Diabetes mellitus

Heftige Armbewegungen - durch Diabetes

Ursache plötzlicher, heftiger, unkontrollierbarer Schleuderbewegungen eines Armes sind meist Läsionen im Zwischenhirn. Wo diese herrühren, war bei einem 71-jährigen Mann zunächst rätselhaft.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

In der T1-gewichteten MRT-Aufnahme findet sich nur eine Signalanhebung im linken Nucleus lentiformis (durchgezogener Pfeil).

WÜRZBURG. Wissenschaftler der Universität Würzburg berichten über einen Patienten, bei dem es plötzlich zu heftigen, unkontrollierbaren Bewegungen eines Armes gekommen war. Der Mann hatte sich wegen der schleudernden Hyperkinesien des rechten Armes an der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg vorgestellt.

Der Patient musste den Arm zeitweise anbinden

Die Bewegungen bestanden seit zwei Wochen und waren so ausgeprägt, dass er den Arm zeitweise angebunden hatte, um Verletzungen zu vermeiden. Zudem bestand eine dystone Fehlhaltung der rechten Hand, auch das rechte Bein war in geringem Maße beteiligt, berichten Dr. Niels Hansen von der Klinik und seine Kollegen (MMW 48, 2009, 41). Zunächst dachten die Neurologen an Spätfolgen einer Therapie mit Neuroleptika wegen einer schizophrenen Psychose viele Jahre zuvor. Zum Zeitpunkt der Untersuchung hatte der Patient keine psychotischen Episoden und benötigte auch keine psychiatrische Therapie.

In der kraniellen Computertomografie fiel ein hyperintenser Nucleus caudatus und N. lentiformis links auf, die Magnetresonanztomografie bestätigte den Befund mit einer T1-Signalanhebung in dieser Region. Weder bestand eine zerebrale Ischämie, noch waren das Elektroenzephalogramm oder der Liquorbefund auffällig.

Das kranielle CT zeigt einen hyperintensen Caput nucleus caudatus (gestrichelter Pfeil) und lentiformis (durchgezogener Pfeil). © (2) Dr. Niels Hansen, Uniklinik Würzburg

Das kranielle CT zeigt einen hyperintensen Caput nucleus caudatus (gestrichelter Pfeil) und lentiformis (durchgezogener Pfeil). © (2) Dr. Niels Hansen, Uniklinik Würzburg

© (2) Dr. Niels Hansen, Uniklinik Würzburg

Zum Hemiballismus kam ein Typ-2-Diabetes hinzu

Allerdings fiel der rechtsseitige Hemiballismus (griech. ballismos - das Tanzen) mit der Diagnose eines Typ-2-Diabetes zusammen. Fast zeitgleich mit dem Auftreten erster neurologischer Symptome hatten die Blutzuckerwerte bei 590 mg/dl gelegen. Der HbA1c-Wert betrug bei Aufnahme in die Neurologische Klinik 15,4 Prozent. Unter der Insulintherapie sowie der Behandlung mit Valproinsäure bildeten sich die Hyperkinesien innerhalb von sechs Wochen vollständig zurück.

Ursache ist vermutlich ein neuronaler Zellverlust

Der hyperglykämische Hemiballismus lasse sich wahrscheinlich auf einen gesteigerten Verlust neuronaler Zellen zurückführen, erläuterte Hansen. Mehrere Hypothesen gehen von zerebralen Mikroeinblutungen, Demyelinisierungen und Störungen des Neurotransmitter-Gleichgewichts aus. Dämmt die konsequente Blutzuckereinstellung die Hyperkinesien nicht ein, kommen zusätzlich Dopaminantagonisten wie Haloperidol in Frage.

Hansen und seine Kollegen behandelten unter der Annahme eines gestörten GABA-Metabolismus mit Valproinsäure, die den Abbau von GABA (Gammaaminobuttersäure) hemmt und die Synthese der Substanz fördert.

Zudem sei Valproinsäure bei ischämischem Hemiballismus wirksam gewesen.

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