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Mehr Prävention nötig

Krebsüberlebende näher am Herzinfarkt

Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung haben Überlebende von Krebserkrankungen offenbar deutlich mehr KHK-Risikofaktoren. Doch das sprechen wohl viele Ärzte zu selten an.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Blutabnahme: Sind Blutzucker und Cholesterinwerte unauffällig? Das sollte besonders auch bei Überlebenden von Krebserkrankungen geprüft werden.

Blutabnahme: Sind Blutzucker und Cholesterinwerte unauffällig? Das sollte besonders auch bei Überlebenden von Krebserkrankungen geprüft werden.

© Klaro

WINSTON-SALEM. Aus mehreren Studien geht hervor, dass Langzeitüberlebende von Krebserkrankungen eher an den Folgen kardiovaskulärer Erkrankung sterben als an Rezidiven der Tumorerkrankung.

US-Gesundheitsforscher und Epidemiologen haben deshalb in einer Umfrage im Großraum Los Angeles untersucht, welche KHK-Risikofaktoren Krebsüberlebende haben und wie groß die jeweilige Rate ist.

Die Ergebnisse verglichen sie mit denen der Allgemeinbevölkerung in derselben Region. Das sind Daten des CHI-Surveys (California Health Interview Survey) mit mehr als 43.000 Teilnehmern (J Cancer Surviv 2013; 7: 253).

Häufig ungesunder Lebensstil

Von fast 5000 Krebsüberlebenden der FOCUS-Studie (Follow-up Care Use in Survivors) konnten sie die Angaben von knapp 1670 Personen für ihre Studie auswerten.

Die häufigsten Risikofaktoren waren Hypertonie (55 Prozent der Befragten), Übergewicht (38 Prozent), Adipositas (24 Prozent) und Diabetes (21 Prozent). Mehr als 18 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, körperlich inaktiv zu sein. Nur 5 Prozent sagten, sie seien Raucher.

Mit dem unverbundenen T-Test - also jeweils über die Mittelwerte - verglichen die US-Forscher die Prävalenz der Risikofaktoren in der FOCUS-Gruppe und der CHIS-Gruppe.

Danach war der Anteil der Studienteilnehmer mit Übergewicht oder Adipositas in der FOCUS-Gruppe signifikant größer als in der Allgemeinbevölkerung. Das Gleiche gilt für körperliche Inaktivität, Hypertonie in der Anamnese und Diabetes.

Im Vergleich zu Brustkrebspatienten war die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht oder Adipositas bei Patienten mit Prostata-Ca signifikant größer (57,3 versus 69,6 Prozent).

Und signifikant mehr Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren waren körperlich inaktiv im Vergleich zu Patientinnen mit Brustkrebs (31,3 versus 18,8 Prozent).

Signifikant mehr Patienten mit Prostata-Ca (56,8 Prozent) oder Darmkrebs (61,9 Prozent) im Vergleich zu Patientinnen mit Brustkrebs (45,2 Prozent) gaben an, Bluthochdruck zu haben. Insgesamt betrachtet hatte jeder Befragte zwischen einem und zwei kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Lebensstiländerungen oft unbeliebt

Und wie mitteilsam waren die Befragten gegenüber ihrem Arzt? Der Auswertung zufolge besprachen innerhalb der vergangenen zwei Jahre mehr als 60 Prozent der Studienteilnehmer mit ihrem Arzt Aspekte der Ernährung, und 68 Prozent der Befragten sprachen mit ihm über Möglichkeiten, körperlich fitter zu werden oder den Umständen entsprechend fit zu bleiben.

62 Prozent baten um Rat bei geplanten Veränderungen der Lebensgewohnheiten. Vor allem Patienten mit Hypertonie, Diabetes oder Übergewicht/Adipositas ließen sich von ihrem Arzt über Ernährungsumstellung und Möglichkeiten des körperlichen Trainings informieren.

Die Kehrseite: Von denen, die mindestens einen KHK-Risikofaktor hatten, wollten mehr als 33 Prozent von ihrem Arzt keine Infos über angepasste Ernährung, mehr als 29 Prozent keine Informationen über körperliches Training.

Schließlich bekamen 34,3 Prozent der Patienten keine Unterstützung bei dem Versuch, ihre Lebensgewohnheiten an ihr Dasein als Krebsüberlebende anzupassen.

Ihre Studie sei nach einer Untersuchung im vergangenen Jahr bei Krebsüberlebenden, die als Kinder Tumoren hatten, ein weiterer Hinweis darauf, dass es für diese Patienten noch zu wenig Beratung über die Möglichkeiten der Reduktion von KHK-Risikofaktoren gibt, sowohl beim Onkologen wie beim Hausarzt.

Vor allem Hausärzte seien gefragt, wenn es darum geht, bei Krebsüberlebenden nach solchen Risikofaktoren zu fahnden, so die US-Forscher.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Ein Herz für KHK-Risiken

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