HPV-Impfung

Mit Fakten gegen Unwahrheiten

Die meisten der jährlich 1500 Todesfälle an Zervixkarzinom bei uns ließen sich durch HPV-Impfungen verhindern. Durch unsachliche Beiträge zu angeblichen Impfschäden gehen die Impfraten zurück. Das Paul-Ehrlich-Institut hält dagegen.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
HPV-Impfung: Nur jedes dritte Mädchen wird geschützt.

HPV-Impfung: Nur jedes dritte Mädchen wird geschützt.

© Tobias Arhelger / stock.adobe

NEU-ISENBURG. Sind Gerüchte über Impfschäden erst einmal in der Welt, lassen sie sich auch durch noch so viel Evidenz mit Belegen über die Unsachlichkeit nicht mehr ausmerzen – siehe Masernimpfung und Autismus. Das gilt auch für zwei angebliche unerwünschte Wirkungen der HPV-Impfung.

Diese sehr seltenen Ereignisse waren vor sechs Jahren ausschließlich in Japan und Dänemark in zeitlicher Nähe zu der Impfung registriert worden. Obwohl in umfangreichen Studien seither das positive Sicherheitsprofil der HPV-Vakzinen bestätigt wurde, lassen sich in den beiden Ländern viele Mädchen nicht mehr gegen HPV impfen.

Unseriöse Behauptungen werden auch in Deutschland von immer mehr Medien verbreitet. Sie haben es im Dezember sogar in das Polit-Magazin „Report Mainz“ des öffentlich rechtlichen Fernsehens geschafft („Werden Risiken systematisch verschwiegen?“).

Um die Situation zu versachlichen, hat das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) jetzt die Evidenz zu den Kritikpunkten zusammengestellt (Bulletin zur Arzneisicherheit 2019; 1: 24).

Daten von vielen Millionen Impfungen analysiert

Konkret handelt es sich um zwei seltene Syndrome, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sind:

  • Das „Complex Regional Pain Syndrome“ (CRPS) tritt in der Regel nach Traumata an Extremitäten auf. Die Schmerzen klingen nicht wie erwartet ab.
  • Das posturale Tachykardiesyndrom (POTS) ist eine ausgeprägte orthostatische Tachykardie (Anstieg =30 Schlägen/min oder auf >120 Schlägen/min binnen zehn Minuten ohne bedeutsame Hypotension).

Nach dem PEI-Bericht wurde zwischen 2015 und 2017 ein möglicher kausaler Zusammenhang mit der Impfung vom „Pharmacovigilance Risk Assessment Committee“ (PRAC) der EMA und vom „Global Advisory Committee for Vaccine Safety“ der WHO überprüft.

Ergebnis: Ein Zusammenhang zwischen Impfung und den Syndromen ließ sich nicht feststellen. Danach entwickeln pro Jahr je etwa 150 von einer Million Mädchen und jungen Frauen ein CRPS oder ein POTS. Die Raten bei geimpften und ungeimpften Zehn- bis 19-Jährigen unterschieden sich nach der Analyse nicht, betont das PEI.

Zu ähnlichen Ergebnisse kam auch eine finnische Kohortenstudie mit 240.605 Elf- bis 15-Jährigen zum CRPS, ebenso eine Analyse von Daten des „US-Vaccine Adverse Event Reporting Systems“ (VAERS) zum tetravalenten HPV-Impfstoff.

Forscher hatten dabei 19.760 Meldungen zu möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) aus den Jahren 2009 bis 2015 bei etwa 60 Millionen Impfdosen ausgewertet.

„Fake News“ mit fatalen Effekten

Durch die Verbreitung von „Fake News“ werden große Chancen für die Gesundheit von Frauen vertan. „Unsachliche Kritik, die zu einem Vertrauensverlust und Rückgang der Impfrate führt, kann schwere gesundheitliche Konsequenzen haben, nämlich ein höheres Risiko für Zervixkarzinom“, betont das PEI in seinem Bericht.

So ist in Dänemark die HPV-Impfrate von 90 Prozent (Jahrgänge 1998 bis 2000) auf 54 Prozent (Jahrgang 2003) gefallen.

In Japan war die Impfempfehlung durch großen öffentlichen Druck 2013 ausgesetzt worden. Dies hat in verschiedenen Regionen zu einem Rückgang der Impfraten von 70 bis 80 Prozent auf 0,6 bis 3,9 Prozent geführt. Gleichzeitig gab es in Japan Wirksamkeitsbelege aus einer Kohortenstudie mit 22.743 Teilnehmerinnen im Alter von 20 bis 29 Jahren.

Ergebnis: Die geimpften Frauen hatten ein um 69 Prozent geringeres Risiko für eine Vorstufe des Zervixkarzinoms (CIN2+) als nicht geimpfte Frauen.

HPV-Impfung: Auch in Deutschland ein Schattendasein

In Deutschland hätte die Prävention ein großes Potenzial, betont das PEI: 2014 erkrankten bei uns 4509 Frauen neu am Zervixkarzinom, 1506 sind gestorben. Zudem müssen sich etwa 50.000 Frauen pro Jahr einer Konisation zur Therapie einer HPV-bedingten Krebsvorstufe unterziehen.

Obwohl sich die meisten dieser Fälle mit der Impfung verhindern ließen, führt die HPV-Impfung bei uns ein Schattendasein: Nach Daten der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) haben sich von 2014 bis 2017 nur 31,4 Prozent der Mädchen bis 17 Jahre vollständig gegen HPV impfen lassen.

Das PEI unterstreicht zudem das nach Studiendaten belegte positive Sicherheitsprofil der Impfung, und zwar sowohl bei Mädchen und Frauen als auch bei Jungen und Männern. Ärzte sollten daher unsachlichen Berichten über angebliche Impfschäden mit Nachdruck entgegentreten.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Lesetipps
Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft