Harnwege

Kleine Steinreste machen auch Ärger

Verbleiben nach endoskopischer Steinentfernung Reste in Harnleiter oder Niere, besteht die Chance, dass sich diese auf natürlichem Weg verabschieden. Je nach Größe können sie aber auch eine Menge Probleme bereiten, wie eine kanadische Studie nahelegt.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht: 09.12.2015, 07:30 Uhr
Kleine Steinreste machen auch Ärger

Harnstein: Bleiben Fragmente im Harntrakt, machen sie jedem fünften Patienten zu schaffen.

© Thomas Kraus / Chirurgie im Bild

VANCOUVER. Reststeinfragmente, die kleiner als 4 mm sind, gehen bei 26 Prozent der Patienten nach einer Ureteroskopie noch spontan ab. Wenn nicht, bleiben sie häufig symptomlos, weshalb man ihnen im Allgemeinen keine besondere klinische Bedeutung beimisst.

Jedem fünften Patienten machen diese Überbleibsel aber doch zu schaffen.

Ben Chew von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver und Kollegen haben jetzt bei 232 Patienten mit Reststeinen den Verlauf im Anschluss an eine Ureteroskopie untersucht (J Urology 2015; online 13. November).

Grundlage hierfür waren die Daten aus sechs Zentren der Endourology Disease Group for Excellence (EDGE) der Jahre 2006 bis 2013. Im Mittel wurden die Teilnehmer über 17 Monate nachbeobachtet.

Patienten meistens symptomfrei

56 Prozent der Patienten blieben symptomfrei und benötigten keine weiteren Behandlungen. Bei 44 Prozent traten erneut Steinbeschwerden auf.

15 Prozent aller Studienteilnehmer entwickelten Komplikationen, die keiner Intervention bedurften, bei 29 Prozent war eine Nachbehandlung erforderlich. Die Technik der primären Steinentfernung spielte dabei keine Rolle.

Obwohl rund 26 Prozent aller Steine nach der Ureteroskopie unabhängig von ihrer Größe spontan abgingen, waren die Komplikationsrate sowie die Notwendigkeit für einen erneuten Eingriff signifikant größenabhängig.

Überschritten die Reststeinfragmente eine Größe von 4 mm, nahmen sie im Verlauf häufiger weiter an Größe zu, die Komplikationsrate erreichte 59 Prozent (vs. 28 Prozent bei kleineren Steinresten) und die Reinterventionsrate 38 Prozent (vs. 18 Prozent).

Eine Subanalyse zeigte: Fragmente über 2 mm wuchsen zwar auch, führten aber nicht zu Komplikationen und erforderten keine erneuten Eingriffe.

Höheres Risiko bei mehr als 4 mm

Chew und Kollegen schließen aus ihren Ergebnissen, dass eine Restfragmentgröße von mehr als 4 mm nach Ureteroskopie ein erhöhtes Risiko für erneute Steinbildung, mehr Komplikationen (17,2 Prozent Notfallbehandlungen, 15,1 Prozent erneute Koliken, 6,5 Prozent Klinikeinweisungen, 2,6 Prozent Niereninsuffizienz) und eine höhere Reinterventionsrate nach sich zieht.

Patienten mit Reststeingrößen über 4 mm sollten den Urologen zufolge deshalb präventiv behandelt werden. Aber auch Fragmente unter 4 mm sollten nachbeobachtet werden.

Die effektivste Strategie, um Probleme nach einer Ureteroskopie zu vermeiden, so die Autoren, sei natürlich die komplette Steinentfernung.

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