Früher Enzymersatz stärkt das Herz bei M. Fabry

MANNHEIM (wst). Seit dem Jahre 2001 ist in Europa für Patienten mit Morbus Fabry eine spezifische Enzym-Ersatztherapie verfügbar, die den angeborenen Mangel an Alpha-Galaktosidase A ausgleichen soll. Neue Erkenntnisse sprechen auch aus kardiologischer Sicht für einen möglichst frühen Behandlungsbeginn.

Veröffentlicht:

Morbus Fabry ist eine systemische Erkrankung, die mehrere Organe - vor allem das Herz - in Mitleidenschaft zieht. Daran hat Privatdozent Dr. Frank Weidemann von der Universitätsklinik Würzburg beim Kardiologenkongreß in Mannheim erinnert.

Bereits um das 30. Lebensjahr kann es bei Männern mit dieser Erbkrankheit zu einer progressiven Kardiomyopathie mit fibrosierender linksventrikulärer Hypertrophie und zunehmender Pumpschwäche kommen. Die Folge ist eine tödliche Herzinsuffizienz.

Auch Frauen können die kardiale Manifestation der Enzymmangelerkrankung bekommen. Sie tritt dann aber im Schnitt zehn Jahre später auf als bei Männern, hat Weidemann auf einem vom Unternehmen Genzyme unterstützten Symposium berichtet.

Agalsidase Beta stärkt Ventrikelfunktion

Während einer einjährigen Enzymersatztherapie mit Agalsidase Beta, das vom Unternehman als Fabrazyme® angeboten wird, nahm die linksventrikuläre Hypertrophie signifikant ab. Parallel dazu verbesserte sich die linksventrikuläre Funktion wieder (Circulation 108, 2003, 1299).

Das hat eine Arbeitsgruppe um Weidemann in einer 2003 veröffentlichten Studie mit 14 männlichen und zwei weiblichen an einer Fabry-Kardiomyopathie erkrankten Patienten belegt.

Noch unveröffentlichte Studienergebnisse derselben Arbeitsgruppe untermauern die Vermutung, daß den kardiologischen Manifestationen eines Morbus Fabry um so effektiver vorgebeugt werden kann, je früher die Therapie beginnt.

Im Verlauf einer dreijährigen Enzym-Ersatztherapie mit Agalsidase Beta bei 16 Patienten mit nur mäßiggradiger linksventrikulärer Hypertrophie wurde eine weitgehende Normalisierung des echokardiographischen Befundes erzielt. Jedoch ergab sich im gleichen Zeitraum durch die gleiche Therapie bei 18 Patienten mit bereits stark ausgeprägter Hypertrophie und Fibrose kein nennenswerter echokardiographisch nachweisbarer Effekt mehr.



STICHWORT

Morbus Fabry

Morbus Fabry ist eine X-chromosomal rezessiv vererbte lysosomale Speicherkrankheit. Infolge eines partiellen bis absoluten Mangels des Enzyms Alpha-Galaktosidase A (alpha-GAL) werden Glykosphingolipide wie vor allem Globotriaosylceramide (GL-3) nicht regelrecht abgebaut, sondern vermehrt in vaskulären Endothel- und glatten Muskelzellen, in Leukozyten, Fibrozyten, Nervenzellen sowie in Zellen von Herz und Nieren abgelagert.

Die Erkrankung kann sich bereits bei Kindern durch brennende Schmerzen an Händen und Füßen sowie durch Angiokeratome bemerkbar machen. Schon bei jungen Erwachsenen können lebensbedrohliche Organkomplikationen wie Nierenversagen, Herzinsuffizienz und -infarkt oder Schlaganfall auftreten.

Schätzungen zufolge tritt die lysosomale Speicherkrankheit bei einem von 40 000 Männern auf. Ebenso viele Frauen werden als heterozygote Trägerinnen vermutet. Dabei können auch sie - allerdings meist leichter und später als Männer - manifest erkranken.

Mit Agalsidase Beta, einer gentechnisch hergestellten Kopie des fehlenden Enzyms, steht in Europa seit 2001 eine gut verträgliche Enzymersatztherapie zur Verfügung, die alle zwei Wochen per Infusion verabreicht wird. Die Behandlung führt zum Abbau pathologischer GL-3-Akkumulationen in verschiedenen Organgeweben und verhindert neue Ablagerungen. Symptome werden gelindert.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Ausgewählte Best-of-Abstracts

Melanome – ein Risikoscore für die Immuntherapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Brustkrebs Symbolbild

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Risikoadaptiert und individualisiert behandeln

Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Siphosethu F / peopleimages.com / Stock.adobe.com

Krebsprävention durch Kommunikation

Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Drei Operateure in einem Operationssaal.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Krebskongress

Tumorchirurgie: Geschlecht zählt auf beiden Seiten des Skalpells

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe