Von China in die Südpfalz

Eine Kaserne als Corona-Quarantänestation

Nach ihrer Rückkehr aus China werden seit Samstagabend mehr als 100 Deutsche und ihre Angehörigen nun an einem Bundeswehrstandort betreut. Zwei Rückkehrer sind nachweislich infiziert. Die Behörden betonen, die Gefahr für die Bevölkerung sei gering.

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Ankunft des Airbus A310 „Kurt Schumacher“ der Luftwaffe mit den aus China zurückgeflogenen Deutschen. Nach einem kurzen medizinischen Check-Up auf dem Flughafengelände in Frankfurt ging es weiter in eine Kaserne nach Rheinland-Pfalz.

Ankunft des Airbus A310 „Kurt Schumacher“ der Luftwaffe mit den aus China zurückgeflogenen Deutschen. Nach einem kurzen medizinischen Check-Up auf dem Flughafengelände in Frankfurt ging es weiter in eine Kaserne nach Rheinland-Pfalz.

© Boris Roessler/dpa

Germersheim/Frankfurt. Am Samstagnachmittag hatte die dunkelgraue Maschine der Luftwaffe mit den aus China zurückgeholten Deutschen und ihre Familienangehörigen in Frankfurt aufgesetzt. Immer wieder war die Ankunft verschoben worden. Unter anderem, da der Bundeswehrflieger nicht wie geplant in Moskau zwischenlanden durfte. Er wurde stattdessen in der finnischen Hauptstadt Helsinki aufgetankt.

Nach der Landung wurden die Passagiere ärztlich untersucht, bevor sich drei Busse in Richtung Germersheim in der Pfalz aufmachten, wo die Heimkehrer zunächst für etwa 14 Tage unter Quarantäne stehen. Elf Heimkehrer kamen den Behörden zufolge gleich in die Frankfurter Universitätsklinik, einer von ihnen sollte auf das Virus untersucht werden, bei den weiteren lagen anderen Gründe vor.

Am Sonntag meldete dann der Landrat der Kreises Germersheim, dass es zwei Infizierte in der Kaserne gibt. Diese wurden in einem Infektionsschutz-Fahrzeug auch in die Universitätsklinik in Frankfurt gebracht. Der Infektionsverdacht bei dem bereits bei Ankunft in die Uniklinik eingelieferten Heimkehrer hat sich indessen nicht bestätigt.

Die beiden mit einem Bundeswehrflugzeug aus China zurückgekehrten Passagiere, die mit dem Coronavirus infiziert sind, waren nach Angaben von Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Ankunft in Deutschland symptomfrei. „Sowohl beim Abflug in China als auch bei der Ankunft in Frankfurt waren diese beiden Patienten symptomfrei“, betonte der CDU-Politiker am Sonntag in Berlin.

Es gehe ihnen zur Stunde gut, sie würden in der Uniklinik in Frankfurt untersucht. Dies zeige auch, dass es richtig gewesen sei, dass man sich für eine zentrale Unterbringung der Rückkehrer entschieden habe.

Und was machen die anderen Heimkehrer?

Wie Betreuung und Infektionsschutz organisiert sind

 Einer der drei Busse mit wegen des Coronavirus in China evakuierten Menschen kommt in der Nacht auf Sonntag in einem Konvoi an der Kaserne Südpfalz der Bundeswehr an.

Einer der drei Busse mit wegen des Coronavirus in China evakuierten Menschen kommt in der Nacht auf Sonntag in einem Konvoi an der Kaserne Südpfalz der Bundeswehr an.

© Frank Rumpenhorst/dpa

Ein kleiner Raum mit Etagenbett und ein Badezimmer mit Handtuchwärmer: dies ist für zunächst zwei Wochen in der Kaserne am Stützpunkt des Luftwaffenausbildungsbataillons ihr Zuhause. Das Verlassen des Gebäudes ist mit Mundschutz möglich, in einigem Abstand grenzt ein Zaun mit Sichtschutz das Areal um Block 4 jedoch ein.

Dutzende Menschen auf begrenztem Raum: „Die größte Gefahr ist der Lagerkoller“, räumt Michael Sieland vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ein. Die Organisation ist vor Ort für die Rückkehrer zuständig, auch für den Kontakt im Quarantäne-Block.

„Die Betreuung in der roten Zone übernehmen 27 Freiwillige des DRK“, sagt Sieland. „Wir wollen die Menschen beschäftigen, die wohl froh und erleichtert über die Rückkehr sind.“ Für die etwa zwei Dutzend Kinder liege Spielzeug bereit. „Und wir können jederzeit Nachschub bringen“, betont Sieland.

Das ist das Zuhause in der Kaserne in Rheinland-Pfalz werden, wo die Rückkehrer aus China 14 Tage lang unter Quarantäne gestellt werden sollen.

Das ist das Zuhause in der Kaserne in Rheinland-Pfalz werden, wo die Rückkehrer aus China 14 Tage lang unter Quarantäne gestellt werden sollen.

© Frank Rumpenhorst/dpa

In der Kaserne würden die Menschen, „die einiges durchgemacht haben“, eine gute und angemessene Betreuung erhalten, ist die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sicher. „Ich hoffe, dass alle nach zwei Wochen gesund zu ihren Freunden und Familien zurückkehren können.“

Bis zu 14 Tage dauert nach bisherigen Erkenntnissen die Inkubationszeit bei Infektion mit dem Coronavirus. Wird in dieser Zeit in Block 4 eine Infektion mit dem Coronavirus entdeckt – so wie am Sonntag geschehen – müssen dennoch nicht alle Rückkehrer länger bleiben. „Die Menschen werden in vier Gruppen eingeteilt. Wenn Merkmale einer Erkrankung auftauchen, muss nur die betroffene Gruppe bleiben – drei Gruppen können aber heimgehen“, so Landrat Fritz Brechtel aus Germersheim.

Geringe Unruhe bei Einwohnern in der Nähe

Und wie ist die Stimmung der Bevölkerung der Stadt? „Gelassen“, meint der CDU-Politiker. Spricht man Menschen in der Kommune mit etwa 20.000 Einwohnern an, scheinen sich wirklich wenige Bürger große Sorgen zu machen. Die Kaserne steht zudem am Rande der Stadt.

Luftwaffenstützpunkt Germersheim in Rheinland-Pfalz

Luftwaffenstützpunkt Germersheim in Rheinland-Pfalz

© Uwe Anspach/dpa

Allerdings berichtet die Zeitung „Die Rheinpfalz“ auch, dass in den vergangenen Tagen in den Apotheken von Germersheim die Verkaufszahlen für Mundschutz und Desinfektionsmittel in die Höhe geschnellt seien. „Fachleute sagen: Jeder Grippekranke ist ansteckender als ein Mensch mit Corona“, meint Landrat Brechtel. „Außerdem: Es kommen keine Kranken zu uns.“

„Wir minimieren mit der Quarantäne das Risiko – es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagt der südpfälzische Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart. Der CDU-Politiker ist Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesgesundheitsministerium. „Experten sagen: Das Virus ist nicht so aggressiv wie befürchtet. Die Gefahr für die deutsche Bevölkerung bleibt gering“, unterstreicht Gebhart.

Tägliche ärztliche Untersuchung

„Wir reagieren angemessen, entschieden, ruhig und transparent.“ Täglich würden die Menschen in Block 4 ärztlich untersucht.

DRK-Mann Sieland zufolge steht dafür auch eine fahrbare Arztpraxis bereit. „Wir haben einen Arzt mit Ebola-Erfahrung – und wir haben unsere 27 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die freiwillig mit in Quarantäne gehen.“

Einer von ihnen ist Oliver Talke. Dem 52-Jährigen aus dem Westerwald fiel die Entscheidung nach eigenen Angaben leicht. „Für solche Einsätze tragen wir das DRK-Zeichen auf dem Ärmel“, so Talke. Jeder kenne die Situation. „Wir sind von den Ärzten gebrieft, ich gehe da entspannt rein.“

Die Kosten für die Quarantäne übernimmt laut Staatssekretär Gebhart der Bund. Auch die überwiegenden Kosten des Flugs wird die Bundesregierung tragen. Die Passagiere müssen sich allerdings beteiligen, wahrscheinlich müssen sie den Preis eines normalen Economy-Flugtickets von China nach Frankfurt bezahlen. (dpa)

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