ZNS-Tumoren/Hirntumor

Hirntumoren: Längere Lebenszeit mit Epilepsie-Arznei

Drei Monate mehr Lebenszeit bleibt GlioblastomPatienten, wenn sie zur Standardtherapie Valproat erhalten. Bei einer Lebenserwartung von kaum mehr als einem Jahr ist dies ein beachtlicher Zugewinn.

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 27.09.2011, 16:00 Uhr
Hirntumoren: Längere Lebenszeit mit Epilepsie-Arznei

Ist Valproat bei Hirntumoren eine Therapie-Option?

© Arteria Photography

ZÜRICH. Etwa die Hälfte der Patienten mit Glioblastom entwickeln epileptische Anfälle. Sie benötigen daher auch eine Therapie mit Antikonvulsiva. Ob und in welchem Maße eine solche Therapie die Lebenszeit der Patienten beeinflusst, haben nun Forscher um Dr. Michael Weller vom Züricher Universitätsspital genauer untersucht. Als Basis dienten ihnen Daten von 573 Glioblastom-Patienten der Studie EORTC/NCIC, die sich nach der Tumorresektion entweder einer alleinigen Bestrahlung oder einer Radiochemotherapie mit dem Standardtherapeutikum Temozolomid unterzogen. Zu Studienbeginn hatten bereits knapp 400 Patienten auch Antiepileptika genommen, davon 97 ausschließlich Valproat (Neurology 2011; 77: 1156).

Insgesamt zeigte die Studie einen deutlichen Vorteil der Radiochemotherapie gegenüber einer alleinigen Bestrahlung, nicht zuletzt deswegen ist die Radiochemotherapie nach Resektion seit einigen Jahren Standard beim Glioblastom. Allerdings: Die Wahl des richtigen Antikonvulsivums scheint einen ähnlich großen Einfluss zu haben wie der Zusatz von Temozolomid. So lebten die Patienten mit alleiniger Bestrahlung im Median etwa 10 bis 12 Monate, rund 14 Monate waren es mit zusätzlicher Temozolomid-Therapie, aber ohne Antiepileptika. Erhielten sie zur Radiochemotherapie Enzym induzierende Antiepileptika, lag die mediane Überlebenszeit bei 14,4 Monaten und war damit nur unwesentlich länger. Ganze drei Monate länger, nämlich 17,4 Monate, war sie dagegen bei einer Radiochemo plus Valproat.

Die Therapie mit Valproat hatte allerdings nicht nur Vorteile. So kam es damit häufiger zu ernsten Thrombopenien und Leukopenien als mit anderen oder ohne Antikonvulsiva.

Über die Gründe für die lebensverlängernde Wirkung von Valproat lässt sich bislang nur spekulieren. Zum einen scheint das Medikament die Bioverfügbarkeit von Temozolomid zu erhöhen, zum anderen blockiert es das Enzym Histon-Deacetylase (HDAC), was die Tumorzellen empfindlicher für eine Radiochemotherapie machen könnte.

In Studien werden derzeit spezifische HDAC-Blocker wie Vorinostat in Kombination mit einer Radiochemotherapie bei Patienten mit einem Glioblastom geprüft. Solche Enzymhemmer hätten zudem den Vorteil, dass mit deutlich weniger unerwünschten Wirkungen als bei Valproat zu rechnen sei, vermuten die Studienautoren.

Das könnte Sie auch interessieren
Thromboseprophylaxe und COVID-19

„ÄrzteTage extra“-Podcast

Thromboseprophylaxe und COVID-19

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Leo Pharma GmbH, Neu-Isenburg
Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

CAT-Algorithmus

Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

Anzeige
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Honorarverhandlungen 2021 sind schon geplatzt

Nullrunde?

Honorarverhandlungen 2021 sind schon geplatzt

Russland lässt weltweit ersten Corona-Impfstoff zu

Adenovirus-Vakzine

Russland lässt weltweit ersten Corona-Impfstoff zu

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden