verbessert bei Patienten nach akuten oder subakuten Wirbelkörperfrakturen die Körperhaltung, das Standgleichgewicht sowie die Kraft der Rumpfmuskulatur und kann Schmerzen lindern. Das berichtet Dr. Michael Pfeifer vom Institut für Klinische Osteologie an der Klinik "Der Fürstenhof" in Bad Pyrmont nach Sichtung und Auswertung der internationalen Literatur (DZKF 2017; 4: 47-51).

Je nach individuellem Beschwerdebild könnten Orthesen ein bis zwei Wochen nach einer Wirbelkörperfraktur verordnet werden, so Pfeifer, der auch koordinierender Autor der DVO-Leitlinienkommission Osteoporose ist. Damit werde die Mobilisation des Patienten gefördert, zugleich erreiche man – die richtige und passende Orthese vorausgesetzt – eine Kräftigung der Rumpfmuskulatur. Besonders wenn es gelingt, die Belastungen auf die Wirbelkörper-Vorderkanten zu verringern, lindert das die Schmerzen. Bei verbessertem Standgleichgewicht, Aktivierung des Patienten und Kraftzuwachs verringert sich potenziell das Sturz- und Frakturrisiko.

Pfeifer weist auf die Vielzahl von Rückenorthesen hin. Starre Orthesen nach dem Drei-Punkt-Prinzip mit passiver Haltungskorrektur und nahezu kompletter Immobilisation schränken die Lungenfunktion ein, fördern den Muskelkraftverlust sowie die weitere Demineralisierung des Skeletts und führen zu Hautirritationen, Ausbildung von Hernien, zu Schmerzen und anderem mehr. Die Compliance der Patienten ist dementsprechend schlecht. Rigide Einschränkungen der Beweglichkeit sollten verhindert werden, betont Pfeifer.

Für die Rehabilitation von Patienten mit Osteoporose-bedingten Wirbelkörperfrakturen empfiehlt er daher flexible Rucksackorthesen. Sie üben über Schultergurte einen leichten Druck auf den Oberkörper aus. Dadurch wird die Anspannung der langen Rückenstreckmuskulatur angeregt, aber auch die Kraft der Abdominalextensoren verbessert. Die Orthese soll an zwei bis vier Stunden täglich getragen werden. Günstig ist die Kombination mit einer medizinischen Trainingstherapie. Das Anbringen zusätzlicher Gewichte von 0,5 bis 2,0 kg unter den Schulterblättern kann die Aufrichtung der Wirbelsäule unterstützen. Für die individuelle Anpassung sowie die Aufklärung der Patienten empfiehlt Pfeifer die Zusammenarbeit mit entsprechend erfahrenen Orthopädietechnikern.

Der Osteologe zitiert eine Metaanalyse, wonach funktionelle Einschränkungen bei Frauen und Männern mit Hilfe von Rückenorthesen signifikant gemindert werden konnten.

Eine eigene Analyse von zwölf randomisierten, kontrollierten Studien ergab Verbesserungen innerhalb der ersten sechs Monate, die bei kontinuierlichem Tragen bis zu einem Jahr anhielten. Voraussetzung ist allerdings, dass ein bereits vorhandener Rundrücken noch aktiv verändert werden kann. Dann, so Pfeifer, lasse sich langfristig ein aufrechteres Gangbild als zuvor erreichen. (ner)

Effekte von flexiblen Rucksackorthesen

- Sie üben über Schultergurte einen leichten Druck auf den Oberkörper aus.

- Dadurch wird die Anspannung der langen Rückenstreckmuskulatur angeregt, aber auch die Kraft der Abdominalextensoren verbessert.

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