Weitere Fälle in Deutschland

Lungenkrankheit in China – noch kein Ende in Sicht

Erneut ist die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus 2019-nCoV deutlich gestiegen. Inzwischen ist von 14.000 bestätigen Fällen allein in China die Rede. In Deutschland wurden zehn Fälle bestätigt.

Von Jörn Petring Veröffentlicht: 30.01.2020, 09:57 Uhr
Lungenkrankheit in China – noch kein Ende in Sicht

In Sorge über die weiter steigende Zahl an Infektionen mit dem neuen Coronavirus: Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO (hier während einer Pressekonferenz im europäischen Hauptsitz der UN) hat daher heute ein weiteres Treffen initiiert.

© Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa

Peking/Paris. Die Zahl der Infektionen und Todesopfer durch die Lungenkrankheit – ausgelöst durch das neue Coronavirus 2019 n-CoV – ist erneut gestiegen. Wie die chinesische Gesundheitsbehörde mitteilte, stieg die Gesamtzahl der Todesfälle Anfang Februar nun auf über 300. Die Zahl der bestätigten Erkrankten stieg auf über 14.380 Fälle in China (Stand 2. Februar).

Nachdem auch Tibet die erste Erkrankung mit dem neuen Coronavirus gemeldet hatte, sind nun in allen Regionen und Provinzen Chinas Infektionen nachgewiesen. Die ersten Fälle waren Ende Dezember in der zentralchinesischen Stadt Wuhan aufgetreten.

Auch außerhalb Chinas werden immer mehr Fälle bestätigt (siehe nachfolgende Tabelle).

So meldete Frankreich eine weitere Infektion. Bei der mittlerweile fünften Erkrankung im Land handele sich dabei um die Tochter des ebenfalls erkrankten 80-jährigen Touristen aus China, teilte das französische Gesundheitsministerium mit.

Der Zustand des 80-Jährigen sei ernst, der Mann werde weiter in einem Pariser Krankenhaus behandelt. Außerdem habe sich der Zustand eines weiteren infizierten etwa 30-Jährigen verschlechtert, der seit Ende vergangener Woche behandelt wird.

Infizierte Deutsche aus Bayern in klinisch gutem Zustand

In Deutschland bestätigte das bayerische Gesundheitsministerium, dass es derzeit acht Infizierte gebe (Stand 2.2., 13 Uhr) . Sieben sind Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, bei der auch der erste Fall bekannt geworden ist. Die Ansteckung ging von einer Kollegin aus China aus, wo jetzt jede Provinz und Region betroffen ist. Betroffen ist auch die Tochter eines der Mitarbeiter.

Die Patienten in Bayern waren auch noch am Wochenende nach Angaben des behandelnden Chefarztes Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing symptomfrei und in klinisch gutem Zustand. Alle Patienten blieben allerdings weiterhin zur klinischen Beobachtung in der Klinik.

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Viele Staaten, darunter auch Deutschland, arbeiten weiter daran, ihre Bürger aus der besonders betroffenen Stadt Wuhan in Zentralchina auszufliegen. In Japan kehrte am Donnerstag bereits die zweite Chartermaschine mit 210 Landsleuten aus Wuhan zurück. Am Vortag waren bereits 206 Japaner heimgeholt worden. Nach bisherigen Erkenntnissen ist bisher keiner von ihnen positiv auf den neuen Erreger worden. Auch die USA hatten am Mittwoch rund 200 Staatsbürger ausgeflogen.

Zwei Infektionen unter deutschen Heimkehrern

Inzwischen ist der Flieger der Bundeswehr, der Deutsche aus Wuhan geholt hat in Deutschland gelandet. Die rund 100 Deutschen und ihre Angehörigen, die sich in der Region um die Millionenstadt Wuhan aufgehalten haben, sind nun in der Südpfalz-Kaserne untergebracht worden. Inzwischen wurden auch hier zwei Infektionsfälle gemeldet.

In der pfälzischen Ausbildungskaserne gibt es medizinische Einrichtungen, um die Menschen zwei Wochen abgeschottet in Quarantäne zu betreuen. „Das ist eine gute Lösung, um die Rückkehrer, ihr Umfeld und die Gesamtbevölkerung gleichermaßen zu schützen.“ Das Ansteckungsrisiko werde so minimiert, sagte dazu Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus und Notfallchef Michael Ryan zeigten sich am Mittwoch besorgt über die „rapide Ausbreitung“ der Lungenkrankheit. Sie seien jedoch sehr beeindruckt von den chinesischen Aktivitäten.

„Das chinesische Verhalten während des Sars-Ausbruchs und das chinesische Verhalten heute – absolut kein Vergleich“, sagte Ryan, der 2003 auch während des Sars-Ausbruchs schon involviert war. Die Tatsache, dass es bislang nur einige Dutzend Fälle im Ausland gebe, sei den rigorosen Maßnahmen Chinas zu verdanken.

Auf die Frage, ob die WHO das Ausfliegen von Ausländern empfiehlt, sagte Tedros: „Die Entscheidung liegt natürlich bei jedem Land selbst. Aber sie müssen gut darauf vorbereitet sein, wenn das Virus auf diesem Weg eingeschleppt wird.“

WHO ruft Notlage aus

Angesichts der rasanten Ausbreitung des neuen Coronavirus hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Donnerstag erneut den Notfall-Ausschuss einberufen.

Am Abend kam dann die Meldung: Die WHO ruf wegen der Epidemie mit dem neuen Coronavirus 2019-nCoV die „internationale Notlage“ aus. Allerdings verzichtet die WHO auf Reisewarnungen, sagte Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstagabend in Genf. Es ist das sechste Mal, dass die WHO so eine Notlage ausruft.

Immer mehr Fluglinien stoppen Verbindungen nach China

Nach British Airways und der Lufthansa kündigen immer mehr Fluggesellschaften an, ihre Flüge nach China einzustellen. Auch die spanische Fluggesellschaft Iberia streicht ab Freitag zunächst alle Verbindungen von und nach China.

Die Airline bietet normalerweise drei Flüge pro Woche zwischen Madrid und Shanghai an. (dpa)

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