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Für einen Rauchstopp ist es nie zu spät

Bereits einen Tag nach der letzten Zigarette sinkt das Herzinfarktrisiko. Und nach ein bis neun Monaten arbeiten die Flimmerhärchen wieder normal.

Von Thomas Meißner

Die letzte Zigaretten-Packung wird zerdrückt: Rauchstopp hat schon kurzfristig positive Effekte.

Die letzte Zigaretten-Packung wird zerdrückt: Rauchstopp hat schon kurzfristig positive Effekte.

© Sven Weber / fotolia.com

HEIDELBERG. "Für einen Rauchstopp ist es nie zu spät", betonen Experten vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg: Bereits 24 Stunden nach der letzten Zigarette beginne sich das Herzinfarktrisiko zu verringern, nach zwei Wochen bis drei Monaten verbessern sich Kreislaufsituation und Lungenfunktion und nach ein bis neun Monaten führen die Flimmerhärchen der Atemwege wieder ihre normale Reinigungsfunktion aus.

Raucher haben oft auch einen Bluthochdruck, ernähren sich falsch, bewegen sich wenig, sind womöglich übergewichtig oder haben einen Typ-2-Diabetes. Gerade mit Blick auf die Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist es wichtig, diesen Patienten klar zu machen, dass sie sich mit dem Rauchen zusätzlich Lebensqualität und Lebenszeit nehmen.

Denn von den 110.000 bis 140.000 Menschen, die in Deutschland pro Jahr an den Folgen des Tabakrauchs sterben, gehen etwa 40 Prozent auf das Konto von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Inhaltsstoffe des Tabakrauchs stellen die Blutgefäße eng und erhöhen damit den Blutdruck. Vor allem das Kohlenmonoxid, Benzpyrene und Glykoproteine schädigen das Endothel. Makrophagen und T-Zellen wandern ein, ebenso wie Fettmoleküle und es bilden sich Schaumzellen.

Gefäßmuskelzellen produzieren Bindegewebsfasern, sodass letztlich die atherosklerösen Plaques entstehen. Der ebenfalls veränderte Fettstoffwechsel, die Gerinnungsförderung und die Stimulation von Entzündungsprozessen tun ein Übriges, um die Atherosklerose und damit die potenzielle Gefahr für Herzinfarkt, Schlaganfall und die periphere arterielle Verschlusskrankheit zu erhöhen.

Wer es ein Jahr lang rauchfrei geschafft hat, hat nach Angaben des DKFZ sein Risiko für eine koronare Herzkrankheit bereits halbiert, nach 15 Jahren entspricht es dem eines lebenslangen Nichtrauchers. Das Schlaganfallrisiko ist nach fünf rauchfreien Jahren nur noch halb so groß wie zuvor.

Expertendialog beim Krebsforschungszentrum

Für Angehörige von Gesundheitsberufen bietet das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ein Raucher-ExpertenTelefon an. Denn es ist erwiesen, dass medizinisches Personal die Motivation aufzuhören deutlich erhöht.

Am Rauchertelefon erhält man fachlichen Rat zur Entwöhnungsberatung. Dazu gehören nicht nur allgemeine fachliche Informationen auf aktuellem Wissensstand, sondern auch die fallspezifische Beratung und Fallsupervision. Mit dem Einverständnis der Patienten ist es außerdem möglich, die Entwöhnungsberatung direkt ans Rauchertelefon zu delegieren.

Online gibt es eine Reihe nützlicher Materialien, etwa den Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit, zu Kurzinterventionen zur Rauchstopp-Unterstützung oder zu Tabakentwöhnungsprogrammen. (ner)

Rauchertelefon Mo bis Fr, 14 bis 17 Uhr: 0 62 21/ 42 42 00; www.tabakkontrolle.de,www.rauchertelefon.de

Wer raucht, schädigt aber auch die Menschen in seinem unmittelbaren Umfeld. Denn der sogenannte Nebenstromrauch, der beim Glimmen der Zigarette während der Rauchpausen entsteht, enthält die gleichen chemischen Komponenten wie der inhalierte Hauptstromrauch.

Beim Passivrauchen werden der Nebenstromrauch und der vom Raucher wieder ausgeatmete Rauch eingeatmet. Aufgrund der enthaltenen Gift- und Krebs erzeugenden Stoffe stufen nationale und internationale Institutionen auch dies als gesundheitsschädlich ein, ohne dass es eine Mindestmenge gibt, unter deren Dosis kein Schaden mehr zu erwarten wäre.

Wer mit einem Raucher zusammenlebt oder bei der Arbeit Tabakrauch ausgesetzt ist, hat daher ein um 25 bis 30 Prozent erhöhtes Risiko, an koronarer Herzkrankheit zu erkranken. Es ist errechnet worden, dass jedes Jahr in Deutschland mehr als 3300 Nichtraucher an den Folgen des Passivrauchens sterben, davon 2150 an koronarer Herzkrankheit und 700 an Schlaganfällen.

Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind chronische Lungenkrankheiten und Lungenkrebs sowie bei jungen Frauen auch vermehrt Brustkrebs Folgen von Passivrauchen.

Besonders empfindlich reagieren Kinder und Jugendliche auf Tabakrauch. Mehr als 85 Prozent der nicht rauchenden 11- bis 17-Jährigen halten sich zumindest gelegentlich in Räumen auf, in denen geraucht wird, ein Viertel von ihnen sogar täglich.

Das ist besonders fatal angesichts der Tatsache, dass das Rauchen unter Jugendlichen in den vergangenen Jahren stetig abgenommen hat: Seit 2001 halbierte sich deren Anteil auf inzwischen 13 Prozent.

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