Krebserkrankung Jugendlicher belastet noch viele Jahre

HAMBURG (ugr). Annähernd jeder vierte Erwachsene, der als Jugendlicher an Krebs erkrankt war, hat posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Depressionen oder Ängste. Das ist ein Ergebnis einer von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie.

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Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 1800 Mädchen und Jungen an Krebs. Die Heilungschancen sind gestiegen und liegen jetzt bei etwa 80 Prozent, bei einigen Krebsarten bei bis zu 90 Prozent. Die Krankheit hinterlässt jedoch psychische Spuren, wie Diplom-Psychologin Diana Seitz von der Uniklinik Ulm erläutert. "Krebserkrankung und -behandlung sind besonders für Jugendliche mit vielfältigen und nachhaltigen psychosozialen Belastungen verbunden. Die überlebenden Patienten müssen mit somatischen Spätfolgen rechnen und sind einem unwägbaren Rezidiv- und Sekundärmalignomrisiko ausgesetzt."

Die Ulmer Experten befragten 820 Erwachsene, die zwischen dem 15. und 18. Lebensjahr an Krebs erkrankten und heute im Schnitt 30 Jahre alt sind. Sie verglichen die Ergebnisse mit Gesunden einer etwa gleichaltrigen Kontrollgruppe. Zur Erfassung des Ausmaßes an psychischer Belastung wurden die Posttraumatic Stress Diagnostic Scale (PDS) und die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D) verwendet. Die ehemaligen Krebspatienten waren seltener verheiratet, hatten weniger eigene Kinder, einen niedrigeren Schulabschluss und ein geringeres Einkommen als die Kontrollgruppe. Obwohl die Erkrankung schon über 13 Jahre zurücklag, waren die früheren Krebspatienten seelisch stark beeinträchtigt. "Bei 22,4 Prozent der Befragten haben wir behandlungsbedürftige psychische Probleme festgestellt", so Seitz beim Kinder- und Jugendpsychiatrie-Kongress in Hamburg.

Gefragt wurde nach PTBS, Depressionen und Ängsten. 14 Prozent hatten klinisch relevante Symptome in einem erfragten Bereich, knapp sechs Prozent in zwei und fast drei Prozent sogar in allen drei erfragten Störungsbildern. Im Vergleich zur übrigen Bevölkerung war das relative PTBS-Risiko 3-fach, für Depressionen 1,8-fach und für Angststörungen 1,5-fach erhöht. Die Ergebnisse untermauerten die Forderung nach langfristiger psychosozialer Nachsorge für diese Krebspatienten, so Seitz.

Jeder Vierte hat noch als Erwachsener eine psychische Störung.

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