Arthrose

Längerer Schmerz im Handgelenk nach Sturz lenkt Blick aufs Skaphoid

STARNBERG (ner). Mäßige Schmerzen im Handgelenk nach einem Sturz sollte man ernst nehmen. Denn übersieht man eine Kahnbeinfraktur, kann man damit sprichwörtlich "Schiffbruch" erleiden. Dann droht die Pseudarthrose, die sich nach Monaten und Jahren zur Handgelenksarthrose auswachsen kann.

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Je weiter proximal die Frakturlinie verläuft, desto größer die Pseudarthrosegefahr. Grund dafür ist die schlechte Durchblutung des Kahnbeins, die sich zudem vom distalen zum proximalen Pol des Handwurzelknochens dramatisch verringert. Darauf macht Handchirurg Dr. Michael Strassmair aus Starnberg aufmerksam (Orthopädie & Rheuma 5, 2006, 42).

Die Schmerzen nach Bruch des Kahnbeins, meist wegen eines Sturzes auf das überstreckte Handgelenk, verschwinden bereits nach wenigen Tagen, die Schwellung ist oft nur mäßig ausgeprägt, und ein Frakturhämatom fehlt häufig. Dennoch sollte aktiv nach einer möglichen Fraktur gesucht werden, wenn Patienten nach einem Sturz über weiter bestehende Schmerzen klagen. Erster Hinweis sei ein Druckschmerz in der Tabatiére, so Strassmair. Er empfiehlt Kollegen, zur weiteren Diagnostik, das radiologische "Skaphoidquartett" zu veranlassen. Es umfasst:

  • Aufnahme des Handgelenks a.p. in Ulnarduktion
  • Aufnahme des Handgelenks a.p. in Radialduktion
  • eine streng seitliche Aufnahme
  • eine 45-Grad-Aufnahme.

Damit sollte die gesamte Zirkumferenz des Knochens erkennbar sein. Sieht man keine Fraktur bei dennoch dringendem Frakturverdacht, sei die Dünnschicht-Computertomografie oder die Magnetresonanz-Tomografie gerechtfertigt, meint Strassmair. Gegebenenfalls müsse das "Skaphoidquartett" nach zehn bis 14 Tagen wiederholt werden - dann könne man gegebenenfalls Sklerosierungslinien erkennen.

Die Behandlung erfolgt heute meist operativ und ist oft ambulant möglich. In Plexusanästhesie und unter Röntgen-Durchleuchtung wird ein Kirschner-Draht entlang der Achse des Kahnbeins eingebracht. Dieser Draht dient als Führungsschiene für eine kanülierte Kompressionsschraube. Nur bei nicht dislozierten Frakturen oder den seltenen Kahnbeinfrakturen bei Kindern wird konservativ mit einem Unterarmgips für vier Wochen behandelt.

Und noch einen Tipp hat Strassmair: Auch bei distaler Radiusfraktur sollte dem Kahnbein stets besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

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