Alzheimer-Mäuse

Junges Blut macht geistig fitter

Im Tiermodell klappt es: Mäuse mit einem menschlichen Alzheimer-Gen werden geistig frischer, wenn sie Plasmatransfusionen junger Artgenossen bekommen. Hilft eine Plasmatherapie auch Menschen mit Alzheimer?

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 07.11.2016, 05:01 Uhr
Junges Blut macht geistig fitter

In Romanen und Filmen als Lebenssaft bekannt – mehrere Studien belegen: Blut kann tatsächlich das Gehirn verjüngen.

© Subbotina Anna / fotolia.com

STANFORD. Frisches Blut führt wohl nicht nur im übertragenen Sinne zu einer deutlichen Verjüngung: In mehreren Studien ließen sich Stammzellen alter Mäuse wieder reaktivieren, wenn sie entweder mit jungen Mäusen zusammengenäht wurden und einen gemeinsamen Blutkreislauf teilten oder wenn sie regelmäßig Plasmatransfusionen jüngerer Mäuse erhielten.

Offenbar wird dabei nicht nur die Regenerationsfähigkeit von Muskeln und anderen Geweben gesteigert, auch Herz- und Knochenfunktionen verbessern sich, die Myelinisierung im Nervensystem wird angeregt.

Und: im Hippocampus bilden sich neue Nervenzellen: Wohl aus diesem Grund finden sich ältere Mäuse wieder besser in einem Labyrinth zurecht. Bestimmte Faktoren im Blut junger Tiere scheinen die Ursache für diese Veränderungen zu sein.

Mutiertes Amyloid-Vorläufer-Protein

Ob diese Faktoren auch geeignet sein könnten, eine Alzheimerdemenz zu verzögern, haben Forscher um Jinte Middeldorp von der Stanford University jetzt bei transgenen Mäusen mit einem mutierten menschlichen Gen für das Amyloid-Vorläufer-Protein (APP) untersucht (JAMA Neurol 2016, online 6. September).

Die Mutation sorgt bei Menschen für eine früh auftretende familiäre Alzheimerdemenz.

Die Forscher aus der Arbeitsgruppe um Dr. Tony Wyss-Coray untersuchten die Auswirkungen von jungem Blut zum einem im Parabiose-Modell: Dabei wird die Haut von zwei Tieren an einer kleinen Stelle, etwa einem Bein, zusammengenäht, nach einiger Zeit verbinden sich auch Blutgefäße, und die Tiere teilen einen gemeinsamen Kreislauf.

Nähten die Wissenschaftler zwei ältere mutante Mäuse (16 bis 20 Monate) zusammen, zeigten sich neurodegenerative Erscheinungen, wie sie für solche Tiere typisch sind: Sie bauten Synapsenproteine und kalziumbindende Proteine ab und fuhren zahlreich Gene herunter, die für die neuronale Verarbeitung im Hippocampus wichtig sind.

Junges Mäuseblut stoppt Degeneration

Kombinierten die US-amerikanischen Wissenschaftler hingegen eine ältere mutante Maus mit einer fünf Wochen alten gesunden Maus, normalisierten sich die meisten Genexpressions- und Synapsenproteinmuster.

Ähnliche Effekte erzielten die Forscher, wenn sie älteren Mäusen mit der Alzheimer-Mutation zweimal wöchentlich Plasma von zwei bis drei Monate alten Tieren verabreichten. So ging unter anderem die Produktion abnorm phosphorylierter Proteine im Hippocampus deutlich zurück.

Dies hatte offenbar Folgen für die kognitiven Fähigkeiten. In einem Labyrinth-Test wählten placebobehandelte Mäuse mit APP-Mutation die Abzweigungen rein zufällig aus, wohingegen die mit dem Plasma junger Tiere behandelten Artgenossen weit häufiger als zufällig den richtigen Weg fanden.

Plasma junger Tiere, so schließen die Forscher, scheint die kognitive Leistung von Mäusen mit einer Alzheimer-ähnlichen Erkrankung zu verbessern. Auf Beta-Amyloid-Ablagerungen hatte die Plasmabehandlung jedoch keine Auswirkungen.

Klinische Studie am Menschen haben begonnen

Da es für Alzheimerpatienten noch immer keine Therapien gibt, die ihre kognitive Leistung anhaltend stabilisieren oder gar über längere Zeit verbessern, und da auch gegen Beta-Amyloid gerichtete neue Ansätze in Studien bei symptomatischen Patienten versagt haben, könnte eine Plasmabehandlung bei Alzheimerkranken nach Ansicht der Forscher um Middeldorp durchaus einen Versuch wert sein. Eine entsprechende klinische Untersuchung ist bereits in Gang.

An der Studie "Plasma for Alzheimer Symptom Amelioration" (PLASMA) nehmen Patienten mit leichter bis moderater Alzheimerdemenz teil (MMST-Werte 24–12 Punkte). Sie erhalten über vier Wochen hinweg einmal wöchentlich eine Plasmaspende von Männern im Alter von 30 Jahren oder jünger.

Die Auswirkungen werden anschließend anhand einer neuropsychologischen Testbatterie ermittelt.

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