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Cochrane-Review

Geburtseinleitung: Misoprostol in niedriger Dosis ist wirksam und sicher

Ein weiterer Cochrane-Review bestätigt Misoprostol als sicheres Mittel zur Geburtseinleitung. Wichtig ist allerdings, die Dosis niedrig zu halten.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Manchmal geht es nicht ohne eine Geburtseinleitung: In niedriger Dosis trug orales Misoprostol stärker zu einer Reduktion von Kaiserschnitten bei als andere Methoden.

Manchmal geht es nicht ohne eine Geburtseinleitung: In niedriger Dosis trug orales Misoprostol stärker zu einer Reduktion von Kaiserschnitten bei als andere Methoden.

© bevisphoto / stock.adobe.com

Liverpool. Jede fünfte Geburt in Deutschland wird eingeleitet, andernorts ist der Anteil noch höher. Ein häufig dafür eingesetztes Mittel ist Misoprostol, ein Abkömmling von Prostaglandin E1. Die Autoren eines Cochrane-Reviews um Robbie Kerr von der Universität Liverpool haben die Daten von 61 Studien mit 20.000 Frauen zur Geburtseinleitung mit niedrig dosiertem Misoprostol zusammengeführt und in einer systematischen Übersicht analysiert (Cochrane Database Syst Rev 2021; online 22. Juni).

Ihr Fazit: „Die besten verfügbaren Nachweise legen nahe, dass orales Misoprostol in niedriger Dosis wahrscheinlich viele Vorteile gegenüber anderen Methoden zur Einleitung von Geburten hat.“ Eine Anfangsdosis von 25 μg biete dabei womöglich einen guten Ausgleich zwischen Wirkung und Sicherheit.

Studien mit Dosierungen von maximal 50 Mikrogramm

In ihrer Übersicht hatten Kerr und Kollegen Misoprostol mit Placebo, vaginalem Dinoproston, intravenösem Oxytocin und mechanischen Methoden wie dem transzervikalen Foley-Katheter verglichen. In niedriger Dosis, also 50 μg oder weniger, trug orales Misoprostol stärker zu einer Reduktion von Kaiserschnitten bei als vaginales Dinoproston, Oxytocin oder ein transzervikaler Foley-Katheter. Dabei kam es zu vergleichbaren Raten von uteriner Überstimulation mit veränderter fetaler Herzfrequenz. Die Stimulation durch orales Misoprostol fiel zudem geringer aus als nach vaginaler Applikation.

Die Auswertung beschränkte sich auf Studien mit Misoprostol in Dosen von maximal 50 μg. Für Dosierungen, die darüber liegen, hielten die Autoren das Risiko einer Hyperstimulation des Uterus für inakzeptabel hoch.

Fatale Überstimulation durch Fehlanwendungen?

In der teils aufgeregten Diskussion über die Sicherheit von Misoprostol in der Geburtshilfe dürften die Ergebnisse des Cochrane-Reviews auf Interesse stoßen. Anfang vergangenen Jahres schlugen die Wellen hoch, nachdem der Einsatz von Misoprostol in manchen Medien als umstritten hingestellt worden war. Im Mittelpunkt stand dabei der Off-Label-Gebrauch des Misoprostol-Präparats Cytotec, ursprünglich ein Magenmedikament, mit 200 μg Misoprostol. Es ist seit 2006 nicht mehr auf dem deutschen Markt, seit April dieses Jahres wird es auch nicht mehr importiert. Bei den Fällen von fataler Überstimulation, über die 2020 berichtet worden war, könnte es sich um Fehlanwendungen oder Überdosierungen gehandelt haben – so jedenfalls sieht man es bei Cochrane Deutschland.

In einigen europäischen Ländern sind inzwischen niedrig dosierte Misoprostol-Präparate erhältlich, die ausdrücklich für die Geburtsinduktion indiziert sind. Zugelassen ist ein solches Medikament laut Addendum zur aktuellen Leitlinie „Geburtseinleitung“ auch in Deutschland, die Markteinführung wird erwartet. Für Indikationen wie die Behandlung bei Fehlgeburten und Blutungskomplikationen nach der Geburt sind diese Dosierungen jedoch zu niedrig.

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