Direkt zum Inhaltsbereich

Versorgungsbericht

Geflüchtete erhalten selten psychosoziale Versorgung

Geflüchtete müssen im Schnitt mehr als sieben Monate auf einen Therapieplatz warten, kritisiert die Arbeitsgemeinschaft psychosozialer Zentren. Ein Versorgungsbericht liefert weitere Erkenntnisse.

Veröffentlicht:
Bevor Geflüchtete überhaupt zu uns nach Deutschland kommen, haben sie häufig eine Reihe traumatischer Erlebnisse hinter sich.

Bevor Geflüchtete überhaupt zu uns nach Deutschland kommen, haben sie häufig eine Reihe traumatischer Erlebnisse hinter sich.

© Hasan Mrad/ZUMAPRESS.com/picture alliance

Berlin. Nur 4,1 Prozent der Geflüchteten mit möglichem Versorgungsbedarf werden einem Bericht zufolge in Deutschland durch psychosoziale Zentren unterstützt. Das geht aus dem Versorgungsbericht der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) hervor, der am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. Auf einen Therapieplatz müssten Geflüchtete im Schnitt mehr als sieben Monate warten.

Lesen sie auch

Die Leistungsträger im Gesundheits- und Sozialsystem kämen nur zu sechs Prozent für ihre Versorgung auf, kritisierte die BAfF. Für sieben Prozent habe der Bund die Kosten getragen, für 41 Prozent seien es die Länder durch zeitlich begrenzte Projektmittel gewesen. Deutschland komme damit seinen Verpflichtungen aus der UN-Antifolterkonvention nicht nach, so die BAfF. Den Angaben zufolge haben die psychosozialen Zentren 2021 mehr als 21.700 Menschen begleitet, ein Drittel davon durch Psychotherapie. Jeder 20. habe eine psychiatrische Behandlung bekommen. Bei zwei Dritteln sei es um psychosoziale, soziale und asylrechtliche Beratungen gegangen.

Kritik am Asylkompromiss

Der Dachverband von 47 psychosozialen Zentren für Überlebende von Folter, Flucht und Gewalt forderte die Bundesregierung auf, Asylsuchende und gesetzlich Krankenversicherte gleichzustellen. Auch sollten fehlende Sprachkenntnisse durch einen gesetzlichen Anspruch auf Hilfen bei der Übersetzung ausgeglichen werden. Das Angebot der psychosozialen Zentren solle etwa durch Fortbildungen ausgebaut und von Bund und Ländern finanziell gesichert werden.

In diesem Zusammenhang kritisierte die BAfF auch den von den europäischen Innenministern getroffenen Kompromiss einer gemeinsamen europäischen Asylpolitik (GEAS). Die Folgen der GEAS-Reform erzeugten massives psychisches Leid, warnt die BAfF.

Die BAfF äußerte sich anlässlich des internationalen Tages der Unterstützung von Folterüberlebenden am 26. Juni. An diesem Tag im Jahr 1987 trat die UN-Antifolterkonvention in Kraft. (KNA)

Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Randomisierte Studie aus Brasilien

Long-COVID: Fluvoxamin mit Besserung von Fatigue assoziiert

„Rettungskiste“ für die Praxis

Chronische Schmerzen: 5 Tipps fürs Patientengespräch

Global-Burden-of-Disease-Erhebung

Weltweit immer mehr Fälle von Anorexie und Bulimie

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Hände hallten Tablette in linker Hand und Glas Wasser in rechter Hand

© IQ-Photography / Generated with AI / Stock.adobe.com

Medikamentöse Adipositastherapie

Faktenckeck orales Semaglutid: Was es kann und wo der Haken ist