Hormonstörungen

Hormone und Verhalten: Da gibt‘s eine enge Verzahnung

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Oxytocin-haltiges Nasenspray macht Männer einfühlsamer. Das hat eine aktuelle Studie ergeben. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern in puncto Gehirn, Hormone und Verhalten sind auch Thema beim Internistenkongress.

WIESBADEN (eb). Der Botenstoff Oxytocin macht Männer einfühlsamer: Ein Nasenspray mit der Substanz erlaubt es dem starken Geschlecht, so intensiv mit anderen Menschen mitzufühlen, wie dies sonst nur Frauen gelingt.

Trostspenden: Wie stark sind dabei Hormone im Spiel?

Trostspenden: Wie stark sind dabei Hormone im Spiel?

© Patrizia Tilly / fotolia.com

Wie die Geschlechter sich in Gehirn, Hormonen und Verhalten unterscheiden, diskutieren Experten bei einem Symposium auf dem 117. Internistenkongress in Wiesbaden. Die Schauspielerin und Ärztin Dr. Maria Furtwängler leitet die Sitzung gemeinsam mit Kongresspräsident Professor Hendrik Lehnert aus Lübeck.

Dass Oxytocin Männer für Gesichtsausdrücke empfänglicher macht, hat kürzlich eine Studie der Universität Bonn und des Babraham-Instituts Cambridge ergeben, teilt die DGIM vorab zum Kongress mit. Darin gaben die Forscher den Probanden ein Oxytocin-haltiges Nasenspray.

 Eine Vergleichsgruppe benutzte Placebo. Anschließend sahen sich die Teilnehmer emotional belegte Fotos an: Ein weinendes Kind, ein Mädchen, das eine Katze umarmt, ein trauernder Mann.

Ergebnis: Die Verum-Gruppe reagierte deutlich empathischer auf die Bilder. Männer erreichten dabei Werte, die sonst für Frauen typisch sind. "Dies bestätigt messbar die Annahme, dass Frauen und Männer hier unterschiedlich ausgestattet sind", so Lehnert.

Diesen verschiedenen Voraussetzungen der Geschlechter müsse die Medizin noch stärker Rechnung tragen. Unterschiede zwischen weiblichem und männlichem Gehirn, Hormonen und Verhalten thematisiert der DGIM-Vorsitzende deshalb in Wiesbaden in dem Symposium "The male and female brain".

Die enge Verzahnung von Hormonen und Verhalten belegten die Bonner Forscher auch in einem Fragetest: Die Oxytocin- und die Kontrollgruppe mussten am Computer Merkaufgaben lösen. Bei richtigen Antworten erschien auf dem Bildschirm ein lobendes, bei falschen ein tadelndes Gesicht.

 Alternativ erfolgte das Feedback über grüne oder rote Kreise. Ergebnis: Der Lernerfolg war größer, wenn Gesichter ihn bestätigten. Vor allem aber sprachen Probanden, die Oxytocin verwendet hatten, deutlich besser darauf an als Probanden mit Placebo.

Oxytocin löst bekanntlich die Geburtswehen aus und fördert die Laktation. Oxytocin prägt aber auch die Bindung von Mutter und Kind und zwischen Partnern. "Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Hormonen, Gehirn und Verhalten haben nicht nur für eine geschlechterbezogene Medizin erhebliche Bedeutung", sagt Lehnert.

Die Ergebnisse der Bonner Forscher legen nahe, die Substanz therapeutisch einzusetzen. Möglicherweise eignet sich das Hormon zur Therapie etwa bei Schizophrenie. Denn diese Erkrankung geht oft mit einem Verlust der sozialen Kontaktfähigkeit einher.

Beim Internistenkongress diskutieren Experten den Einfluss des Geschlechts auf Belohnungssysteme, Sprache und Gedächtnis. Hinterfragt wird außerdem, welche Verhaltensweisen bei Mädchen und Jungen angeboren und welche mit dem Heranwachsen erworben sind, kündigt die DGIM an.

Ein Thema ist dabei auch, wie Hunger und Essverhalten hormonell gesteuert sind und sich bei Männern und Frauen verschieden ausprägen.

Veranstaltungstipp: Symposium "The male and female brain/Gehirn, Hormone und Verhalten"; Sonntag, 1. Mai, 15.00 bis 16.20 Uhr, Rhein-Main-Hallen, Halle 1

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