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Ist Teilzeit-Diät die bessere Diät?

Einen Tag hungern, einen Tag futtern: "Alternate-Day Fasting" heißt der neue Diättrend. Verglichen mit einer dauerhaften Einschränkung der Kalorienzufuhr scheint er jedoch keine Vorteile zu haben – allerdings auch keine Nachteile.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Jeden zweiten Tag Mahlzeit auf Sparflamme, dafür aber anderntags nach Gusto zulangen.

Jeden zweiten Tag Mahlzeit auf Sparflamme, dafür aber anderntags nach Gusto zulangen.

© Pixelbliss / Fotolia

CHICAGO. Wer ununterbrochen Kalorien einsparen muss, könnte schnell mit seiner Diät scheitern. Als Alternative sind daher intermittierende Diäten populär geworden. Dazu gehört das "Alternate-Day Fasting" (ADF): "Fastentage", an denen nur 25 Prozent des Kalorienbedarfs erlaubt sind, wechseln sich ab mit "Festtagen" ohne Kalorienbeschränkung. Dies soll das Diäthalten vereinfachen und den Erfolg bei der Gewichtsreduktion verbessern.

US-Mediziner haben die Hypothese nun unter kontrollierten Bedingungen überprüft. Das Ergebnis ihrer Studie ist negativ: Bei gleichen Vorgaben für die Gesamtkalorienzufuhr ergaben sich mit ADF weder bei der Adhärenz noch beim Gewicht signifikante Vorteile gegenüber einer täglich einzuhaltenden Diät (JAMA Intern Med. 2017; online 1. Mai).

An der Untersuchung waren 100 adipöse Erwachsene (mittlerer BMI 34) beteiligt, die drei Gruppen zugelost wurden: ADF mit Wechsel von 25 und 125 Prozent des Tagesenergiebedarfs (n = 34), täglicher Diät mit 75 Prozent des üblichen Kalorienbedarfs (n = 35) und keine Intervention (n = 31). Die Diätregime sollten sechs Monate lang befolgt werden, in den ersten drei Monaten wurden die Mahlzeiten dafür ausgegeben. In der anschließenden sechsmonatigen Gewichtserhaltungsphase war eine normale Energiezufuhr vorgesehen. Dies sollte in der ADF-Gruppe durch einen Wechsel von 50 und 150 Prozent und in der Gruppe mit konventioneller Diät durch täglich 100 Prozent des Tagesbedarfs erreicht werden. Die meisten Studienabbrüche gab es mit einem Anteil von 38 Prozent unter ADF, unter konventioneller Diät waren es 29 Prozent und ohne Vorgaben 26 Prozent. Häufiger als bei der täglichen Kalorienrestriktion war bei ADF die Diät der Anlass für den Ausstieg.

Die tatsächliche Kalorienzufuhr lag mit ADF an Fasttagen über und an Festtagen unter den Vorgaben, mit täglicher Diät wurde sie weitgehend eingehalten. Am Ende der Gewichtsreduktionsphase hatten die Probanden die Kalorienzufuhr im Mittel um 21 Prozent (ADF) und um 24 Prozent gedrosselt, ein nicht signifikanter Unterschied. Die Anteile von Fett, Kohlenhydraten und Proteinen waren ebenfalls gleich. Dasselbe galt für den nach sechs Monaten erreichten Gewichtsverlust, er betrug in beiden Gruppen 6,8 Prozent. In der Erhaltungsphase legten die Anwender beider Strategien in gleichem Maß wieder Gewicht zu, um 0,8 und 1,5 Prozent.

Auch hinsichtlich Blutdruck, Triglyzeriden, Nüchternblutzucker, Insulinresistenz und C-reaktivem Protein zeigten sich nach sechs und zwölf Monaten keine signifikanten Differenzen zwischen den Interventionsgruppen. Lediglich das HDL-Cholesterin nach sechs Monaten und das LDL-Cholesterin nach zwölf Monaten waren mit ADF höher als mit täglicher Diät.

"Nach unseren Daten trifft die Annahme, dass es leichter sei, nur jeden zweiten Tag Kalorien einzusparen, nicht zu", schreiben die Studienautoren um Dr. John F. Trepanowski von der Universität in Chicago. Im Gegenteil sei das "Alternate-Day Fasting" auf die Dauer möglicherweise sogar schwerer durchzuhalten als eine tägliche Diät. Allerdings räumen die US-Mediziner auch ein, dass ein "bestimmter Teil adipöser Menschen möglicherweise diese Form des Fastens bevorzugt".

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