Guter HDL-Wert heißt nicht sicher gute Prognose

NÜRNBERG (wst). Zur Nutzenbewertung von Medikamenten sollten Studien mit klinischen Endpunkten wie Morbiditäts- und Sterberate herangezogen werden. Aber auch das körperliche und geistige Funktionieren und Wohlbefinden sind bedeutsam.

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Eine Erfolgskontrolle mit Surrogatmarkern lässt zwar schnellere Ergebnisse erwarten. Diese spiegeln dann aber die Konsequenzen für die Patienten oft nicht zuverlässig genug wider.

Darauf hat der Lipidspezialist und Labormediziner Professor Winfried März aus Eppelheim bei einem Symposium der Novartis-Stiftung in Nürnberg hingewiesen. Zum Beispiel hätten viele Studien der Vergangenheit übereinstimmend eine klare Beziehung zwischen steigenden HDL-Werten und einer verbesserten Prognose belegt.

Wer sich aber in der Nutzenbewertung des neuen Lipidmodulators Torcetrapib auf den Surrogatmarker HDL verlassen hätte, wäre einem Irrtum aufgesessen. Denn obwohl der CETP(Cholesteryl-Ester-Transfer-Protein)-Hemmer große, bisher unerreichte HDL-Anstiege bewirkte, wurde die 2004 begonnene Zulassungsstudie mit kardiovaskulären Hochrisikopatienten Ende 2006 vorzeitig abgebrochen. Denn eine erste Zwischenauswertung hatte beim Torcetrapib/Atorvastatin-Arm trotz besserer Lipidprofile eine höhere Sterberate als bei der Atorvastatin- Gruppe ergeben.

An andere Beispiele mit negativen Überraschungen, die vor einem unkritischen Einsatz von Surrogatmarkern warnen, erinnerte Privatdozent Stefan Lange vom Kölner IQWiG. So hatten etwa bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen Antiarrhythmika-Therapien trotz einer erheblichen Abnahme der Rate von ventrikulären Extrasystolen zu einem Anstieg der Sterberate geführt.

Und die Hormonersatztherapie für Frauen sei mit erhöhtem Herzinfarktrisiko einhergegangen, obwohl die durch die Behandlung sinkenden Cholesterinspiegel das Gegenteil hätte erwarten lassen, erläuterte Lange.

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