Krebs

Fortschritt bei der Nierenkrebs-Therapie

BERLIN (grue). Bei Patienten mit Nierenkrebs wird die Zytokintherapie nach Einschätzung von Professor Carsten Bokemeyer aus Hamburg bald durch die Behandlung mit Multikinase-Hemmern abgelöst. In den USA sind bereits zwei Wirkstoffe aus dieser Substanzklasse zugelassen: Sorafenib und Sunitinib.

Veröffentlicht: 07.02.2006, 08:00 Uhr

In der Therapie beim metastasierten Nierenzellkarzinom gibt es erstmals seit Jahren neue Substanzen, die offenbar die Progression der Erkrankung aufhalten und das Leben verlängern. Der in den USA zugelassene Wirkstoff Sorafenib von Bayer HealthCare blockiert die Signalübermittlung mehrerer Wachstumsfaktoren an Tumor- und Blutgefäßzellen. Diese Faktoren werden bei Patienten mit Nierenzell-Ca vermutlich wegen einer Mutation im Von-Hippel-Lindau-Gen aktiviert, wie Bokemeyer auf der Fortbildungsveranstaltung "Onko Update 2006" in Berlin gesagt hat.

Vorbehandelte Patienten mit nicht-operablem oder metastasiertem Nierenkrebs, die Sorafenib erhielten, waren - verglichen mit Placebo-behandelten Patienten - doppelt solange progressionsfrei (24 versus zwölf Wochen). Im Mittel überlebten die Patienten im Placebo-Arm 15 Monate, im Sorafenib-Arm ist die Lebenszeit länger, aber derzeit als Endpunkt noch nicht erfaßt. Unerwünschte Wirkungen der oralen Therapie waren Hand-Fuß-Syndrome und Nagelfalzveränderungen. Beides erwies sich aber als nicht therapiebegrenzend.

Eine weitere Substanz mit ähnlichem Wirkmechanismus ist Sunitinib vom Unternehmen Pfizer. Bei den damit behandelten Patienten kam es in einer Placebo-kontrollierten Phase-II-Studie 35 Wochen lang nicht zu einer Progression. Es sei abzusehen, so Bokemeyer, daß die neuen Substanzen das Interferon-alpha und das Interleukin 2 aus der Nierenkrebstherapie verdrängen.

In Europa gilt Interferon bisher als Standard bei fortgeschrittenem Nierenzell-Ca, die Therapie ist aber besonders in Kombination mit Interleukin 2 und 13-cis-Retinolsäure sehr belastend und nur mäßig effektiv. Daher wird seit langem nach neuen Optionen gesucht. "Mit den Multikinase-Hemmern ist man nun endlich fündig geworden", sagte Bokemeyer.

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