Aidshilfe

Hohe Hürden für Behandlung von Drogenkonsumenten

Viele Drogenkonsumenten sterben, weil ihre Behandlung am geringen Zugang zur Substitutionstherapie scheitert, kritisiert die Aidshilfe anlässlich des Internationalen Gedenktags für gestorbene Drogengebraucher am 21. Juli.

Von Marco Mrusek Veröffentlicht: 21.07.2020, 15:41 Uhr
Hohe Hürden für Behandlung von Drogenkonsumenten

An den Folgen ihres Drogenkonsums sind 2019 in Deutschland rund 1400 Menschen gestorben.

© Leszek Czerwonka / stock.adobe.com

Berlin. 1.398 Menschen sind im letzten Jahr an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Daran erinnert die Deutsche Aidshilfe aus Anlass des Internationalen Gedenktags für gestorbene Drogengebraucher am 21. Juli. Diese Todesopfer seien auch aufgrund der repressiven Drogenpolitik in Deutschland zu beklagen, heißt es in einer Mitteilung der Aidshilfe.

Drogenkonsum hat einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die HIV-Neuinfektionen in Deutschland. Den aktuellsten Daten des Robert Koch-Instituts zufolge entfallen 13 Prozent der HIV-Neuinfektionen in Deutschland auf den Infektionsweg intravenöser Drogengebrauch, das waren 310 Neuinfizierte im Jahr 2018.

Diese Zahl steigt seit Jahren auf niedrigem Niveau. Außerdem kommt es unter HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), immer häufiger zu Sexualkontakten unter Drogeneinfluss, sogenannter Chemsex, wie eine Schweizer Studie kürzlich belegte (HIV Med 2020; 21(4):228-239)

Es mangelt an Substitutionsbehandlungen

Eine bedeutende Ursache für drogenbedingte Todesfälle ist fehlender oder unzureichender Zugang zur Gesundheitsversorgung, hier vor allem Möglichkeiten zur Substitutionsbehandlung, kritisiert die Aidshilfe.

Zurzeit wird nur etwa die Hälfte der rund 160.000 Menschen, die in Deutschland Heroin und andere Opioide konsumieren, substituiert. Dass diese Zahl nicht höher ist, liegt der Aidshilfe zufolge an zwei Hürden:

  • Es brauche generell einen leichteren Zugang. Denn die Hürden seien für viele hoch, zum Beispiel durch eine Pflicht zur täglichen kontrollierten Einnahme des Medikaments in der Substitutionspraxis.
  • Zum anderen müsse diese Standardtherapie auch für Menschen ohne Krankenversicherung oder Papiere geöffnet werden. Denn viele Drogen konsumierende Menschen in Deutschland sind aus Krisengebieten geflohen, schwer traumatisiert und erhalten nur eine medizinische Notversorgung, in der Regel keine Substitutionsbehandlungen oder Psychotherapien.

Noch viel zu tun

Es blieben noch viele Möglichkeiten ungenutzt, das Leben und die Gesundheit von Drogen konsumierenden Menschen zu schützen und Infektionen zu verhindern, betont die Aidshilfe. Dringend geboten seien:

  • Die regelhafte Abgabe von Naloxon–Nasenspray an möglichst viele Drogenkonsumenten und potenzielle Ersthelfer. Das leicht zu verabreichende Notfallmedikament rette bei einer Überdosis Heroin Leben.
  • Eine umfassende medizinische Versorgung für alle Drogen konsumierenden Menschen in Deutschland – einschließlich einer HIV- und Hepatitis-C-Behandlung.
  • Die Gleichbehandlung von Menschen in Haft: Häufig haben sie keinen Zugang zur Substitution oder zur Hepatitis-C-Therapie.
  • Vergabe sauberer Spritzen und Konsumutensilien in Gefängnissen.
  • Drogenkonsumräume in allen Bundesländern – bisher gibt es diese Einrichtungen nur in acht Bundesländern.
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