Venenerkrankungen

"Krampfader" als Hinweis für Engesyndrom

Ungewöhnliche Symptome am Thorax oder an den Armen eines fast 70-Jährigen entpuppten sich als ein Engesyndrom zwischen Rippe und Klavikula. Zur Akutversorgung gehören Kompression, Heparinisierung sowie Vitamin-K-Antagonisten.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Sekundär verstärkte Venenzeichnung nach Klavikulafraktur.

Sekundär verstärkte Venenzeichnung nach Klavikulafraktur.

© A. Schuh / W. Hönle

NEUMARKT. Engesyndrome an der oberen Thoraxapertur (Thoracic Outlet Syndrome, TOS) sind die Erklärung für auf den ersten Blick ungewöhnliche Symptome am Brustkorb oder an den Armen.

So bestand bei einem 68-jährigen Mann am rechten Thorax eine "Krampfader", die teilweise Durchmesser von bis zu einem Zentimeter aufwies.

Grund dafür war eine Schlüsselbeinfraktur rechts, die vor Jahren chirurgisch versorgt worden war, schreiben Privatdozent Alexander Schuh und Dr. Wolfgang Hönle aus Neumarkt i. d. OPf. in der "Münchner Medizinischen Wochenschrift" (MMW 2010; 45: 5).

Es handelte sich um ein Kostoklavikularsyndrom. Der venöse Abfluss durch den engen Spalt zwischen erster Rippe und Schlüsselbein war gestört.

Ausgelöst werden derartige Symptome durch eine hypertrophe Muskulatur, Exostosen oder, wie in diesem Fall, durch eine überschießende Kallusbildung.

Vaskuläre TOS seien selten, so Schuh und Hönle. Bei arteriellen TOS bilden sich unter Umständen Gefäßstenosen und Aneurysmen, in deren Folge arterielle Thrombosen oder periphere Embolien möglich sind.

Patienten mit arteriellen TOS klagen über eine Belastungsinsuffizienz der Arm- und Handmuskeln, weisen eventuell trophische Störungen oder ein Raynaud-Phänomen auf.

Weitere klinische Hinweise sind eine Blutdruckmessdifferenz zwischen rechtem und linkem Arm oder der Puls ist auf der betroffenen Seite abgeschwächt.

Technische Untersuchungen sollten in Funktionsstellungen vorgenommen werden, da in Ruhe und bei normaler Armhaltung meist keine Auffälligkeiten feststellbar sind.

Auf diese Weise kann die Diagnose mit Hilfe der Doppler- und Duplexsonografie sowie der Angiografie in Funktionsstellungen gesichert werden.

Venöse Abflussstörungen fallen dagegen durch einen vergrößerten Umfang des betroffenen Armes und ein Handrückenödem auf sowie durch die periphere Zyanose.

Bei dem älteren Herrn im Klinikum Neumarkt lag nur eine sekundär verstärkte Venenzeichnung vor. Eine invasive Therapie sei aus angiologischer Sicht fast nie erforderlich, da sich nur selten ein postthrombotisches Syndrom ausbilde, so die Orthopäden.

Für das Akutstadium empfehlen sie die Kompression der betroffenen Extremität, um das Ödem zu reduzieren, sowie die Heparinisierung und dann eine Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten für etwa 4 bis 6 Monate.

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