Klimawandel

Hitzewellen sind für Diabetiker besonders bedrohlich

Der Klimawandel stellt Ärzte vor besondere Herausforderungen. So sind etwa die zunehmenden Hitzewellen bei Diabetes ein großes Problem. Neben der meist vorliegenden Adipositas birgt auch das Insulin Gefahren.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Hitze setzt Diabetikern besonders zu

Hitze setzt Diabetikern besonders zu: Nervenschäden hemmen die Funktion von Schweißdrüsen und Gefäßen und die Wirkung von Antidiabetika verändert sich.

© New Africa / stock.adobe.com

Wiesbaden. Die extreme Hitzewelle 2003 hat allein in Deutschland etwa 7600 Tote gefordert, erinnerte Professor Erhard Siegel aus Heidelberg. Der Ärztliche Direktor am St. Josefskrankenhaus prognostizierte, dass künftig durch den Klimawandel solche Extremwetterlagen häufiger auftreten werden.

Und: Dabei müsse man sich künftig auf eine Übersterblichkeit wie bei einer schweren Grippewelle einstellen, sagte Siegel bei einer virtuellen Pressekonferenz im Vorfeld der gemeinsamen Herbsttagung der Deutschen Gesellschaften für Diabetes (DDG) und Adipositas (DAG).

Hitzeanpassung ist gestört

Siegel warnte: Bei Menschen mit Diabetes und Adipositas ist wegen gestörter Hitzeanpassung bei Extremwetterlagen eine besonders hohe Morbidität und Mortalität zu befürchten. So funktionieren bei Diabetes die physiologischen Anpassungsmechanismen nur eingeschränkt, sagte er. Beeinträchtigt seien sowohl der feuchte Hitzeaustausch über Schwitzen als auch der trockene Hitzeaustausch über verstärkten Hautblutfluss mittels Gefäßerweiterung.

Zu den Ursachen zählen periphere und zentrale Störungen der regulierenden Schweißdrüsen und Blutgefäße, erläuterte Siegel. So ist die Aktivität sympathischer Nervenbahnen bei Diabetes bekanntlich häufig herabgesetzt. Hinzu kommt ein besonders ungünstiges Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpervolumen bei Adipösen im Vergleich zu Normalgewichtigen, was den trockenen Wärmeaustausch weiter begrenzt. Und schließlich zeigt das Fettgewebe eine niedrigere Wärmekapazität als die Muskelmasse, sodass die Wärmeabgabe bei Menschen mit Adipositas langsamer erfolgt.

Temperatursensible Arzneien

Weitere Probleme kommen bei insulinpflichtigen Patienten hinzu. Denn durch den erhöhten Blutfluss für den trockenen Hitzeaustausch wird das Insulin schneller als üblich im Körper verteilt und aufgenommen. Das erhöht wiederum das Hypoglykämie-Risiko.

Im Gegensatz dazu kann es bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die nur unzureichend mit oralen Antidiabetika eingestellt sind, zu Hyperglykämien kommen. Folge der hohen Glukosewerte kann dann eine erhöhte Osmolalität des Blutes sein. Hitzeaustausch wird dadurch weiter behindert, und das Risiko für Dehydrierung steigt.

Stoffwechselentgleisungen werden zudem durch die Temperatursensibilität von Insulin und oralen Antidiabetika begünstigt. So sind die verfügbaren Insuline alle temperaturempfindlich und werden bei Temperaturen über 30° C zerstört, warnte der Diabetologe. Die richtige Lagerung (2° bis 8° C) ist gerade in Hitzeperioden von enormer Wichtigkeit.

Siegel appellierte an Ärzte, die Bedrohungen durch Hitzewellen und die Anpassung der Medikation zu besprechen.

Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München

Wenig bekannte Insulinkomplikation

Vorsicht bei Insulininjektionen: Nicht immer dieselbe Stelle nehmen

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Robert Koch-Institut

Impfkalender für 2026: Die Neuerungen im Überblick

Stiftung Lebensblicke

Darmkrebs bei jungen Menschen: Entwarnung für Deutschland

Wechselwirkungen

Diese Medikamente sind bei Herzinsuffizienz riskant

Lesetipps
Eine kalorienarme, pflanzenbasierte Kost für mehrere Tage am Stück pro Monat kann Patienten und Patientinnen mit Morbus Crohn bei der Remission helfen.

© rh2010 / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: In nur fünf Tagen per Diät zur Remission?

Diabetespatientin spritzt sich Insulin mit Insulinpen

© Goffkein / stock.adobe.com

Wenig bekannte Insulinkomplikation

Vorsicht bei Insulininjektionen: Nicht immer dieselbe Stelle nehmen