Gentechnik

Forschungspolitiker erwägen Reform des Stammzellgesetzes

BERLIN (HL). Die Mehrheitsempfehlung des Nationalen Ethikrats, die Stichtagsregelung für den Import embryonaler Stammzellen aufzuheben, hat bei den Fraktionen des Bundestages eine kontroverse Debatte ausgelöst. Der SPD-Forschungspolitiker René Röspel kündigte an, er werde bei Abgeordneten aller Fraktionen für eine Initiative werben, die einen neuen Stichtag für die Nutzung embryonaler Stammzellen anstrebt.

Veröffentlicht:

Gerade diese Variante war vom Nationalen Ethikrat als politisch wenig glaubwürdig verworfen worden, weil sie nicht von Dauer sein würde. Auch einen gleitenden oder nachlaufenden Stichtag hatte der Ethikrat als nicht geeignet bewertet. Seine Mehrheitsempfehlung ist vielmehr, die Stichtagsregelung aufzuheben, und in einer Einzelfallprüfung den Nachweis zu fordern, dass die Herstellung der zu importierenden embryonalen Stammzelllinien nicht von Deutschland aus veranlasst worden sei.

Röspels CDU-Kollege Michael Kretschmer sprach sich dafür aus, der Empfehlung des Ethikrats zu folgen. Beide Politiker glauben, dass sich das Versprechen der Politik an die Forschung, in Deutschland konkurrenzfähig arbeiten zu können, nicht mehr einlösen lasse. Die alten Stammzelllinien, von denen es auch nur ganz wenige gibt, seien größtenteils nicht mehr verwendbar.

Röspel und Kretschmer glauben, dass der ethische Standpunkt des Gesetzes von 2002 durch die von der Mehrheit des Ethikrats vorgeschlagenen Änderungen nicht angetastet werde. Dies gelte auch für das Votum, deutsche Forscher nicht mit Strafe zu bedrohen, wenn sie sich an Forschungen im Ausland beteiligen, die im Inland nicht erlaubt wären.

Gegen eine Gesetzesänderung sprach sich dagegen der behindertenpolitische Sprecher der Unionsfraktion Hubert Hüppe aus. Die Verschiebung des Stichtags sei nicht tragbar. "Damit würden wir die Tötung von Embryonen veranlassen. Denn die Produzenten der Stammzellen und die Forscher würden sich darauf verlassen, dass wir den Stichtag immer wieder verändern", sagte Hüppe, dessen Auffassung allerdings nicht im Widerspruch zum Mehrheitsvotum des Ethikrats steht.

Die forschungspolitische Sprecherin der Union Ilse Aigner sagte: "Das uneinheitliche Votum des Ethikrats spiegelt die Zerrissenheit wider, die in dieser Frage auch das Parlament prägt." Die Unionsfraktion werde nach der Sommerpause fraktionsoffen eine Reform diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren
Management tumorassoziierter VTE

© Leo Pharma GmbH

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

© Leo Pharma GmbH

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige | Leo Pharma GmbH
Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

© Bristol-Myers Squibb

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

© Alpha Tauri 3D Graphics / shutterstock

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

© Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Dr. Thomas Fischbach

© Jocelyne Naujoks / ÄKNo

Interview

BVKJ-Präsident Fischbach: Wir erwarten eine klare Perspektive von der STIKO

Ein 15-Jähriger erhält beim Hausarzt seine erste Corona-Impfung. Derzeit empfiehlt die STIKO die Impfung nur für Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen. (Archivbild)

© Oliver Berg / dpa / picture alliance

Beschlussvorlage

Spahns Ministerium will mehr Impfangebote für Jugendliche

COVID-19-Patienten auf einer Intensivstation (Archivbild): Um die Auslastung der Kliniken besser einschätzen zu können, schlägt die Deutsche Krankenhausgesellschaft einen Indikatorenmix vor, der neben der Inzidenz die Hospitalisierungsrate, Impfquoten und Teststrategien berücksichtigt.

© Waltraud Grubitzsch / dpa / picture alliance

Infektionsgeschehen

DKG legt neues Pandemie-Warnkonzept vor