Direkt zum Inhaltsbereich

Ernährung bei Tumorpatienten

Mangelernährung bei Krebs beinhaltet Mikronährstoffdefizit

Veröffentlicht:
Auch Menschen älter als 70 Jahre haben ein erhöhtes Risiko für eine suboptimale Zufuhr von Mikronährstoffen.

Auch Menschen älter als 70 Jahre haben ein erhöhtes Risiko für eine suboptimale Zufuhr von Mikronährstoffen.

© Alexander Raths / Fotolia.com

Krebspatienten haben ein hohes Risiko für eine Mangelernährung, besonders für eine Unterversorgung mit Mikronährstoffen. Darunter sind Vitamine, Minerale und Spurenelemente sowie bioaktive Pflanzeninhaltsstoffe wie Karotinoide und Flavonoide zu verstehen.

Die Feststellung einer Mangelernährung - sei es anhand der Ermittlung anthropometrischer Daten oder auch durch labordiagnostische Verfahren - beinhalte immer auch, dass Mikronährstoffdefizite vorliegen. Das betont Professor Irenäus Anton Adamietz von der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Ruhr-Universität Bochum in Herne in seinem CME-Beitrag zu Ernährung bei Tumorpatienten. Ein normaler Ernährungszustand schließe allerdings diese Defizite nicht aus.

Die Frage zur Substitution von Mikronährstoffen stelle sich somit bereits zu Beginn der Krebstherapie. Dabei seien die Bedeutung der Therapie selbst und deren unerwünschte Wirkungen nicht zu unterschätzen. Adamietz erinnert daran, dass Erbrechen und Durchfall wesentlich zu starken Verlusten an Mikronährstoffen beitragen. Meist könne dieser Verlust durch Ernährung alleine nicht kompensiert werden. Adamietz zufolge erscheint es nur in wenigen Fällen sinnvoll zu sein, eine eingeschränkte Kombination einzelner Mikronährstoffe zu empfehlen (unabhängig von der Dosis). Begründung: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass dadurch andere fehlende Mikronährstoffe übersehen werden oder dass gerade das Tumorgewebe besonders gut versorgt wird.

Krebspatienten mit Mangelernährung fehlen meist ausreichende Mengen an Vitaminen, Mineralen und Spurenelementen.

Krebspatienten mit Mangelernährung fehlen meist ausreichende Mengen an Vitaminen, Mineralen und Spurenelementen.

© docstock

Besonders problematisch sind in diesem Zusammenhang Extrakte aus Obst oder Gemüse, die zwar einzelne bioaktive Inhaltsstoffe enthalten können, die jedoch nicht das Spektrum der essentiellen Mikronährstoffe haben, welche in einem vernünftig zusammengesetzten Mikronährstoff-Präparat vorhanden sind.

Bei Patienten mit Mangelernährung ist es am sinnvollsten, zur gezielten und frühzeitigen Behandlung ein Multimikronährstoffpräparat zu verabreichen, das 100 Prozent der Empfehlung für jeden Mikronährstoff enthalten sollte. Das gilt auch für Patienten, bei denen mit einer Mangelernährung zu rechnen ist.

Das Risiko für eine suboptimale Zufuhr von Mikronährstoffen besteht häufig unabhängig von einer tumorbedingten Mangelernährung in einigen anderen klinischen Situationen, etwa bei

  • Menschen älter als 70 Jahre
  • unausgewogener/einseitiger Ernährung, etwa bei Veganern
  • Menschen mit Reduktionsdiäten
  • Adipositas
  • chronisch-entzündlichen Erkrankungen und
  • Nikotin- und Alkoholabusus.

Bei Menschen, bei denen diese Charakteristika zutreffen, könne grundsätzlich von einer suboptimalen Versorgungslage ausgegangen werden, stellt Adamietz fest.

Eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen ist eine wichtige Grundlage für die Verträglichkeit der Therapie, für die Rehabilitation und die Lebensqualität. Sie ist sinnvoll vor, während und nach der onkologischen Therapie. (ple)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Ernährung bei Tumorpatienten"

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Schutzmechanismus entdeckt?

Warum Krebs im Herzen selten vorkommt

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Warnzeichen trockener Reizhusten

Wenn bei Rheuma die Lunge knistert

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Wie Teamgeist eine Mannschaft beflügelt

Lesetipps
Eine Frau hat einen kleinen Ventilator in der Hand.

© Marcus Brandt/dpa

Auf einen Blick

Unsere Beiträge zum Thema Hitze in der Übersicht

Eine bleibende Diskussion: Betablocker nach Herzinfarkt.

© Jakub Krechowicz / Stock.adobe.com

Pro & Contra

Betablocker nach Herzinfarkt – Standard oder Einzelfallentscheidung?

Eine Hand hält ein

© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Jetzt abonnieren

Unsere Newsletter in der Übersicht