Auf den Hund gekommen

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen ein höheres Kontaminationsrisiko.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Ein Dachshund und sein bärtiges Herrchen: Wer kontaminiert das MRT mehr?

Ein Dachshund und sein bärtiges Herrchen: Wer kontaminiert das MRT mehr?

© Fxquadro / stock.adobe.com

LUZERN. Vielleicht mag es manchen Patienten missfallen, in ein MRT-Gerät gesteckt zu werden, in dem zuvor ein betäubter Hund lag. Glaubt man einer Untersuchung Schweizer Forscher, muss sich aber niemand Sorgen machen, sich eine Zoonose zu holen, wenn das MRT gelegentlich auch zu veterinärmedizinischen Zwecken Verwendung findet. Ganz im Gegenteil: Von bärtigen Männern geht nach ihren Resultaten ein weitaus höheres Infektionsrisiko aus (doi: 10.1007/s00330-018-5648-z).

Mehr Keime in Bärten als im Pelz

Für Tierkliniken lohnt sich in der Regel die Anschaffung eines MRT nicht, schließlich reicht die Liebe der meisten Haustierbesitzer nicht für teure medizinische Therapien und Untersuchungen. Immerhin gewähren einige Humankliniken Vierbeinern Zutritt zum MRT, jedenfalls dann, wenn die Geräte nicht ausgelastet sind, berichten Radiologen und Tierärzte um Dr. Andreas Gutzeit von der Klinik St. Anna in Luzern.

Zwar desinfiziert das Personal die Scanner anschließend gründlich, dennoch könnte es Sicherheitsbedenken geben. Die Ärzte um Gutzeit schauten daher, ob es aus hygienischer Sicht tatsächlich riskant ist, wenn sich Hund und Mensch einen Scanner teilen.

Für die Studie legten sie 30 Hunde von 16 verschiedenen Rassen in den MR-Tomografen der Klinik. Dort werden neben rund 8000 Humanscans pro Jahr gelegentlich auch Hunde untersucht.

Kontrollgruppe: 18 bärtige Männer

Die Hunde wurden zumeist aufgrund neurologischer Beschwerden aufgenommen. Als Kontrollgruppe dienten 18 bärtige Männer. Diese wurden in Luzern sowie an zwei weiteren Kliniken ohne Hunde-MRT untersucht. Die Forscher nahmen Pelzproben vom Nacken und Maulabstriche der Hunde sowie Bartproben und Mundabstriche der Männer für eine bakteriologische Untersuchung. Zudem prüften sie die Scanner nach den Untersuchungen auf Bakterien.

Die Männer waren im Schnitt 36 Jahre alt, die Hunde mit 3,8 Jahren aus Hundesicht in einem ähnlichen Alter. Wie sich zeigte, waren Männerbärte deutlich unhygienischer als Hundepelz. So konnten die Forscher in den Bärten signifikant mehr Keime nachweisen als im Nackenpelz der Tiere, der Experten zufolge die höchste Keimbelastung aufweist.

Der menschliche Mund verseuchter als das Maul von Vierbeinern?

Alle Männer hatten eine hohe Keimlast (mehr als 30 kolonienbildende Einheiten, CFU), dies traf nur auf drei Viertel der Tiere zu. Sieben der Männer (39%) trugen auch humanpathogene Erreger (Enterococcus faecalis und Staphylococcus aureus), solche fanden die Forscher hingegen nur bei vier Hunden (S. aureus, Moraxella, Enterococcus).

Ein ähnliches Bild bot sich bei den Mund- und Maulabstrichen. Eine hohe Keimzahl trugen 17 von 18 Männern, aber nur 12 von 30 Hunden. Allerdings: Potenziell für Menschen gefährliche Keime ließen sich lediglich bei einem Bartträger (Serratia marcescens), aber immerhin bei zwei Drittel der Hunde nachweisen (Pasteurella, E. coli, E. faecalis).

"Hunde sauber im Vergleich zu bärtigen Männern"

Wurden die Scanner nach den Hundeuntersuchungen gründlich desinfiziert, waren keine Keime mehr in den Geräten nachweisbar, dagegen fanden die Forscher nach Routineuntersuchungen an Menschen im Schnitt fünf CFU im MRT – und zwar sowohl an der Luzerner Klinik als auch an den beiden anderen Krankenhäusern.

Offenbar stellen bärtige Männer unter Hygieneaspekten ein höheres Sicherheitsrisiko dar als Hunde. Dieser Auffassung sind jedenfalls die Studienautoren: "Aufgrund der Resultate können Hunde im Vergleich zu bärtigen Männern als sauber gelten", schreiben sie.

Gelegentlich mal einen Hund in den Scanner zu legen, könne die Hygiene sogar deutlich verbessern, da das MRT anschließend gründlich sterilisiert werde, was im Routinebetrieb mit Menschen eher nicht der Fall sei.

Ob die Luzerner Ärzte aufgrund ihrer Resultate künftige mehr Hunde und weniger Bartträger ins MRT lassen, darüber machen sie jedoch keine Angaben.

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