Daten von 595 Patienten

Gallensteine – Welchen Patienten nützt die Cholezystektomie?

Die Gallenblase entfernt, aber nicht die Beschwerden – dieses Schicksal teilen nicht wenige Patienten mit Gallensteinen. Dänische Mediziner haben untersucht, ob sich der Erfolg einer Cholezystektomie anhand präoperativer Symptome vorhersagen lässt.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht: 28.04.2017, 05:34 Uhr
Gallensteine: Bis zu 43 Prozent der Patienten haben nach Op weiter Beschwerden.

Gallensteine: Bis zu 43 Prozent der Patienten haben nach Op weiter Beschwerden.

© Thomas Kraus / www.art-of-surgery.com

KOPENHAGEN. Gallensteine verursachen nur bei einer Minderheit von Patienten Beschwerden, die schließlich zur Diagnose einer Cholelithiasis führen. Der Anteil liegt laut Ergebnissen einer Untersuchung, die dänische Ärzte um Daniel Shabanzadeh von der Universitätsklinik Kopenhagen im vergangenen Jahr veröffentlicht haben, bei knapp 20 Prozent (Gastroenterology 2016; 150: 156–67).

Dieselbe Forschergruppe hat sich nun mit dem Problem beschäftigt, wie sich die Indikation zur Cholezystektomie bei Steinträgern zielgenauer stellen ließe. Denn zwischen 10 und 43 Prozent der Patienten mit Gallensteinen klagen nach der Operation über weiterbestehende Beschwerden.

Um herauszufinden, welche Symptome auf Gallensteine zurückgeführt werden können – und daher die Chance signalisieren, dass die Entfernung der Gallenblase sie beseitigt –, haben Shabanzadeh und Mitarbeiter 595 Patienten aus einer Zufallsstichprobe untersucht, die sonografisch Gallensteine aufwiesen, aber nichts davon wussten (J Gastrointest Surg 2017; 21: 831–839). Die Patienten wurden nach einer Basisuntersuchung, einschließlich einer Anamnese der abdominalen Beschwerden in den vorangegangenen zwölf Monaten, im Median 17,5 Jahre nachbeobachtet. Die Diagnose der Cholelithiasis wurde den Patienten nicht eröffnet, um überflüssige Behandlungen zu vermeiden.

Verglichen wurde das Symptommuster bei jenen Patienten, deren Gallensteine im Verlauf der Nachbeobachtung während eines Krankenhausaufenthaltes entdeckt wurden. Dabei wurde zwischen komplizierten (akute Cholezystitis, Stein im Ductus choledochus, Pankreatitis) und unkomplizierten Ereignissen (simple Cholezytektomie oder Diagnose einer Cholezystolithiasis oder Cholelithiasis ohne Therapie) unterschieden. Karzinome traten nicht auf.

Bei 16,6 Prozent der Patienten entwickelte sich ein zur Diagnose führendes Ereignis, bei 7,2 Prozent in komplizierter und bei 9,4 Prozent in unkomplizierter Form. Verglichen mit Studienteilnehmern, bei denen sich kein solches Ereignis einstellte, hatten die Patienten mit unkompliziertem Ereignis signifikant häufiger mäßige bis schwere epigastrische Schmerzen, die stunden- bis tagelang anhielten, eine höhere Frequenz aufwiesen und einer Medikation bedurften. Ein Merkmal späterer komplizierter Verläufe waren nächtliche Schmerzen.

Funktionelle Beschwerden, wie etwa seitens eines Reizdarmsyndroms oder einer Dyspepsie, waren nicht mit klinischen Ereignissen aufgrund von Gallensteinen assoziiert. Im Fall der Dyspepsie wurde eine solche Verbindung zwar zunächst aufgedeckt. Nach Abgleich gegen den Body-Mass-Index zeigte sich aber, dass es sich nicht um einen unabhängigen Parameter handelte – die Assoziation verschwand.

"Gallensteinträger mit den beschriebenen Symptomen sollten in die Chirurgie überwiesen werden", folgern die Autoren. Patienten mit funktionellen oder unspezifischen abdominalen Beschwerden seien hingegen vom Operationssaal fernzuhalten. Ob die Beschwerden der Patienten mit einschlägigen Symptomen nach der Operation tatsächlich verschwanden, wurde in der Studie allerdings nicht überprüft. Das sei künftigen prospektiven Erhebungen vorbehalten, so die dänischen Mediziner.

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