Chirurgie

Kunstherz-Implantation bald ohne Herz-Lungen-Maschine?

BERLIN (gvg). Nach der ersten Implantation des weltweit kleinsten Kunstherzens für den Langzeitbetrieb hoffen Herzchirurgen, dass sie bald auch ohne Herz-Lungen-Maschine operieren können. Eine neue Implantationstechnik soll es möglich machen.

Veröffentlicht: 24.01.2007, 08:00 Uhr

Bei den technischen Herzunterstützungssystemen werden zwei Gruppen unterschieden, jene, die ausschließlich der Überbrückung bis zu einer Herztransplantation dienen und jene, die prinzipiell auch für den Dauerbetrieb geeignet sind. Zur letztgenannten Gruppe gehört das nach Herstellerangaben kleinste Kunstherz der Welt, das HVAD™ des Unternehmens Heartware.

Es wird gerade weltweit in Studien untersucht. In Deutschland waren jetzt Kollegen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die ersten, die einem Patienten dieses Herz implantiert hat (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Die CE-Zulassung wird Ende des Jahres erwartet.

Mit dem HVAD-System wird in mehrfacher Hinsicht Neuland betreten. Wird das Kunstherz, das das Blut aus der linken Herzkammer in die Aorta pumpt, in Betrieb genommen, dann hebt sich die propellerartige Blutpumpe von der Achse, auf der sie ruht und schwebt dann, von Magnetfeldern gehalten, frei im Blut.

"Wir hoffen, dass es dadurch zu weniger Abnutzungserscheinungen kommt und das Herz länger hält, vielleicht bis zu zehn Jahre", sagt Privatdozent Martin Strüber von der MHH. Bei Alternativsystemen wie dem häufig eingesetzten Heart Mate® II von Thoratec geht Strüber von einer Haltbarkeit von fünf Jahren aus. Doch so lange Erfahrungen liegen bisher zumindest in Hannover noch nicht vor.

Die eigentliche Innovation des HVAD™ ist an anderer Stelle zu suchen: "Bei diesem Herzunterstützungssystem sind Operationen ohne Herz-Lungen-Maschine (HLM) denkbar", so Strüber. Zwar gibt es Herzchirurgen, die auch andere Systeme ohne einsetzen. "Das sind dann aber sehr abenteuerliche Eingriffe", so Strüber.

Beim HVAD™ wird das für jedes Herzunterstützungssystem nötige Loch in der Herzspitze durch eine neue Schneidevorrichtung von innen herausgeschnitten. Dadurch kann das Kunstherz dann von außen nach Sekunden aufgesetzt und ohne großen Blutverlust über einen zuvor angebrachten Nahtring fixiert werden.

"Wenn das funktioniert, dann kommt ein solcher Eingriff natürlich auch für Patienten infrage, denen wir eine Herz-Lungen-Maschine aufgrund ihrer Begleiterkrankungen nicht zumuten können", erläutert Strüber. Bis es so weit ist, müssen sich die Herzchirurgen aber noch ein wenig gedulden. Erst nach Erteilung der CE-Zulassung sollen die ersten Eingriffe ohne HLM stattfinden.



STICHWORT

Das HVAD™

Das Kunstherz wird an der Herzspitze in die linke Herzkammer eingesetzt. Das aus der Lunge in die Kammer strömende Blut wird in das Kunstherz gesaugt und von dort in die Aorta gepumpt. Der Kunstherzmotor enthält einen Rotor (Impeller), der das Blut mit 3500 Umdrehungen pro Minute weiter transportiert. Der Impeller braucht keine Aufhängung, sondern schwebt aufgrund eines Magnetfeldes im Blut. (gvg)

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