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Bluthochdruck

Je mehr Antihypertensiva, desto geringer ist die Therapietreue

Je mehr Antihypertensiva Patienten verordnet bekommen, umso schlechter steht es um die Compliance. Was Ursache und was Wirkung ist, lässt eine aktuelle Untersuchung jedoch offen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Sind nichtadhärente Hypertoniker mit vielen Arzneien überfordert oder sind sie nur skeptisch gegenüber den Antihypertensiva?

Sind nichtadhärente Hypertoniker mit vielen Arzneien überfordert oder sind sie nur skeptisch gegenüber den Antihypertensiva?

© Robert Kneschke / Fotolia

LEICESTER. Wenn Hypertoniker trotz Behandlung mit diversen Blutdrucksenkern einen zu hohen Blutdruck haben, besteht der Verdacht, dass sie ihre Tabletten nicht regelmäßig einnehmen. Dies ist offenbar bei gut einem Drittel der Patienten mit schlechter Blutdruckkontrolle der Fall, legt eine britisch-tschechische Studie nahe.

Für die Untersuchung haben Ärzte um Dr. Pankaj Gupta von der Universität in Leicester in England Urinproben von 676 britischen Hypertonikern und Serumproben von 672 Bluthochdruckpatienten aus Tschechien auf Antihypertensiva und ihre Metaboliten getestet. Alle Patienten waren mit dem Verdacht auf mangelnde Adhärenz an ein spezialisiertes Zentrum überwiesen worden.

Dort wurden die Proben per Flüssigchromatografie und Massenspektrometrie auf gängige Blutdrucksenker untersucht (Hypertension 2017; 69: 1113). Die Patienten waren im Schnitt 55 Jahre alt und sollten im Mittel drei bis vier verschiedene Antihypertensiva nehmen. 49 Prozent der Briten und 59 Prozent der Tschechen waren Männer.

Frauen besonders oft nonadhärent

Ergebnis: Knapp 42 Prozent der Briten hatten mindestens ein Medikament ausgelassen, 27 Prozent verzichteten auf mehrere und 14,5 Prozent auf alle Antihypertensiva. Bei den Tschechen sah es mit der Adhärenz etwas besser aus, hier hatten 32 Prozent mindestens eines, 20 Prozent mehrere und 12 Prozent alle Blutdrucksenker abgesetzt.

In beiden Ländern standen Frauen der Medikation skeptischer gegenüber – eine Nonadhärenz trat um 65 Prozent (Großbritannien) und 55 Prozent (Tschechien) öfter auf als bei Männern. Auch jüngere Patienten waren weniger zuverlässig bei der Einnahme: Mit einem Altersanstieg um zehn Jahre ging in beiden Ländern die Nonadhärenz um 30 Prozent zurück.

Schließlich ergab sich ein ähnlicher Zusammenhang mit der Zahl der verordneten Antihypertensiva: In beiden Ländern stieg das Chancenverhältnis (Odds Ratio, OR) für eine Nonadhärenz mit jedem weiteren Antihypertensivum um rund 80 Prozent.

Absolut betrachtet nahmen in Großbritannien 80 Prozent der Patienten mit sechs oder mehr verordneten Antihypertensiva nicht alle Medikamente ein, in Tschechien waren es rund 70 Prozent.

Besonders häufig verschmähten die Patienten Diuretika – vor allem auf der britischen Insel. Solche Arzneien wurden 65 Prozent öfter ausgelassen als ACE-Hemmer und Sartane, in Tschechien gab es für Diuretika hingegen keine signifikanten Unterschiede bei der Adhärenz.

Die Forscher um Gupta erstellten aus den Daten ein Vorhersagemodell, das es Ärzten unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Zahl und Art der Blutdrucksenker ermöglichen soll, das Risiko für eine Nonadhärenz auch ohne aufwändige biochemische Tests abzuschätzen.

Diese wäre danach bei Frauen mittleren Alters (35–55 Jahre) und über sechs Blutdrucksenker besonders groß: 75 Prozent nehmen dann wohl nicht alle Antihypertensiva ein.

"Fixkombis nicht immer die Lösung"

Eine Option, die Adhärenz zu verbessern, wären nach Auffassung der Studienautoren Fixkombinationen von Blutdrucksenkern, sofern eine steigende Zahl von Medikamenten tatsächlich die Therapietreue schmälert.

In einem Editorial warnt Dr. David Hyman vom Baylor College of Medicine in Houston jedoch vor falschen Rückschlüssen. Eine reverse Kausalität sei ebenfalls plausibel: So bekommen nichtadhärente Patienten vermutlich deutlich mehr Antihypertensiva verordnet als adhärente, weil sie ja ihre Therapieziele nicht erreichen.

Fixkombinationen könnten das Problem dann nicht lösen, sondern mitunter noch verschlimmern: Wird die Fixkombi weggelassen, fehlen gleich zwei Medikamente. Ärzte sollten besser schon vor dem sechsten Antihypertensivum daran denken, dass ihre Patienten nicht therapieresistent, sondern vor allem nonadhärent sind.

Auch häufig angewandte Test zum Nachweis der Nonadhärenz werden auf Dauer ins Leere laufen: Wissen die Patienten erst einmal, dass man ihnen mit Laboruntersuchungen auf die Schliche kommen kann, werden sie natürlich am Tag vor dem Test die Medikamente wie verordnet einnehmen, gibt Hyman zu bedenken.

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Kommentare
Thomas Georg Schätzler 30.06.201710:08 Uhr

Durch unreflektierte Wiederholungen wird es nicht besser!

Das Herzzeitvolumen (HZV, englisch cardiac output CO) ist das Volumen des Blutes, das pro Zeitspanne vom Herzen gepumpt wird (Volumenstrom).
Dass das Herzzeitvolumen der Quotient aus Blutdruck und Widerstand sein soll, ist Unfug!
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Hartwig Raeder 30.06.201706:43 Uhr

Erklärungsversuch

Das Herzzeitvolumen ist der Quotient aus Blutdruck und Widerstand. Bei gegebenem konstanten peripheren Widerstand verkleinert jede Blutdrucksenkung das Herzzeitvolumen und damit die Leistungsfähigkeit.

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