Grippewelle rollt

Hausärzte rüsten sich

Grippale Erkrankungen gehen um in Deutschland. In den Praxen ist daher besonders an Montagen viel los. Doch die Ärzte sind vorbereitet, wie eine Umfrage der "Ärzte Zeitung" zeigt.

Von Marco Hübner und Jana Kötter Veröffentlicht:
Volle Wartezimmer in der Grippesaison.

Volle Wartezimmer in der Grippesaison.

© Patrick Pleul / dpa

NEU-ISENBURG. Die Grippewelle rollt über Deutschland, das zeigen die neuesten Meldungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Deutlich wird das auch an den Patienten, die die Welle in die Arztpraxen zwischen Nordsee und Alpenvorland spült.

 "Wir haben seit knapp zwei Wochen eine rasante Zunahme der Erkrankungsfälle mit plötzlich einsetzendem, sehr hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, oft auch mit Erbrechen und Durchfall kombiniert", sagt Dr. Rainer Graneis, Hausarzt in Nellingen in Baden-Württemberg.

Der Allgemeinmediziner betreut am Tag etwa 40 Patienten mehr als üblich, so seine Schätzung. Die Wartezeiten könnten dadurch zum Teil auf eineinhalb Stunden anschwellen.

Überraschend ist das für Graneis in diesen Wochen des Jahres jedoch nicht - wobei "Intensität und Häufigkeit dieses Mal vielleicht etwas größer sind", betont der Hausarzt.

Schwere Fälle "eher selten"

Grippewellen

2012/13 war mit 23 600 Exzess-Todesfällen die schwerste Grippewelle seit 17 Jahren.

2011/12 ist laut Robert-KochInstitut (RKI) mit 2,1 Millionen zusätzlichen Arzt-Konsultationen zwar relativ schwach verlaufen, hatte aber eine relativ hohe Exzess-Mortalität (7400). Interessant: Die Grippewelle 2011/12 begann erst Mitte Februar.

1995/96 war laut RKI-Aufzeichnungen der schwerste Grippewinter der vergangenen 30 Jahre. Es gab 29.900 Exzess-Todesfälle.

Auch in Bayern zeichnet sich ein ähnliches Patientenaufkommen ab. Dr. Wolfgang Schuck, Hausarzt in Laufach nahe Aschaffenburg, erwartet nach eigenen Angaben etwa durchschnittlich 200 Patienten mit Grippesymptomen pro Woche in seiner Praxis.

Schwere Fälle oder eine "echte Grippe" seien dabei aber eher selten. Dem mit der Influenzawelle verbundenen Trubel im Arbeitsalltag sieht er gelassen entgegen: "Die Arbeit ist zu bewältigen, es sind jedoch lange Arbeitstage, so wie wir es im Februar gewohnt sind", berichtet Schuck.

Routine herrscht auch auf Sylt, wo raues Wetter an der Tagesordnung ist. "Wir kennen das. Und sehen zu, dass wir uns nicht selbst anstecken", sagt Dr. Hans-Joachim Zielinski.

Der Allgemeinmediziner und seine Kollegen vom Asklepios MVZ auf Sylt frischen ihren Impfschutz nach eigenen Angaben jedes Jahr auf - nicht das einzige Mittel, auf das die Praxen zurückgreifen, um den Viren möglichst wenig Boden zu bereiten.

"Wir achten sehr auf hygienisch einwandfreies Arbeiten", berichtet Dr. Christine Nagler. Die Hausärztin arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis in Offenbach am Main. Dort würden beispielsweise Türklinken regelmäßig desinfiziert sowie Räume oft gelüftet.

Im Umgang mit ihren Patienten handelt die Ärztin proaktiv: "Ich bespreche mit ihnen, wie sie sich durch Hygienemaßnahmen im Alltag möglichst gut schützen können."

Ungeachtet der aktuell bereits vielen Patienten in der Praxis, erwartet Nagler den Scheitelpunkt der Grippewelle erst in den kommenden Wochen.

Durch eine deutlich steigende Zahl fiebriger Patienten will sich die Ärztin aber nicht ins Schwitzen bringen lassen: Sie setzt in der Vorbereitung auf den Grippe-Scheitelpunkt auf Teamwork.

Momentan arbeiten zwei Ärzte in der Gemeinschaftspraxis, die von einer Assistenzärztin unterstützt werden. "Wir können aber auch kurzfristig mit mehr Personal reagieren."

Patienten mit Fieber im Blick

Im Moment könnten durch eine geschickte Terminplanung lange Wartezeiten noch vermieden werden. Würden aber viele ohne Termin die Praxis aufsuchen, wie dies etwa an Montagen der Fall sei, könnten die Wartezeiten länger ausfallen.

Dann versucht das Praxisteam "insbesondere fiebrige Patienten möglichst schnell in die Sprechstunde und zur Behandlung einzutakten", betont die Hausärztin.

Patienten zu impfen, hält sie in der aktuellen Situation noch für sinnvoll. In den letzten Tagen kämen zudem mehr Nachfragen wegen der Influenzaimpfung.

"Ich spreche meine Patienten ab Herbst regelmäßig auf die Impfung an, merke aber immer wieder, dass auf diesem Gebiet noch viel mehr Aufklärung notwendig ist", berichtet Nagler. Die Impffreudigkeit der Patienten habe insgesamt eher nachgelassen.

Lesen Sie dazu auch: Atemwegsinfektionen: Deutschland ist vergrippt

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Junge Frau im Rollstuhl

© Julia Zavalishina / stock.adobe.com

Interview

Was eine gute Reha beim Post-COVID-Syndrom ausmacht

Bilder einer Computertomographie des Kopfes mit einem durch Markierung in rot hervorgehobenen Tumor im linken Unterkiefer.

© SutthaB / stock.adobe.com

Kasuistik

Rezidivierende Tumorbildung im linken Unterkiefer

Junge mit Druckverband um den Kopf

© Simon Coste / stock.adobe.com

Wohl mehr Schaden als Nutzen

Kopfverband nach Mittelohr-Operation: Braucht es das wirklich?