Rauchstopp

Immer weniger Raucher in den USA

Jeder USA-Reisende kennt das Bild: Raucher sieht man dort kaum, denn qualmen ist an fast allen öffentlichen Orten verboten. Diese Verbote zahlen sich langsam aus, wie eine neue Studie zeigt.

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Häufige Bild in den USA: Kippenfreie Zone.

Häufige Bild in den USA: Kippenfreie Zone.

© dpa

ATLANTA. In den USA rauchen immer weniger Erwachsene. Nach jüngsten Zahlen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) ist der Anteil der rauchenden US-Amerikaner ab 18 und älter von 20,9 Prozent im Jahr 2005 auf 18,1 Prozent im Jahr 2012 gefallen.

Damit setzt sich ein positiver Trend fort: Im Jahr 1965 hat nach Angaben der American Lung Association noch fast jeder zweite erwachsene US-Bürger (42,4 Prozent) geraucht. Seitdem fällt der Anteil kontinuierlich.

Die CDC-Experten um den Epidemiologen Dr. Brian King sehen in den neuesten Zahlen denn auch einen Beleg dafür, dass höhere Tabaksteuern, Nichtraucherkampagnen und vor allem Rauchverbote ihre Wirkung erzielen (MMWR 2014; 63(02); 29-34). Die Vereinigten Staaten gelten gemeinhin als das Land mit den restriktivsten Nichtraucherschutzgesetzen.

Zum Vergleich: In Deutschland rauchen laut dem Mikrozensus 2009 rund 26 Prozent aller Erwachsenen, die 20 Jahre und älter sind.

Die jüngsten Zahlen aus den USA wurden im Rahmen des National Health Interview Survey (NHIS) für das Jahr 2012 erhoben. Fast 35.000 erwachsene US-Bürger aus den teilnehmenden Familien wurden dazu befragt. Teilgenommen haben letztlich nur rund 61 Prozent. Das könnte freilich eine nicht unerhebliche Schweigeverzerrung mich sich bringen, räumen auch die CDC-Epidemiologen ein.

Die deutliche Mehrheit der hochgerechnet rund 42 Millionen erwachsenen Raucher qualmt den Ergebnissen zufolge täglich mindestens eine Zigarette (78,4 Prozent). Allerdings ist der Anteil der starken Raucher, also jener, die mehr als 30 Glimmstängel pro Tag dampfen, deutlich gesunken - von 12,6 auf sieben Prozent.

Vice versa ist im gleichen Zeitraum der Anteil jener gestiegen, die das Rauchen aufgegeben haben: von 50,7 Prozent im Jahr 2005 auf 55 Prozent im vorvergangenen Jahr.

Wie zu erwarten, war allerdings auch 2012 das "starke Geschlecht" noch immer das eigentlich schwache Geschlecht: Mit 20,5 Prozent rauchen signifikant mehr Männer als Frauen (15,8 Prozent).

US-Bürger asiatischer Herkunft rauchen zudem deutlich seltener als Bürger, deren Eltern verschiedener Herkunft sind (10,7 versus 26,1 Prozent). Und auch die Bildung ist ein Faktor, der mit dem Rauchen korreliert: Akademiker rauchen deutlich seltener als Erwachsene, die "nur" einen Highschool-Abschluss haben (5,9 versus 41,9 Prozent).

Bemerkenswert ist, dass vor allem die jungen Erwachsenen ihre Einstellung zum Rauchen offenbar radikal verändert haben: In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen ist der Anteil der Raucher am stärksten gesunken - von 28 auf 20,1 Prozent.

Diese Kohorte wird in den nächsten Jahrzehnten die heutige Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen verdrängen, in der es mit 21,6 Prozent den höchsten Anteil der Raucher gibt. Damit dürfte die Gesamtzahl der rauchenden US-Bürger auch in den kommenden Jahren weiter schrumpfen.

Allerdings könnte diese frohe Hypothese getrübt werden: Denn in der Umfrage wurde nur nach Zigarettenkonsum gefragt. Doch gerade jüngere US-Amerikaner greifen gerne auch zu neumodischen Tabakprodukten, etwa aromatisierten Zigarillos.

Wie oft diese Produkte konsumiert werden, konnte mit der Erhebung allerdings nicht ermittelt werden. Nicht ausschließen können die CDC-Forscher deshalb, dass der gesunkene Anteil junger Raucher zumindest zu einem Teil auf substitutive Effekte zurückgeht.

Zudem bringt die Umfrage, wie die meisten ähnlichen epidemiologischen Untersuchungen, zahlreiche Einschränkungen mit sich. Neben der hohen Non-Responder-Rate ist das bereits die Umfrage an sich, denn der Rauchstatus wurde lediglich über die Antworten der Befragten erhoben. Biochemische Nachweise gab es nicht.

Letztlich geben die CDC-Autoren auch zu bedenken, dass die Stichproben in einzelnen Populationsgruppen sehr klein sind, was auf Kosten der Präzision bei den Hochrechnungen geht.

Trotz der selbst eingeräumten Schwächen der Erhebung zeigt sie doch einen positiven Trend. Und der ist nicht ganz unerheblich, denn die USA haben sich mit ihrer nationalen Präventionskampagne "HealthyPeople 2020" (vergleichbar mit den Gesundheitszielen in Deutschland) das Ziel gesetzt, den Anteil der erwachsenen Raucher auf zwölf Prozent zu reduzieren.

Bis dieses Ziel erreicht ist, müssen aber noch einige Millionen US-Amerikaner ihre Zigaretten aus der Hand legen. (nös)

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