Ernährung bei Tumorpatienten

Mangelernährung bei Krebs beinhaltet Mikronährstoffdefizit

Veröffentlicht: 07.10.2010, 05:00 Uhr
Mangelernährung bei Krebs beinhaltet Mikronährstoffdefizit

Auch Menschen älter als 70 Jahre haben ein erhöhtes Risiko für eine suboptimale Zufuhr von Mikronährstoffen.

© Alexander Raths / Fotolia.com

Krebspatienten haben ein hohes Risiko für eine Mangelernährung, besonders für eine Unterversorgung mit Mikronährstoffen. Darunter sind Vitamine, Minerale und Spurenelemente sowie bioaktive Pflanzeninhaltsstoffe wie Karotinoide und Flavonoide zu verstehen.

Die Feststellung einer Mangelernährung - sei es anhand der Ermittlung anthropometrischer Daten oder auch durch labordiagnostische Verfahren - beinhalte immer auch, dass Mikronährstoffdefizite vorliegen. Das betont Professor Irenäus Anton Adamietz von der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Ruhr-Universität Bochum in Herne in seinem CME-Beitrag zu Ernährung bei Tumorpatienten. Ein normaler Ernährungszustand schließe allerdings diese Defizite nicht aus.

Die Frage zur Substitution von Mikronährstoffen stelle sich somit bereits zu Beginn der Krebstherapie. Dabei seien die Bedeutung der Therapie selbst und deren unerwünschte Wirkungen nicht zu unterschätzen. Adamietz erinnert daran, dass Erbrechen und Durchfall wesentlich zu starken Verlusten an Mikronährstoffen beitragen. Meist könne dieser Verlust durch Ernährung alleine nicht kompensiert werden. Adamietz zufolge erscheint es nur in wenigen Fällen sinnvoll zu sein, eine eingeschränkte Kombination einzelner Mikronährstoffe zu empfehlen (unabhängig von der Dosis). Begründung: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass dadurch andere fehlende Mikronährstoffe übersehen werden oder dass gerade das Tumorgewebe besonders gut versorgt wird.

Mangelernährung bei Krebs beinhaltet Mikronährstoffdefizit

Krebspatienten mit Mangelernährung fehlen meist ausreichende Mengen an Vitaminen, Mineralen und Spurenelementen.

© docstock

Besonders problematisch sind in diesem Zusammenhang Extrakte aus Obst oder Gemüse, die zwar einzelne bioaktive Inhaltsstoffe enthalten können, die jedoch nicht das Spektrum der essentiellen Mikronährstoffe haben, welche in einem vernünftig zusammengesetzten Mikronährstoff-Präparat vorhanden sind.

Bei Patienten mit Mangelernährung ist es am sinnvollsten, zur gezielten und frühzeitigen Behandlung ein Multimikronährstoffpräparat zu verabreichen, das 100 Prozent der Empfehlung für jeden Mikronährstoff enthalten sollte. Das gilt auch für Patienten, bei denen mit einer Mangelernährung zu rechnen ist.

Das Risiko für eine suboptimale Zufuhr von Mikronährstoffen besteht häufig unabhängig von einer tumorbedingten Mangelernährung in einigen anderen klinischen Situationen, etwa bei

  • Menschen älter als 70 Jahre
  • unausgewogener/einseitiger Ernährung, etwa bei Veganern
  • Menschen mit Reduktionsdiäten
  • Adipositas
  • chronisch-entzündlichen Erkrankungen und
  • Nikotin- und Alkoholabusus.

Bei Menschen, bei denen diese Charakteristika zutreffen, könne grundsätzlich von einer suboptimalen Versorgungslage ausgegangen werden, stellt Adamietz fest.

Eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen ist eine wichtige Grundlage für die Verträglichkeit der Therapie, für die Rehabilitation und die Lebensqualität. Sie ist sinnvoll vor, während und nach der onkologischen Therapie. (ple)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Ernährung bei Tumorpatienten"

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