Leben ohne Pillen möglich bei Epilepsie

WIESBADEN (mut). Eine neue Langzeitstudie zeigt: Ein Drittel der Patienten mit juveniler myoklonischer Epilepsie (JME) führt langfristig auch ohne Medikamente ein befriedigendes Leben.

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Patienten mit der wichtigsten juvenilen Epilepsieform lassen sich zwar gut behandeln, ohne Medikamente ist die Prognose aber schlecht - so lautet zumindest das Credo vieler Neurologen. Die Praxis lehrt dagegen etwas anderes. Die Hälfte der Patienten setzt langfristig die Medikation ab - und die meisten kommen damit ganz gut klar, hat Professor Bernhard Steinhoff auf der Fortbildung Neuro Update in Wiesbaden berichtet.

Der Neurologe vom Epilepsiezentrum Kork verwies auf eine Langzeituntersuchung in Neuschottland in Kanada bei 23 Patienten, bei denen zwischen 1977 und 1985 eine JME diagnostiziert wurde. Nach im Schnitt 25 Jahren hatten elf Patienten - also fast die Hälfte - die Medikation abgesetzt, davon waren sechs anfallsfrei, drei hatten ausschließlich Myoklonien und zwei hatten nur noch selten generalisierte tonisch-klonische Anfälle.

Insgesamt führte etwa ein Drittel aller Patienten auch ohne Medikation ein befriedigendes Leben, so Steinhoff. Man sollte daher das Absetzen der Medikation weniger restriktiv betrachten als bisher.

Mit Gesundheit, Arbeit, Freundschaften und sozialen Kontakten waren 70 Prozent aller Befragten zufrieden - für Steinhoff ein eher niedriger Wert, der zeige, dass die negativen Auswirkungen der Erkrankungen auf das soziale Umfeld bisher eher unterschätzt werden. So waren sieben Patienten arbeitslos (30 Prozent), und eben so viele lebten ohne Partner, neun (40 Prozent) benötigten zudem Antidepressiva.

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