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Hodenhochstand - Therapie im Babyalter

Bei Jungen mit Hodenhochstand galt bisher als Ziel, die Behandlung zum Ende des zweiten Lebensjahres abzuschließen. Nach neuen Erkenntnissen wird nun der erste Geburtstag angestrebt.

Von Angela Speth Veröffentlicht:
Männer mit ehemaligem Hodenhochstand sollten sich regelmäßig selbst untersuchen.

Männer mit ehemaligem Hodenhochstand sollten sich regelmäßig selbst untersuchen.

© Mathias Ernert, Uni Mannheim

DÜSSELDORF. Je früher die Therapie bei Hodenhochstand beginnt, um so geringer ist das Risiko, im späteren Leben an Hodenkrebs zu erkranken, stellt die Deutsche Gesellschaft für Urologie in einer Mitteilung zu ihrer 62. Jahrestagung fest. Auch die Spermienqualität nach der Pubertät sei bei Behandlung im ersten Lebensjahr besser, sagte Professor Joachim Steffens aus Eschweiler auf einem großen Forum in Düsseldorf.

Der Maldescensus testis ist die häufigste genitale Fehlbildung bei männlichen Babys, mit rund drei Prozent der reif und einem Drittel der früh geborenen Jungen. Er wird heute als Endokrinopathie eingestuft. Nur eine Normvariante ist der Pendelhoden, der sich locker an den tiefsten Punkt des Skrotums verlagern lässt und dort bleibt, bis ihn ein überschießender Kremasterreflex zurückzieht.

Dagegen liegt der Gleithoden oberhalb des Skrotums und kann wegen der angespannten Samenstränge höchstens bis zu dessen Eingang gezogen werden, erläuterte Steffens. Der Leistenhoden wiederum befindet sich unveränderlich in der Leiste. Ektope Hoden haben sich auf ihrem Weg nach unten verirrt; sie sind dann zum Beispiel an der Oberschenkelinnenseite, an der Peniswurzel oder perineal nachweisbar.

Aufmerksamkeit ist auch bei älteren Jungen angebracht

Immer noch werden nicht alle Jungen mit Hodenhochstand rechtzeitig behandelt, merkt die Deutsche Gesellschaft für Urologie an. Dennoch beobachtet Professor Raimund Stein, Vorsitzender des DGU-Arbeitskreises Kinderurologie, in seinem persönlichen Umfeld eine positive Tendenz und schreibt sie der langjährigen Aufklärungsarbeit zu.

Allerdings gibt es für die Tatsache, dass noch rund 1,5 Prozent der vier- bis achtjährigen Jungen einen Hodenhochstand haben, auch eine andere Erklärung als Versäumnisse bei Diagnose und Therapie. Nach jüngsten Studien sei es ein eigenständiges Phänomen, dass primär im Skrotum befindliche Hoden später wieder aufsteigen. Das hat praktische Konsequenzen. Denn Aufmerksamkeit für diese Fehlbildung ist nicht nur bei Babys angesagt, sondern auch noch bei älteren Jungen - dafür plädiert der Kinderurologe von der Universität Mainz.

Bei etwa einem Fünftel der Jungen mit Maldescensus testis sind keine Hoden tastbar. Die Gründe sind je etwa zur Hälfte eine Bauchlage oder aber Atrophie, Agenesie und Hodenrudiment. Die Diagnose wird durch Inspektion und Palpation gestellt, während das Kind liegt. Eine Sonografie ist nicht routinemäßig indiziert. Für nicht tastbare Hoden stellt die Laparoskopie die akzeptierte Methode zur Ortung dar.

Allgemein ist wichtig, auf morphologische oder psychomotorische Auffälligkeiten zu achten, da ein Hodenhochstand Teilbefund bei genetischen Syndromen sein kann. Gelingt es nicht, Pendel- von Gleithoden abzugrenzen, bittet man die Eltern, für zweimal fünf Tage morgens, mittags und abends die Hodenlage zu protokollieren. Zum Nachweis von Testosteron-produzierendem Gewebe eignen sich HCG-Stimulation oder Inhibin B-Test.

Bis zum sechsten Lebensmonat kann ein spontaner Hodendeszensus abgewartet werden, mit dem bei etwa sieben Prozent dieser Kinder zu rechnen ist. Danach aber ist ein Beginn der Behandlung unabdingbar, weil dann zumindest bei einseitigem Hochstand die Fruchtbarkeit nicht wesentlich eingeschränkt ist.

Im ersten Lebensjahr ist nach Angaben der DGU zunächst eine Hormontherapie angezeigt: mit LHRH-Analoga, HCG oder dem ersten gefolgt vom zweiten. Sie sei zwar mit 20 Prozent nur mäßig erfolgreich, zudem komme es bei einem Viertel der Jungen zum Rezidiv, dennoch verspreche man sich eine bessere Reifung der Keimzellen und damit höhere Chancen für Fertilität.

Der nächste Schritt ist eine Op, deren Erfolgsrate mehr als 95 Prozent beträgt. Liegt der Hoden inguinal oder hochskrotal, sind Orchidolyse und nachfolgende Pexie in eine subkutane Tasche des Hodens ausreichend. Bei hoch inguinalen und abdominalen, nicht tastbaren Hoden bietet sich bei der laparoskopischen Suche die Erweiterung zum therapeutischen Eingriff an: die Unterbindung der Testikulargefäße nach Fowler-Stephens. Üblich ist das zweizeitige Vorgehen, um das Wachsen von Kollateralgefäßen abzuwarten.

Selbst nach einer Behandlung bleibt ein erhöhtes Krebsrisiko bestehen: ums Fünf- bis Zehnfache im Vergleich zu Männern ohne Hodenfehllage. Ursache sind Dysplasien als Teil des Primärschadens. Meist werden die Malignome im Alter von 20 bis 40 manifest. Daher sollen Männer mit ehemaligem Hochstand ab dem 15. Lebensjahr ihre Hoden regelmäßig auf Vergrößerung oder Konsistenzänderung untersuchen.

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