Chirurgie

Kliniken wappnen sich für Terroranschläge

Damit die Versorgung der Verletzten bei einem Anschlag oder einer Katastrophe besser klappt, haben sich deutsche Kliniken zu regionalen Traumanetzwerken zusammengeschlossen - mit ersten Erfolgen: Eine Auditierung führt jetzt schon zu einer niedrigeren Sterberate bei Schwerverletzten.

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Rettungskräfte bringen bei einer Übung einen Mann in die Notaufnahme. Mit solchen Übungen bereiten sich Kliniken auch auf Anschläge vor.

Rettungskräfte bringen bei einer Übung einen Mann in die Notaufnahme. Mit solchen Übungen bereiten sich Kliniken auch auf Anschläge vor.

© dpa

BERLIN (gvg). Auch in Deutschland muss bekanntlich mit Terroranschlägen gerechnet werden, die viele zivile Opfer fordern können. Doch sind die Krankenhäuser, speziell die traumatologischen Kliniken, auf einen großen Anschlag vorbereitet?

"Wir stehen auf jeden Fall deutlich besser da als noch vor einigen Jahren", betonte Professor Steffen Ruchholtz vom Universitätsklinikum Marburg bei einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in Berlin.

Der Grund ist, dass nach der Veröffentlichung des Weißbuchs "Schwerverletztenversorgung" der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) im Jahr 2006 einige Defizite systematisch angegangen werden.

So wurden praktisch alle etwa 860 Krankenhäuser, die in Deutschland an der Schwerverletztenversorgung beteiligt sind, zu insgesamt 53 regionalen Traumanetzwerken zugeordnet, die aus jeweils 12 bis 25 Kliniken bestehen.

Unter Einbeziehung der Rettungsdienste werden in diesen Netzwerken Versorgungspläne für einen Katastrophenfall wie etwa einen Terroranschlag in der jeweiligen Region erstellt. Durch eine zunehmende elektronische Vernetzung soll in Zukunft außerdem eine EDV-basierte Patientendistribution bei Massenverletzungen möglich werden.

Das Ganze geschieht nicht im luftleeren Raum. Vielmehr unterziehen sich die einzelnen Kliniken einer Auditierung, bei der überprüft wird, ob die für die Schwerverletztenversorgung nötigen Voraussetzungen erfüllt sind. Die einzelnen Netzwerke werden außerdem zertifiziert, wenn sie nachgewiesen haben, dass sie für einen Katastrophenfall gerüstet sind.

"Bisher wurden 388 Kliniken auditiert, und zehn regionale Traumanetzwerke sind mittlerweile vollständig zertifiziert", betonte Ruchholtz. Erfreulich sei, dass sich in den Häusern, die sich den jeweils halbtägigen Audits unterziehen, im Anschluss daran tatsächlich etwas bewege.

So werde die Ausbildung verbessert, interdisziplinäre Leitlinien würden schriftlich niedergelegt. Und nicht selten werde auch in neue diagnostische Geräte oder chirurgisches Equipment investiert, etwa in Notfall-OP-Siebe, Röntgengeräte für den Schockraum oder Ähnliches.

Dass sich die Bemühungen lohnen, zeigt ein Blick in das gemeinsame TraumaNetzwerk-Register der DGU, das alle 860 Kliniken mit Schwerverletztenversorgung erfasst. "Die Letalität bei Schwerverletzten liegt in den auditierten Kliniken etwa 2,5 bis 3,5 Prozent unter dem nationalen Durchschnitt", so Ruchholtz.

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