Mehrlinge: Mutter und Kinder in Gefahr

Die Betreuung von Frauen, die mit Drillingen oder gar Vierlingen schwanger sind, ist keine leichte Aufgabe: Die Risiken für Mutter und Kinder sind in solchen Fällen erheblich.

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Mehrlinge wie diese Vierlinge kommen häufig viel zu früh zur Welt.

Mehrlinge wie diese Vierlinge kommen häufig viel zu früh zur Welt.

© dpa

MÜNCHEN (HD/bs). Mehrlingsgeburten sind keine Seltenheit - die Inzidenz liegt in Deutschland mittlerweile bei drei bis vier Prozent. In der Universitätsfrauenklinik Bonn wurden im Jahre 2009 sogar bei zwölf Prozent aller Geburten Mehrlinge entbunden. Von diesen wiederum waren vier Prozent Drillinge, wie Privatdozentin Annegret Geipel aus Bonn beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in München berichtet hat.

Die steigende Zahl der Mehrlingsschwangerschaften ist zum einen auf das steigende Alter werdender Mütter zurückzuführen, "gerade im Bereich der höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften aber auch auf die Methoden der assistierten Reproduktion", betonte Geipel. Das sei ein Problem: "Bei Drillings- oder Vierlingsschwangerschaften haben wir es vermehrt mit mütterlichen Komplikationen zu tun."

So ist im Vergleich zu Frauen, die Zwillinge erwarten, das Risiko für Diabetes sowie für Erkrankungen aus dem präeklamptischen Formenkreis erhöht. Auch Zervixinsuffizienz und Blutungskomplikationen - vor, während und nach der Geburt - treten bei den betroffenen Frauen vermehrt auf (Am J Obstet Gynecol 2008; 198: 401.e1-e10).

"Höhergradige Mehrlingsschwangerschaften bedeuten zudem ein ernstes Risiko für den Feten", machte Geipel mit Blick auf die zehnfach gesteigerte Sterberate deutlich. Das liegt vor allem am Faktor Frühgeburtlichkeit, hängt aber auch zusammen mit intrauteriner Wachstumsrestriktion, Wachstumsdiskordanz und einer erhöhten Fehlbildungs- und Aneuploidierate.

17 Prozent der Drillinge kommen bereits vor der 29. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt, bei den Vierlingen sind es sogar mehr als ein Viertel. Die perinatale Mortalität bei höhergradigen Mehrlingen wird zwischen 10 und 15 Prozent angegeben. Und bei wachstumsretardierten Feten, die vor der 29. SSW auf die Welt kommen, liegt sie bei über 50 Prozent.

Ließe sich der drohenden Frühgeburt durch den Einsatz von Progesteron vorbeugen? Das ist offenbar nicht der Fall, wie eine Doppelblindstudie mit insgesamt 134 Drillingsschwangerschaften ergeben hat. Egal ob vor der 35., 32. oder 28. SSW behandelt wurde - im Vergleich zu Placebo war die Frühgeburtsrate bei Gabe von Progesteron nicht signifikant erniedrigt (Obstet Gynecol 2009, 113: 285-92).

Und auch die Cerclage hat nach Angaben von Geipel keinen Vorteil in Sachen Frühgeburtlichkeit ergeben. Die Risiken von Mutter und Kind im Blick unterstreicht Geipel demnach: "Das Ziel einer assistierten Reproduktion sollte die Einlingsschwangerschaft sein."

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