Nur kurzfristiger Nutzen

Kortison bei Karpaltunnelsyndrom begrenzen!

Bei leichteren Formen des Karpaltunnelsyndroms können Kortisoninjektionen kurzfristig Besserung bringen. Längerfristig ist der Nutzen dieser Behandlung aber bescheiden.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Karpaltunnelsyndrom: Längerfristig ist der Nutzen von Kortikosteroidinjektionen bescheiden.

Karpaltunnelsyndrom: Längerfristig ist der Nutzen von Kortikosteroidinjektionen bescheiden.

© elvira gerecht / fotolia.com

HÄSSLEHOLM. Zur Wirksamkeit von Kortikosteroidinjektionen in den Karpaltunnel lagen bislang nur zwei randomisierte placebokontrollierte Studien vor: Beide zeigen einen Nutzen, allerdings nur über einen Monat, länger wurden die Patienten nicht verfolgt.

Schwedische Ärzte haben deswegen eine randomisierte placebokontrollierte Studie mit einer Laufzeit von einem Jahr aufgelegt (Ann Intern Med. 2013; 159: 309).

Beteiligt waren 111 Patienten mit leichtem bis mittelschwerem idiopathischen Karpaltunnelsyndrom (KTS), bei denen die Schienung des Handgelenks keine Besserung gebracht hatte.

Jeweils 37 Patienten erhielten eine Injektion von 80 oder 40 mg Methylprednisolon oder Kochsalzlösung. Der Einstich erfolgte 1 cm proximal von der Handgelenkfalte.

Zehn Wochen später waren die typischen Beschwerden, erfasst mit dem CTS Symptom Severity Score, in beiden Verumgruppen stärker zurückgegangen als in der Placebogruppe: von anfangs 3,0 um 0,90 (80 mg Methylprednisolon) bzw. 1,17 (40 mg Methylprednisolon) im Vergleich zu 0,30 mit Placebo.

Mittlere bis große Effektstärke

Den Studienautoren um Dr. Isam Atroshi zufolge handelt es sich dabei um eine "klinisch wichtige" Verbesserung, die einer mittleren bis großen Effektstärke entspricht.

Auch in den Punkten Behinderung von Arm, Schulter und Hand sowie Schmerz und Behandlungszufriedenheit schnitten die mit dem Steroid behandelten Patienten signifikant besser ab als die Kochsalzgruppe.

Eine Subgruppenanalyse ergab außerdem, dass Patienten mit stärker beeinträchtigter Nervenleitfähigkeit eine größere symptomatische Besserung erfuhren.

Der Behandlungserfolg war aber häufig nicht von Dauer. Innerhalb eines Jahres wurde auch in den Steroidgruppen bei 73 bzw. 81 Prozent der Patienten eine Spaltung des Karpaltunnels vorgenommen.

Damit lag die Op-Rate nur in der 80-mg-Methylprednisolon-Gruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe mit 92 Prozent. Die Zeit zwischen Spritze und Eingriff war jedoch in beiden Verumgruppen verlängert.

Als Nebenwirkungen der Kortisonbehandlung wurden lediglich leichte Schmerzen und lokale Schwellungen registriert.

Op meist nicht zu vermeiden

Den Studienautoren zufolge ist es fraglich, ob die geringen Unterschiede im Hinblick auf die Operation Steroidinjektionen als Routinebehandlung des idiopathischen KTS rechtfertigen können.

"Methylprednisolon reduziert zwar Beschwerden und Operationsraten, aber drei von vier Patienten müssen trotzdem innerhalb eines Jahres operiert werden."

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Diagnostik bei Kindern

Kombination aus FAST und AST: sensitiver Score bei stumpfem Bauchtrauma

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

Was eine gute Reha beim Post-COVID-Syndrom ausmacht

Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist

Eine Pillenbox gefüllt mit Medikamenten.

© Mouse family / stock.adobe.com

Tipps aus der Medizin, Pflege und Pharmazie

Wie sich die Adhärenz bei oraler Tumortherapie steigern lässt

Pertussis: Auch die Großeltern impfen?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Pertussis: Auch die Großeltern impfen?