Geriatrie

Leitlinie zu Inkontinenz aktualisiert

Geriater haben die Leitlinie zu Harninkontinenz mit Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie speziell bei geriatrischen Patienten aktualisiert.

Veröffentlicht: 26.09.2019, 07:19 Uhr

KÖLN. Harninkontinenz betrifft vor allem ältere Menschen. Schätzungen zufolge sind circa 40 Prozent der über 70-Jährigen in Deutschland inkontinent. Dieser Situation hat die Arbeitsgruppe Inkontinenz der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) nun Rechnung getragen und Empfehlungen gezielt für geriatrische Patienten erarbeitet. Die AG hat rund 500 Studien gesichtet und mit Blick auf die Anwendung auf ältere Patienten bewertet, teilt die DGG mit. Die Ergebnisse wurden jetzt in einer aktualisierten S2e-Leitlinie zu Harninkontinenz veröffentlicht.

„Wir haben in der interdisziplinär besetzten Arbeitsgruppe nach monatelanger Arbeit jetzt eine Leitlinie erarbeitet, die den behandelnden Ärzten ganz klare Handlungsempfehlungen mit auf den Weg gibt“, sagt Professor Andreas Wiedemann, Leiter der DGG-Arbeitsgruppe und Chefarzt der Urologischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Witten. Als Beispiel nennt er die Harnblasen-Langzeitdrainage: „Es ist erstmals fest definiert, dass ein Blasenkatheter zur Inkontinenzbehandlung erst dann erlaubt ist, wenn alle anderen Therapien nicht anwendbar oder gewünscht sind. Bislang wurden Katheter vorschnell gelegt“, sagt Wiedemann. Es sei die bislang einzige deutschsprachige Leitlinie zu diesem Themenkomplex, so die DGG.

Diese schlage eine Bresche durch den Studiendschungel. „Viele Studien-Autoren definieren ältere Patienten allein durch das Alter 65+. Das greift aber zu kurz“, erklärt Wiedemann. „Ein geriatrischer Patient ist gekennzeichnet durch Vulnerabilität, Multi-Morbidität – er hat also mehrere Krankheiten – und er ist deutlich älter, nämlich über 75 Jahre. Zudem gibt es deutliche Unterschiede zwischen Mann und Frau. Wir haben daher alle Studien-Ergebnisse geprüft, ob sie für geriatrische Patienten überhaupt relevant sind.“ So seien beispielsweise operative High-End-Methoden wie die sakrale Neuromodulation, sogenannte „Blasen-Schrittmacher“, für geriatrische Patienten nicht geeignet. Besonders wichtig sei dagegen das Toilettentraining. Selbst gebrechliche ältere Menschen mit kognitiven oder körperlichen Einschränkungen sprechen auf diese Form des Verhaltenstrainings gut an, so die DGG. (eb)

Die Leitlinie ist erreichbar auf: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/084-001.html

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