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Kommentar

Hurra, wir retten die Masernviren!

Von Michael Hubert Veröffentlicht:

Wir Deutschen haben ein Herz für die gequälte Natur: Wir bauen Krötentunnel, stellen Waschbären unter Schutz und wenn jemand einen seltenen Vogel hört, wird das Gebiet als Bauland gesperrt. Ganz besonders solidarisch sind wir mit Viren - vor allem Masernviren.

Die WHO hat das Ziel ausgegeben, Masern in Europa bis 2010 zu eradizieren - also auszurotten. Doch gelingen wird das nie, Deutschland verhindert das. Denn während es auf dem gesamten amerikanischen Kontinent einige hundert Masernerkrankungen gibt - innerhalb von zehn Jahren! - wartet Deutschland mit 1000 und mehr auf - pro Jahr, wohlgemerkt.

Dass die Zahlen hier so hoch sind, verwundert nicht. Denn ein Ziel, zu dem es keine Zwischenziele und vor allem keine Maßnahmenpläne gibt, ist kein Ziel. Allenfalls eine Utopie, wohl eher eine Illusion. Die Hoffnung soll man nicht aufgeben, aber sich von Illusionen freimachen, heißt es. Einzig ein schnell verabschiedetes Maßnahmenpaket aller im Gesundheitswesen Beteiligter könnte noch ein wenig Hoffnung nähren. So eine konzertierte Aktion ist aber weit und breit nicht in Sicht. Ehrlich wäre es daher, Ulla Schmidt schickte der WHO einen Brief. Titel: "Maserneradikation - ohne uns."

Lesen Sie dazu auch: Deutschland exportiert weiter kräftig Masern

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