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Kein Zögern mit Chemo bei alten Krebspatienten!

BERLIN (gvg). Alte Krebspatienten sollten nicht wegen vermeintlicher physiologischer Unterschiede zögerlicher als junge Patienten therapiert werden. Entscheidend für den Therapieerfolg ist vor allem der Allgemeinzustand. Hier jedoch verschätzen sich Ärzte mitunter.

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"Die Tumorbiologie ist im Alter nicht grundsätzlich anders", betonte Professor Maike de Wit von der Onkologischen Abteilung am Vivantes Klinikum Neukölln. Deswegen sollten für Therapie-Entscheidungen die gleichen Kriterien angelegt werden wie bei jüngeren Patienten.

Physiologische Unterschiede zwischen jungen und alten Menschen führten unter anderen dazu, dass bei alten Menschen bei einer Krebstherapie eher mit myelotoxischen Wirkungen, mit Mukositiden und mit pulmonalen unerwünschten Wirkungen zu rechnen sei, betonte de Wit. Das spreche aber nicht gegen eine Therapie, sondern nur für mehr Vorsicht bei der Therapieplanung.

Gebrechliche brauchen eher eine palliative Behandlung.

Wichtiger als physiologische Faktoren ist für de Wit bei der Auswahl der Therapie von Tumorpatienten der Performance-Status: "Unabhängig lebende Patienten ohne schwere Begleiterkrankungen können so behandelt werden wie jüngere Menschen, also auch mit aggressiven Therapien", so de Wit auf dem Interdisziplinären Krebskongress der Vivantes Kliniken Berlin. Bei klar gebrechlichen Patienten mit erheblichen Begleiterkrankungen neige sich die Waage eher in Richtung Palliativtherapie. Schwierig könnten Entscheidungen bei Krebspatienten sein, die im Alltag noch "gut drauf" seien, aber schon schwere Begleiterkrankungen hätten.

De Wit warnte in Berlin davor, sich bei der Beurteilung des Allgemeinzustandes zu stark auf die ärztliche Intuition zu verlassen. Vor allem jüngeren Kollegen riet sie, im Zweifelsfall ein geriatrisches Assessment vorzunehmen, also eine funktionelle Einschätzung des Patienten: "Der erste Eindruck kann bei diesen Patienten trügen", so de Wit. Bei einem kurzen geriatrischen Assessment zum Beispiel werden der funktionelle Status, die Mobilität, die Kognition, Komorbiditäten, kognitive Defizite und Depressionen ermittelt.

Geachtet werden sollte darauf, wie unabhängig die Patienten die Aktivitäten des täglichen Lebens bewältigen. Aber auch der Ernährungsstatus fließt in die Beurteilung des Allgemeinzustandes mit ein. Nicht übersehen werden sollte außer Depressivität auch ein erhöhtes Sturzrisiko.

Wenn es zu Fehleinschätzungen kommt, fallen sie meist zu positiv aus: "Es gibt Daten, die zeigen, dass jeder dritte Krebspatient, der einen guten Performance-Status bescheinigt bekommt, bei genauerem Hinsehen depressiv ist. 28 Prozent haben kognitive Störungen, 38 Prozent sind in den Aktivitäten des täglichen Lebens eingeschränkt", so de Wit.

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