Thalamotomie

Hirn-Op entkrampft Musikerhände

Für Musiker endet oft die Laufbahn, wenn die Finger sich verkrampfen statt virtuos über das Instrument zu huschen. Manche schrecken daher auch vor einer Thalamotomie nicht zurück - tatsächlich kann eine gezielte Läsion Karrieren retten.

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Für Musiker endet oft die Laufbahn, wenn sich die Finger verkrampfen.

Für Musiker endet oft die Laufbahn, wenn sich die Finger verkrampfen.

© Pakhay Oleksandr / fotolia.com

MAINZ. Es gehört wohl schon eine ordentliche Portion Mut und Verzweiflung dazu, wenn sich Musiker mit einer fokalen Dystonie dazu entschließen, ein Stück Thalamus herausschnippeln zu lassen, damit sie anschließend wieder auf der Bühne das Publikum begeistern können.

Doch die gute Nachricht ist, dass es wohl meistens klappt. Darauf hat Professor Jörg Schulz von der Universität Aachen hingewiesen.

Auf der Fortbildungsveranstaltung Neuro Update in Mainz verwies Schulz auf eine Untersuchung bei 15 Musikern in Japan, die aufgrund eines Musikerkrampfes ihren Beruf kaum noch ausüben konnten (Annals Neurol 2013; 74: 648).

Die Patienten hatten zuvor auf Medikamente und andere Verfahren wie Injektionen von Botulinumtoxin nicht ausreichend angesprochen.

Die Musiker spielten während der Op

Die Musiker ließen sich nun unilateral einen Bereich im ventro-oralen Thalamus mit einer Radiowellensonde veröden. Dieser Bereich hatte sich in der Vergangenheit schon bei fokalen Handdystonien bewährt.

Die Operation verlief unter Lokalanästhesie und ohne Sedativa. Während des Eingriffs spielten die Musiker ihr Instrument, dabei setzen die Chirurgen vorübergehende Testläsionen: Die Sonde erhitze das Gewebe kurz auf 45 °C. Konnte dies die Dystonie lindern, dann hatte sie den richtigen Punkt gefunden und verödeten ihn endgültig.

Mit dem Verfahren kam es immerhin bei 14 von 15 Patienten zu einer eindrucksvollen Besserung. Bei elf verschwand die Dystonie praktisch vollständig - sie waren wieder in der Lage, in Konzerten aufzutreten.

Bei drei blieben kleine Einschränkungen, sie hatten noch Probleme mit sehr schwierigen Passagen, nur ein Patient litt unverändert unter seiner Dystonie.

30 Monate nach der Op. war der Zustand bei allen Patienten gleich geblieben. Es kam also bei keinem zu einer Verschlechterung oder Wiederkehr der Symptome.

Allerdings waren bei gut einem Drittel der Patienten nach der Op deutliche Komplikationen wie transiente Dysarthrien oder eine vorübergehende Lähmung aufgetreten.

Schulz hält die Ergebnisse für sehr interessant. Möglichweise könne man ähnliche Ergebnisse auch weniger invasiv erzielen - etwa über eine tiefe Hirnstimulation. (mut)

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