Darmerkrankungen

Milder Morbus Crohn – Nichts tun oder mit Biologika behandeln?

Patienten mit mildem ilealen Morbus Crohn benötigen nicht unbedingt Medikamente. Auf Biologika lässt sich weitgehend verzichten.

Veröffentlicht: 04.10.2019, 12:47 Uhr

Brüssel. Ungefähr jeder dritte Patient mit Morbus (M.) Crohn hat einen milden bis moderaten Langzeitverlauf der chronischen Darmentzündung. Diese sei durch niedrige CRP-Werte gekennzeichnet, das Rektum ist nicht betroffen und Kortikosteroide seien kaum notwendig, so die Gastroenterologin Professor Britta Siegmund von der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Diese Patienten, meist Nichtraucher höheren Alters und mit vergleichsweise hohem Bildungsgrad, bräuchten im Allgemeinen keine Biologika.

Die Leitlinien der europäischen Fachgesellschaft ECCO (European Crohn‘s and Colitis Organisation) empfiehlt für Patienten mit milder ileozökaler Entzündung orales Budesonid (etwa Budenofalk®) als Mittel der ersten Wahl. Mit 9 mg Budesonid pro Tag könne meist eine Remission erzielt werden und die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Wirkungen sei gering, sagte Siegmund bei einer vom Unternehmen Falk unterstützten Veranstaltung unter Verweis auf eine Metaanalyse der Cochrane Collaboration.

Sie wies auch auf eine Vergleichsstudie mit Budesonid 9 mg / Tag und Mesalazin 4,5 g / Tag hin. Die Therapien führten in einer randomisierten multizentrischen Doppelblindstudie mit 300 Patienten mit mild bis moderat aktivem M. Crohn zu Remissionsraten von 69,5 Prozent in der Budesonid-Gruppe und 62,1 Prozent in der mit Mesalazin behandelten Gruppe. Numerisch scheint das Steroid also etwas besser zu wirken, statistisch ist Mesalazin mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (etwa Salofalk®) in seiner Effektivität nicht unterlegen.

Zwar gibt es keine endoskopischen Untersuchungen, die die Therapieempfehlungen bei mildem M. Crohn stützen würden, indirekt lassen sich aber Auswertungen nach ileozökaler Resektion heranziehen. Demnach kann bei sehr milden Verläufen sogar auf Medikamente verzichtet werden.

Zum Monitoring lässt sich Calprotectin aus Stuhlproben bestimmen – es zeigt mit hoher Sensitivität einen möglichen Entzündungsschub an. Siegmund empfahl bei milder Ileitis und fehlenden Risikofaktoren die endoskopische Reevaluation nach einem Jahr, bei vorliegenden Risikofaktoren, etwa Rauchen, junges Alter und erhöhte Entzündungsmarker, die immunsuppressive Therapie. (ner)

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