Helicobacter pylori plus Adenom - da wird Eradikation empfohlen

Eine Infektion mit Helicobacter pylori gilt als relevanter Risikofaktor für die Entstehung eines Magen-Karzinoms. Die frühzeitige Eradikation des Keims kann daher sinnvoll sein.

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Kleiner Keim, große Wirkung: Helicobacter pylori.

Kleiner Keim, große Wirkung: Helicobacter pylori.

© Foto: Abbott/Altana

ASCHAFFENBURG. Eine Infektion mit Helicobacter pylori ist ätiopathogenetisch bedeutsam für das distale Magen-Ca. Bedeutet das, dass immer eine Eradikationstherapie indiziert ist, wenn dieser Keim im Magen entdeckt wird? Oder sollte - als präventive Maßnahme - sogar ein Screening auf H. pylori gemacht werden?

Die Frage nach einer H.-pyloriEradikation mit dem Ziel der Prophylaxe des Magen-Karzinoms müsse differenziert beantwortet werden, so Professor Wolfgang Fischbach vom Klinikum Aschaffenburg. "Niemals" sei sicher falsch, "immer" erscheine nicht gerechtfertigt, "manchmal" oder besser "häufig" laute die Empfehlung. In der Praxis seien unter dem Aspekt der H.-pylori-Eradikation mit dem Ziel der Prävention eines Magenkarzinoms drei Szenarien vorstellbar (MMW 26-29, 2009, 43).

  • Eine H.-pylori-Infektion wird zufällig bei der Klärung klinischer Symptome (keine Dyspepsie) diagnostiziert.

Hat der Betroffene keine positive Familienanamnese, liegt keine Risikogastritis vor, und klagt er auch nicht über dyspeptische Beschwerden, könne keine generelle Empfehlung zu einer Eradikationstherapie ausgesprochen werden, so Fischbach. Eine solche Therapie würde hier allein unter dem Aspekt der Karzinomprävention erfolgen. Andererseits könne dem Patienten die Option einer Eradikationstherapie aber auch nicht kategorisch vorenthalten werden. Er müsse über den Befund und die Vor- und Nachteile einer Eradikationstherapie aufgeklärt werden. Bei dezidiertem Therapiewunsch werde man sich diesem nicht entziehen können, so Fischbach.

  • Der Patient hat eine Dyspepsie, und die H.-pylori-Infektion wird bei der Klärung der Dyspepsie-Symptome diagnostiziert.

Meistens werde man hier vor dem Hintergrund des subjektiven Leidensdrucks und der begrenzte Therapieoptionen eine Eradikationstherapie vornehmen, so Fischbach. Immerhin reagierten fünf bis zehn Prozent der Patienten auf eine erfolgreiche Keimelimination mit einer anhaltenden Besserung der Beschwerden. Der Aspekt der Prävention eines Magen-Karzinoms wäre bei diesem Szenario sekundär.

  • Bei der Diagnostik wird außer der H.-pylori-Infektion eine Risikokonstellation festgestellt: positive Familienanamnese, Risikogastritis, Magenadenom/-frühkarzinom.

Bei diesem Szenario trete der präventive Aspekt ganz in den Vordergrund, so Fischbach. Auch wenn die aktuelle S3-Leitlinie "Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit" hier nur eine "Kann-Empfehlung" ausspreche, sei hier wohl eine Eradikation angebracht.

Epidemiologische Studien hätten ergeben, dass bei einer Infektion mit H. pylori das Risiko für ein Magen-Ca um den Faktor zwei bis drei erhöht ist, erinnert Fischbach. Auch wenn die Entstehung des Magenkarzinoms ein multifaktorieller Prozess sei, beseitige doch die Eradikation von H. pylori einen relevanten Risikofaktor; eine Eradikationstherapie habe damit einen präventiven Effekt. Argumente gegen eine Eradikation seien das insgesamt niedrige Magen-Ca-Risiko der H.-pyloriInfizierten (Lebenszeitrisiko etwa 1 Prozent), die daraus resultierende ungünstige Kosten-Nutzen-Relation, die Induktion von Antibiotikaresistenzen bei breiter Anwendung und vor allem die Tatsache, dass die Eradikation oft zu spät kommt. Das heiße, so Fischbach: In der Karzinogenese ist dann ein "Point of no return" überschritten, die Eradikation kann in diesen Fällen die Krebsentstehung nicht mehr aufhalten. (sec)

S-3-Leitlinie "H. pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit" auf: www.uni- duesseldorf.de/awmf/ll/021-001.htm

Empfehlungen zur Keimeradikation

In der Leitlinie zu "H. pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit" wird H. pylori als ein wesentlicher Risikofaktor für das distale (Nichtkardia-)Magen-Ca gesehen. Eine Keimeradikation mit dem Ziel der Magenkrebsprävention kann nach der Leitlinie bei Risikopersonen gemacht werden.

Dazu zählen Verwandte ersten Grades von Patienten mit Magen-Ca, Patienten mit Pan- oder korpusdominanter H.-pylori Gastritis sowie Patienten nach endoskopischer Abtragung eines Magenadenoms oder Frühkarzinoms, so Professor Wolfgang Fischbach. Ein Massenscreening mit Therapie bei positivem Befund werde für Deutschland als nicht kosteneffektiv bewertet. (sec)

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