Ernährungsmedizin

Mangelernährung läßt sich schnell abklären

BERLIN (gvg). Wenige Fragen reichen aus, um bei Patienten eine Mangelernährung zu erkennen. Mit standardisierten Fragebögen läßt sich zudem die Indikation zur Ernährungstherapie klären. Die Bögen stehen als Download im Internet zur Verfügung.

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Um grob abzuschätzen, ob bei Patienten die Gefahr einer Mangelernährung besteht, benutzt Privatdozent Johann Ockenga aus Berlin vier Fragen: Ist der Body Mass Index kleiner als 20,5 kg/m2? Wurde in den letzten drei Monaten unfreiwillig Gewicht verloren? Wurde in der Woche vor dem Arztbesuch weniger gegessen als üblich? Ist der Patient schwer krank?

"Wenn eine der Fragen mit Ja beantwortet wird, dann ist der Arzt mit einem Risikopatienten konfrontiert, bei dem es sich lohnt, genauer nachzusehen", so Ockenga auf einer Veranstaltung des Unternehmens B. Braun Melsungen AG aus Anlaß der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin in Berlin.

    60 Prozent der Krebskranken sind bei ihrem Tod kachektisch.
   

In diesem Fall sollte dann einer der gängigen Fragebögen zur Mangelernährung eingesetzt werden, um zu klären, ob eine Ernährungstherapie mit Supplementen indiziert ist oder nicht. Ockenga empfiehlt dazu das Nutritional Risk Screening (im Internet abrufbar: www.dgem.de/fragen/nrs2002.pdf). "Der Zeitaufwand dafür beträgt maximal fünf Minuten", so Ockenga.

Der niedergelassene Onkologe Dr. John Heim aus Berlin empfiehlt zur Orientierung noch die Fragen nach dem Appetit und nach der körperlichen Leistungsfähigkeit: "Das wichtigste Leitsymptom der Mangelernährung ist die Schwäche", so Heim.

Als Onkologe legt er besonderen Wert auf die ambulante Ernährungstherapie bei Tumorpatienten. "Etwa 60 Prozent aller Tumorpatienten sind zum Zeitpunkt des Todes kachektisch", betonte er. Trotzdem finde im ambulanten Bereich eine Ernährungstherapie derzeit so gut wie nicht statt.

Entscheidend ist für Heim der individuelle Verlauf. Wenn ein Tumorpatient aus dem Krankenhaus entlassen werde, dann müsse der Gewichtsverlauf genau überwacht werden. Falle das Gewicht in den ersten Wochen nach der Entlassung um mehrere Kilogramm ab, müsse gehandelt werden.

Heim gibt solchen Patienten gerne gleich in der Praxis eine zwei- bis fünfstündige Infusion mit einer parenteralen Kombinationskost (zum Beispiel Nutriflex®). Gerade wenn nur einige wenige Tage überbrückt werden müssen, zum Beispiel bei Patienten mit Stomatitis nach einer Chemotherapie, sei ein Beutel täglich in Kombination mit einer enteralen Supplementernährung eine gute Option, so Heim.

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