Direkt zum Inhaltsbereich

Kein Darmkrebs durch häufiges Essen

Wer unregelmäßig isst, häufig "snackt" oder das Frühstück sausen lässt, kann in einer Hinsicht beruhigt sein - auch wenn aus kardiologischer Sicht vieles dagegen spricht: Das Darmkrebsrisiko erhöht sich dadurch offenbar nicht.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Häufiges "Snacking" fördert offenbar nicht die Entstehung von Darmkrebs.

Häufiges "Snacking" fördert offenbar nicht die Entstehung von Darmkrebs.

© helix/fotolia.com

NEU-ISENBURG. Zur Frage, ob sich die Frequenz eingenommener Mahlzeiten auf das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, auswirkt, gibt es in der Literatur sehr widersprüchliche Angaben.

Rania A. Mekary und Kollegen von der Harvard School of Public Health in Boston haben nun erstmals eine prospektive Studie unternommen, um den Zusammenhang zu klären (Am J Epidemiol 2012; online am 2. März).

Dazu hatten die Forscher rund 35.000 Teilnehmer der Health Professionals Follow-up-Study zweimal jährlich über einen Zeitraum von 14 Jahren befragt.

Ergebnis: Teilnehmer, die mehr als fünfmal am Tag aßen, erkrankten nicht etwa häufiger an einem kolorektalen Karzinom als Männer, die regelmäßig nur Frühstück, Mittagessen und Abendbrot zu sich nahmen.

Frühere Studien hatten eine Gefährdung durch häufiges Essen nahegelegt, mit dem Argument, dass mit jeder Mahlzeit Gallensäuren in den Darm gelangten, die indirekt eine DNA-Schädigung und Zellproliferationen in der Darmwand bewirken könnten.

Keinen Effekt auf Entwicklung von Darmkrebs

Offenbar hatten die als ungesund geltenden Zwischenmahlzeiten keinen Effekt auf die Entwicklung von Darmkrebs, und es schien auch keine Rolle zu spielen, ob die Männer regelmäßig frühstückten oder die erste Mahlzeit des Tages meist übersprangen.

Um herauszufinden, welche Rolle die Qualität der Ernährung in diesem Zusammenhang spielte, hatten die Forscher zusätzlich den sogenannten DASH-Score ermittelt (DASH steht für Dietary Approaches to Stop Hypertension): Wer viel Obst, Gemüse, Nüsse, fettarme Milchprodukte und Vollkornlebensmittel zu sich nahm, bekam hohe Werte auf der von 8 bis 40 reichenden Skala.

Für natriumreiche Ernährung, gesüßte Getränke oder rotes Fleisch gab es niedrige Punktzahlen. Interessanterweise brachten es die Snack-Liebhaber hier auf bessere Werte; dies war nach Mekary darauf zurückzuführen, dass die im Gesundheitssystem arbeitenden Teilnehmer zu den Zwischenmahlzeiten eben nicht so sehr ungesundes Junkfood, sondern häufig Obst und Vollwertprodukte aßen.

Das überraschende Resultat jedoch im Hinblick auf das Darmkrebsrisiko: Dieses war bei Teilnehmern mit höheren DASH-Scores, die häufig aßen, insgesamt zwar etwas niedriger als bei denjenigen, die sich tendenziell ungesünder ernährten, dieser Zusammenhang war aber nicht signifikant.

Insulinsensitivität mit Einfluss auf Darmkrebsrisiko

Ein anderer Gesundheitsfaktor schien das Darmkrebsrisiko mehr zu beeinflussen: die Insulinsensitivität. Die Forscher hatten zu deren Messung einen Score gebildet, der körperliche Aktivität, BMI und Kaffeekonsum beinhaltete.

Hier erhielten aktive, schlanke Teilnehmer, die zwei oder mehr Tassen Kaffee am Tag tranken, das Maximum von 3 Punkten. Lediglich die Männer, die hier gut abschnitten, zeigten ein deutlich niedrigeres Darmkrebsrisiko bei häufigen Mahlzeiten.

Fazit: Letztlich sprechen die Ergebnisse gegen einen direkten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Nahrungsaufnahme und dem Darmkrebsrisiko, schreiben die Forscher.

In ihrer Studie zeige nur die Kombination hohe Insulinsensitivität und häufiges Essen gesunder Nahrungsmittel ein gewisses protektives Potenzial.

Quelle: www.springermedizin.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried

Vier Ursachen im Überblick

Häufiges Aufstoßen: Woher es kommen kann und wie therapiert wird

Studie zum Langzeitverlauf

Alarmsymptome bei Zöliakie-Diagnose überwiegend folgenlos

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Komplexe Gemengelage

COVID-Prophylaxe 2.0: Das gilt bei der Abrechnung

Robert Koch-Institut

Erster Nachweis von Sindbis-Fieber in Deutschland

Lesetipps