Direkt zum Inhaltsbereich

Empfehlung

Für Schwangere kein Hackepeter

Zur Vorbeugung von Listeriose und Toxoplasmose sollten Schwangere auf bestimmte Nahrungsmittel unbedingt verzichten.

Veröffentlicht:

MÜNCHEN.Wichtige Empfehlungen, was Schwangere lieber nicht essen sollten, gibt die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme (Newsletter Dezember 2013, www.kindergesundheit.de).

So seien zum Beispiel "englisch" gebratene Steaks, Hackepeter, Mett oder Teewurst jetzt "absolute no go"s.

"Es geht zunächst einmal um die Listerien" berichtet Hildegard Debertin, Dipl. Oecotrophologin und Generalsekretärin der Stiftung Kindergesundheit.

"Diese stäbchenförmigen Bakterien sind weltweit verbreitet und kommen bei Mensch und Tier, aber auch im Erdboden vor. Eine Infektion mit Listerien verläuft bei gesunden Menschen in der Regel harmlos, oft sogar völlig unbemerkt. Es gibt aber Ausnahmen: Bei Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr - zum Beispiel bei schweren Krankheiten oder durch immunschwächende Medikamente -, in höherem Alter sowie bei Schwangeren und Neugeborenen kann ihr wichtigster Vertreter namens "Listeria monocytogenes" zu schweren Krankheiten führen".

Selten, aber hoch gefährlich

Zwar sind Infektionen durch Listerien in der Schwangerschaft nach wie vor äußerst selten, betont Debertin: "Sie können jedoch das Ungeborene ernsthaft gefährden. Deshalb sollten Schwangere wissen, was bei der Krankheit passiert, wie hoch die Risiken sind und wie man eine Ansteckung vermeiden kann".

Wenn eine werdende Mutter mit Listerien angesteckt wird, hat sie meist nur grippeähnliche Symptome: Es kommt zu Fieber, Schüttelfrost oder zu leichten Magen-Darm-Störungen. Für das ungeborene Baby allerdings können die sonst so harmlosen Krankheitserreger schwerwiegende Folgen haben: Es können Knötchen ("Granulome") in Leber, Milz, Nebennieren, Lunge oder Magen entstehen sowie Kreislauf- und Atemstörungen auftreten.

Die Listeriose gehört zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten mit der höchsten Sterblichkeit!

Listerien können aber auch das Gehirn befallen und zu Krämpfen, Hirnhautentzündungen, Früh- und Fehlgeburten führen. Manche der überlebenden Babys tragen eine bleibende geistige Behinderung davon.

Im letzten Jahr wurden dem Robert-Koch-Institut Berlin 427 Listeriose-Fälle übermittelt, darunter 27 Fälle von Schwangerschafts-Listeriose und 25 Fälle von Neugeborenen-Listeriose.

Bei sieben der an Listeriose erkrankten Mütter endete die Schwangerschaft mit einer Frühgeburt, bei zwei mit einer Totgeburt und in einem Fall mit einer Fehlgeburt. Bei 16 der 23 lebend geborenen Babys mit Listeriose gab es schwere gesundheitliche Probleme, zwei Frühchen starben nach wenigen Tagen.

Gebote für Küche, Kneipe und Kantine

Bei einer frühzeitigen Entdeckung der Listeriose ist eine antibiotische Behandlung des gefährlichen Leidens möglich. Genauso wichtig ist aber auch die Vorbeugung, betont Debertin. Die Ansteckung erfolgt in der Regel durch Lebensmittel, so dass die Empfehlung gilt: in dieser Zeit zu Hause, in Restaurants und in der Kantine auf folgende Lebensmittel lieber zu verzichten:

Milchprodukte, die aus Rohmilch hergestellt wurden; weiche Käsesorten aus pasteurisierter Milch oder mit Oberflächenschmiere z. B. Limburger, Munster, Harzer, Mainzer oder Olmützer Quargel); eingelegter Käse oder Frischkäse aus offenen Gefäßen wie Feta, Schafskäse, Kräuterquark oder Mozzarella.

Unverarbeitete Fische oder Schalentiere (z. B. Sushi, Austern); vorgegarte Garnelen und Krebstiere; geräucherte oder gebeizte Fische (z. B. Räucherlachs, geräucherte Forelle, Graved Lachs).

Rohe Sprossen; ungewaschenes Obst, Gemüse und ungewaschene frische Kräuter und Salate; klein geschnittene, verpackte Mischsalate und Krautsalat; Feinkostsalate und Antipasti aus offenen Gefäßen.

Nicht richtig durchgebratenes Fleisch; frisches Mett, Tatar und ähnliche Produkte aus Hackfleisch sowie rohe Fleischzuschnitte wie Carpaccio; Rohwürste, insbesondere streichfähige, schnell gereifte Sorten (z. B. frische Mettwurst).

Die letzte Empfehlung ist auch aus einem anderen Grund besonders wichtig: "Rohes oder nicht durchgegartes Fleisch ist eine der wichtigsten Quellen für eine Ansteckung mit den Erregern der Toxoplasmose", berichtet Debertin. Diese sehr seltene Krankheit verläuft für die Mutter ebenfalls meist völlig unbemerkt.

Auch sie kann jedoch dem Baby schaden: Die Risiken reichen von Krampfanfällen und Entwicklungsverzögerungen in leichteren Fällen bis zu starken geistigen Behinderungen, Sehstörungen, sogar Erblindung. Im letzten Jahr sind dem Robert-Koch-Institut Berlin 20 Fälle von Babys gemeldet worden, die im Mutterleib mit Toxoplasmen angesteckt worden waren.

Gefahr aus dem Katzenklo

Über die Krankheit sollte man wissen: Die Erreger der Toxoplasmose sind Parasiten, die sich im Darm von Katzen entwickeln. In Deutschland dürften bis zu 70 Prozent aller Hauskatzen mit Toxoplasmen infiziert sein. Die infektiösen Formen der Erreger werden nach der Ausscheidung mit dem Kot durch die Luft gewirbelt und eingeatmet.

Dadurch kommt es zur Infektion von Haustieren: Zwischen 30 und 80 Prozent der Schweine, rund 30 Prozent der Schafe und ein Prozent der Rinder sind mit Toxoplasmen infiziert.

Kochen, Braten oder Pasteurisieren tötet die Toxoplasmen ab. Wichtig ist dabei eine gleichmäßige Temperatur im ganzen Fleischstück. Das kurze Erhitzen in der Mikrowelle reicht nicht aus.

Das Tiefgefrieren der Lebensmittel hat zwar einen abtötenden Effekt, der möglicherweise jedoch nicht ausreicht, da es unter den Erregern auch gefrierresistente Stämme gibt. Daher lautet die Empfehlung: Fleisch sollte für mindestens acht Stunden bei minus 20 Grad Celsius durchgefroren sein, um eine Abtötung der Toxoplasmen zu erreichen.

Da die Erreger mit dem Wind weiter getragen werden, können sie sich auch auf Obst und Gemüse befinden. Deshalb sollte man in der Schwangerschaft Gemüse und Salat besonders sorgfältig waschen.

Außerdem rät die Stiftung Kindergesundheit zur besonderen Vorsicht beim Umgang mit Katzen, vor allem mit dem Katzenklo.

 Seine Reinigung sollten Schwangere anderen überlassen, die dabei Gummihandschuhe tragen und sehr heißes Wasser verwenden sollten. Schwangere sollten sich auch keine jungen Katzen anschaffen und sich bei der Gartenarbeit in katzenreichen Gegenden wegen möglichen Katzenkots in der Gartenerde besonders vorsehen.

Informationen rund um die Schwangerschaft finden Sie auch unter: www.schwangerundkind.de. (eb)

Mehr zum Thema

Über eine Million Datensätze

Wie die Menopause Körperprozesse beeinflusst

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist

Daten aus Deutschland

Übertherapie mit Schilddrüsenhormon L-Thyroxin hält an

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Über eine Million Datensätze

Wie die Menopause Körperprozesse beeinflusst

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie können Ärzte Einsamkeit erkennen und ansprechen, Professor Adli?

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Lesetipps
Rote Beete Wurzel, rote Beete Würfel, rote Beete Scheiben und rote Beete Saft.

© Daniel Vincek / stock.adobe.com

Fallbericht

Eine fast fatale Gemüse-Überdosis