Individuelle Tumorvakzine für NHL-Patienten

Erstmals ist die Wirksamkeit eines Impfkonzepts mit anti-idiotypischen Antikörpern bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) belegt worden. Das Rezidivrisiko ließ sich in einer Studie um 40 Prozent verringern.

Von Nicola Siegmund-Schultze Veröffentlicht:
Ultraschallbild eines vergrößerten inguinalen Lymphknotens bei einem Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom.

Ultraschallbild eines vergrößerten inguinalen Lymphknotens bei einem Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom.

© Foto: www.sonographiebilder.de

Das Ziel künftiger Tumortherapien machte der Schwerpunkt der diesjährigen Jahrestagung deutlich: möglichst spezifische Diagnosen sollen mit Hilfe einer zunehmenden Zahl von Tumormarkern gestellt werden, die aussagekräftig sind für Staging, Prognose und Ansprechbarkeit auf Therapien, so dass eine möglichst auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie erfolgen kann. Hämatologische Tumoren wie NHL vom B-Zell-Typ eignen sich für die Weiterentwicklung der personalisierten Medizin auf dem Gebiet der Onkologie grundsätzlich gut. Denn die von den Lymphomen gebildeten idiotypischen Antikörper gegen die Erkennungsregionen der Immunglobuline sind hoch spezifisch für den Tumor und werden immer synthetisiert.

Seit Jahren im Fokus: idiotypische Antikörper

Seit den 90er Jahren arbeiten Wissenschaftler daran, gegen solche patientenspezifischen, idiotypischen (Id) Antikörper Immunantworten zu erzeugen. In zwei Phase-III-Studien mit Patienten, die zuvor mit Chemotherapie in partielle oder komplette Remission gebracht worden waren, ist dieses Ziel nicht erreicht worden. Bei der ASCO-Tagung sind erstmals Ergebnisse einer Phase-III-Studien vorgestellt worden, die belegen, dass die Forscher sich dem Ziel dennoch nähern. Professor Stephen Schuster aus Philadelphia hat die Daten präsentiert. 117 Patienten mit follikulären B-Zell-NHL sind in die Studie randomisiert aufgenommen worden, 76 in den Verumarm und 41 in der Kontrollgruppe.

Geimpft wurde innerhalb eines Jahres nach der Remission.

Voraussetzung für die Randomisierung war, dass die Patienten nach einer Therapie mit Prednison, Doxorubicin, Cyclophosphamid und Etoposid (PACE-Regime) für mindestens sechs Monate in komplette Remission gekommen waren. In einem Zeitraum von maximal einem Jahr nach Remission wurden sie zwei Mal immunisiert. Durch die Impfung ließ sich das Wiederauftreten des Tumors deutlich verzögern: Durchschnittlich 14 Monate länger krankheitsfrei als Patienten der Kontrollgruppe blieben jene Patienten, die den Tumorimpfstoff als Konsolidierungstherapie erhalten hatten. Die Vakzine besteht aus Antikörpern, die das B-Zell-Lymphom selbst bildet.

Durchschnittlich wurden die Patienten 56,6 Monate beobachtet. Das rezidivfreie Überleben betrug im Mittel 44,2 Monate im Verumarm und 30,6 Monate in der Kontrollgruppe. Das Risiko für ein Wiederauftreten des Tumors wurde statistisch signifikant um 40 Prozent im Beobachtungszeitraum gesenkt. Toxizität und unerwünschte Wirkungen seien gering gewesen, so Schuster.

Vakzine auch wirksam in Kombination mit Chemo?

Professor Ronald Levy von der Stanford-Universität, Pionier auf dem Gebiet von Tumorvakzinen gegen NHL, bewertete das Ergebnis als "deutlich positiv", machte aber auch Einschränkungen: Die Patienten hätten mit einer bereits 6 bis 12 Monate anhaltenden kompletten Remissionszeit überdurchschnittlich gute Voraussetzungen gehabt. Außerdem sei im Laufe der Aufnahme in die Studie über mehrere Jahre der Antikörper Rituximab als Therapiestandard hinzugekommen. Die Frage laute somit, ob die Vakzine auch in Kombination mit einer Chemo- und Rituximab-Behandlung wirksam sei.

Rituximab reduziert die Zahl der B-Lymphozyten, unabhängig davon, ob sie maligne sind oder nicht. Dass sich trotz einer Schwächung der humoralen Immunantwort durch Rituximab tumorspezifische Immunreaktionen durch Id-Vakzinierung erzeugen lassen, ist in einer Pilotstudie mit Mantelzell-Lymphomen belegt worden. Die humorale Immunantwort setzte verzögert ein, die T-Zell-Immunreaktionen aber waren ausgeprägt, erläuterten die Forscher.

Anträge auf Zulassung in der EU und in den USA

Inzwischen seien Anträge auf Zulassung des Verfahrens sowohl bei der FDA, als auch bei der EMEA in Vorbereitung, teilte der Hersteller des Verfahrens - Biovest aus Tampa in Florida - mit. Von der EMEA liege eine Empfehlung für beschleunigte Prüfung als Orphan Drug vor. Die Herstellung einer solchen individuellen Vakzine dauere etwa drei Monate.

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