Mikrobiom-Forscher

Ist Typ-2-Diabetes eine übertragbare Krankheit?

Diabetiker haben ein verändertes Mikrobiom. Damit ließe sich die Krankheit weitergeben.

Veröffentlicht: 11.02.2020, 11:23 Uhr

Kiel. Adipositas, Herzleiden, Diabetes und andere als nicht-übertragbar eingestufte Krankheiten könnten möglicherweise doch über das Mikrobiom von Mensch zu Mensch weitergegeben werden.

Das berichteten Forscher des Programms „Humans & the Microbiome“ vom „Canadian Institute for Advanced Research“ (CIFAR). Beteiligt daran war auch Professor Thomas Bosch aus Kiel.

Entscheidend für mögliche Übertragungen sei die unterschiedliche Besiedlung des Körpers mit Mikroorganismen (Science 2020; 367: 250).

Bei den Erkrankungen ist das menschliche Mikrobiom im Vergleich zum gesunden Körper deutlich verändert, berichtet die Uni Kiel in einer Mitteilung. Solche veränderten Mikrobiom-Zusammensetzungen könnten zudem Krankheiten auslösen, wenn man sie experimentell auf einen ursprünglich gesunden Modellorganismus überträgt.

Entnimmt man etwa das Darmmikrobiom einer fettleibigen Maus und transferiert es in ein gesundes Tier, wird dieses ebenfalls übergewichtig. Auch gebe es Indizien für eine generelle natürliche Übertragbarkeit des Mikrobioms, so die Forscher. (eis)

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler

Kein wissenschaftlicher Beleg, dass Typ-2-Diabetes eine übertragbare Krankheit sein könnte

Die zusammenfassenden Schlussfolgerungen der o. g. Publikation: “Are noncommunicable diseases communicable?“ von B. B Finlay CIFAR Humans the Microbiome et al. bleiben ausgesprochen vage und unbestimmt: "Therefore, we propose that some NCDs [noncommunicable diseases] could have a microbial component and, if so, might be communicable via the microbiota." (Übersetzung d. d. Verf.) "Deshalb schlagen wir vor, dass einige NCD eine mikrobielle Komponente haben könnten. Und, wenn dem so wäre, möglicherweise über das Mikrobiom übertragbar wären." https://science.sciencemag.org/content/367/6475/250

Die allgemeine Feststellung: “ In animal models of NCDs, transplantation of dysbiotic microbiota into healthy animals results in disease”, also dass im Tiermodell von nicht-übertragbaren Erkrankungen die Transplantation von dysbiotischem Mikrobiom auf gesunde Versuchstiere in Krankheit resultiert, ist bei diesem völlig unphysiologischen Vorgehen überhaupt kein Widerspruch. Nicht-übertragbare Erkrankungen sind und bleiben nicht-übertragbar, wenn man von einer Transplantation fremden Darminhaltes absieht. Das ist nicht nur m. E. der springende Punkt!

Die anfangs vom Autorenteam behauptete, globale Umschichtung von übertragbaren Erkrankungen zu Gunsten nicht-übertragbarer Erkrankungen [„…marked shift from communicable diseases (caused by infectious microbes) to noncommunicable diseases (NCDs)…“] hat eher mit der Entwicklung von Hygiene, Wasser- und Abwasserversorgung, Versorgung mit gekühlten Lebensmitteln, Lebensstandard, Verlängerung der Lebenserwartung usw. zu tun, als mit abwegigen Theorien, dass nicht-übertragbare Erkrankungen doch übertragbar sein könnten.

Wissenschaftliche Exaktheit und stringente Argumentation sehen anders aus.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Cordula Petit

vielleicht eher "ansteckend" im Sinne eines ähnlichen Lebensstils?


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