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Risikopatienten

Frühe Darmkrebs-Vorsorge wird zu selten wahrgenommen

Vielen ist es bewusst, oft wird es verdrängt: Wer ein erhöhtes Darmkrebsrisiko hat, sollte bereits ab 40 Jahren mit der Vorsorge beginnen. Das tut aber nur die Hälfte der Betroffenen.

Veröffentlicht:
55 Prozent der Befragten mit familiärer Vorbelastung hatten eine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge durchführen lassen.

55 Prozent der Befragten mit familiärer Vorbelastung hatten eine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge durchführen lassen.

© Henry Schmitt / stock.adobe.com

Heidelberg. Menschen, deren direkte Verwandte an Darmkrebs erkrankt sind, haben ja selbst ein erhöhtes Darmkrebsrisiko und sollten ab einem Alter von 40 Jahren mit der risikoangepassten Vorsorge beginnen.

Allerdings nimmt nur etwa jeder Zweite von ihnen an einem solchen Screening teil, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) berichtet.

Neun Prozent der Befragten hatten direkten Verwandten mit Darmkrebs

Für eine Studie hatten DKFZ-Wissenschaftler 160 000 Menschen aus Stuttgart, München und Dresden im Alter zwischen 40 und 54 Jahren angeschrieben. 28 711 (18 Prozent) von ihnen beteiligten sich an der Befragung und nahmen an der Darmkrebs-Vorsorge teil (Clin Gastroenterol Hepatol 2019; online 4. Dezember).

Neun Prozent der Befragten gaben an, dass einer ihrer direkten Verwandten (Eltern oder Kinder) an Darmkrebs erkrankt war. Diesen Teilnehmern war die Bedeutung eines früheren Starts der Vorsorge offenbar bekannt: Über die Hälfte (55 Prozent) von ihnen hatte bereits eine Darmspiegelung machen lassen. Unter den Befragten ohne familiäre Vorbelastung war es nur ein Viertel.

„Anders herum betrachtet heißt das jedoch auch: Fast die Hälfte der Menschen mit erhöhtem familiären Risiko nutzt die Chance eines früheren Starts der Vorsorge nicht“, wird Studienleiter Professor Hermann Brenner, DKFZ und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, in der Mitteilung des DKFZ zitiert.

„Betroffene für effektive Vorsorge sensibilisieren“

„Hier könnten insbesondere die Hausärzte und ihre Mitarbeiter wesentlich dazu beitragen, die Betroffenen für eine effektive Vorsorge zu sensibilisieren“, sagt Dr. Korbinian Weigl, Erstautor der aktuellen Arbeit. „Die Frage nach Darmkrebsfällen bei direkten Angehörigen ist eine sehr einfache und aussagekräftige Methode, um das persönliche Risiko abzuschätzen.“

Die Wissenschaftler erinnern daran, dass neben der familiären Vorgeschichte auch viele weitere Faktoren wie die Lebensgewohnheiten für das Darmkrebsrisiko entscheidend seien. Daher sollten auch weitere Methoden hinsichtlich ihrer Eignung für eine verbesserte Risikoeinschätzung geprüft werden, erläutert Brenner.

Das DKFZ berichtet, Wissenschaftler aus Brenners Team hätten vor kurzem demonstriert, dass die gemeinsame Betrachtung weiterer Risikomarker einschließlich verschiedener Labortests für die Abschätzung des persönlichen Erkrankungsrisikos noch deutlich aussagekräftiger sein kann als die Frage nach Krebsfällen in der Familie. (mmr)

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