Infektiologe beklagt mangelnde Unterstützung beim Impfen

WIESBADEN (ple). In Deutschland gibt es beim Impfen noch großen Nachholbedarf. Nach Ansicht des Impfexperten Professor Heinz-J. Schmitt von der Universität Mainz mangelt es an politischer Unterstützung für das Impfen.

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Wie Schmitt beim Internistenkongreß in Wiesbaden gesagt hat, bezweifelt er manchmal, daß Impfen in Deutschland überhaupt "politisch erwünscht ist". Dabei sei bekanntlich der Nutzen von Impfungen so hoch, daß inzwischen die meisten Länder der Welt ein Impfprogramm hätten. Das bedeutet ein vom Staat oder einer Kommission vorgegebenes Impfziel, etwa die Ausrottung von Masern, einen Plan, wie das umgesetzt werden soll, und schließlich eine Erfolgskontrolle.

"Das alles haben wir in Deutschland nicht", beklagte Schmitt. Hier gebe es keine Definition eines Ziels, es gebe nur einen Plan, nämlich den der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut, deren Vorsitzender Schmitt ist. Eine Erfolgskontrolle fehle weitgehend.

Das, was die STIKO empfiehlt, ist nach einer Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs "Stand der Kunst", wie Schmitt betonte, und sollte deshalb auch umgesetzt werden. Die einzelnen Bundesländer seien dafür zuständig, die Impfempfehlungen auszusprechen.

Die Bundesländer seien zudem angehalten, Werbung für das Impfen zu machen. Allerdings: "Von Impfkampagnen kann lange keine Rede mehr sein", so Schmitt.

Das, was die STIKO in ihrem Impfplan an Impfungen empfiehlt, wird nach Angaben von Schmitt zu 85 Prozent umgesetzt, "wenn auch mit einer zeitlichen Verzögerung".

Trotz der STIKO-Empfehlungen werde allerdings etwa die Impfung gegen Influenza nicht ausreichend genutzt, so der Impfexperte. Schätzungen zufolge würden sich nur 30 Prozent der Personen in Risikogruppen gegen Influenza impfen lassen. Genaue Zahlen dazu gebe es nicht.

"Auch gegen Pneumokokken-Infektionen wird noch zu selten geimpft", sagte Schmitt bei einem Symposium des Arbeitskreises Infektiologie des Bundesverbandes Deutscher Internisten. Ähnliches sei im Zusammenhang mit der Pertussis-Impfung bei medizinischem Personal festzustellen.

"Der Tetanus/Diphtherie/Pertussis-Impfstoff hat eine Schutzrate von 92 Prozent. Und der Impfschutz hält zehn Jahre an", sagte Schmitt. "Sie als Ärzte, die viel mit hustenden Menschen zu tun haben, sollten sich alle zehn Jahre impfen lassen", empfahl er den Kollegen beim Symposium. Seit er diese Daten kenne, lasse er sich alle zehn Jahre gegen Keuchhusten impfen.

Die aktuellen Impfempfehlungen der STIKO gibt es unter www.rki.de

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